Während Electronic Arts, Ubisoft & Co. eifrig ihren Geschäftennachgehen, sind andere einst bekannte Publisher und Entwickler längst wieder von der Bildfläche verschwunden - und mit ihnen zumeist auch grandiose Computerspiel-Serien. Im zweiten Teil unseres Nachruf-Specials erinnern wir an 14 vergangene Spieleschmieden, die inzwischen leider schließen mussten. Mal aus eigener Dummheit, mal einfach nur aus Künstlerpech, mal aus purem Größenwahn.
Bullfrog
Quelle: Bullfrog
Magic Carpet macht seinem Namen alle Ehre: Auf einem fliegenden Teppich saust man durch eine grafisch atemberaubende Fantasy-Welt. Ganz anders Dungeon Keeper (im Bild): Im Kerkerspaß wird der Spieler zum sadistischen Schurken.
Wer waren die noch mal?
1989 ist Peter Molyneux noch kein seniler Dampfplauderer, sondern einfach nur genialer Kopf des englischen Entwicklers Bullfrog. Mit Populous begründet die Firma das Genre der Göttersimulationen, Syndicate verbindet vier Jahre später auf famose Weise Strategie-Elemente mit einem düsteren Cyberpunk-Szenario. Generell besteht die Liste der Bullfrog-Werke vornehmlich aus legendären Klassikern der Computerspiel-Unterhaltung: Egal ob Theme Park, Magic Carpet oder Dungeon Keeper – kaum ein Studio schaffte es in den 1990er-Jahren, derart regelmäßig neue Maßstäbe zu setzen.
Wie und wann kam das Ende?
1995 kauft Electronic Arts das Studio und gerät gleich mit dem exzentrischen Führungspersonal aneinander (siehe dazu auch Origin Systems). Peter Molyneux ist sauer und reicht seine Kündigung ein. In den folgenden Jahren produziert Bullfrog immer weniger, immer durchschnittlichere Spiele. Bis EA das Studio schließlich 2004 mit EA UK zusammenlegt und damit faktisch auflöst.
Was wurde aus denen?
Peter Molyneux gründet mit Lionhead nach seinem Abgang eine neue Firma, die wiederum mit dem Rollenspiel Fable sowie dem umstrittenen Black & White ihre eigene Geschichte schreibt. Die namhaften Serien von Bullfrog werden seitens EA indes für fragwürdige Zwecke missbraucht: Mal erscheint ein Abzock-Handyspiel unter dem Dungeon Keeper-Label, mal wird Syndicate als Ego-Shooter wiederbelebt. Der Zauber von einst ist aber längst verflogen und nicht mehr reproduzierbar.
In diesem Artikel
- Seite 1 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - 10tacle, Acclaim, Ascaron
- Seite 2 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - Bullfrog, GoD, Ion Storm
- Seite 3 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - Irrational Games, Looking Glass, Lucas Arts
- Seite 4 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - Midway, Origin Systems, Pandemic
- Seite 5 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - Sierra, THQ
- Seite 6 Bildergalerie
Gathering of Developers
Quelle: GoD
Age of Wonders (siehe Screenshot) ist zwar ein ordentliches Fantasy-Spiel, aber nicht außergewöhnlich kreativ. Als Heavy Metal FAKK 2 erscheint, hat bereits Take 2 das Ruder übernommen
Wer waren die noch mal?
Gathering of Developers kann nicht nur zufällig mit "God" abgekürzt werden – die Gründer der Entwickler-Vereinigung platzen 1998 fast vor Selbstbewusstsein. Denn die Truppe um Mike Wilson will ihren ach so bedeutenden Spielemachern die komplette kreative Hoheit überlassen. Ganz anders als typische Publisher, die für ihr Geld auch ein Mitspracherecht verlangen. Mit Railroad Tycoon 2 und Age of Wonders erscheinen sobald erste Gathering-Titel, doch ein wirklicher Super-Hit ist trotz allem Tamtam nicht dabei zu finden.
Wie und wann kam das Ende?
2000, also bereits zwei Jahre nach der Gründung, wird Gathering of Developers von Take 2 übernommen. Doch die Zusammenarbeit mit den verrückten Firmenchefs gestaltet sich schwierig, zwei Welten prallen aufeinander. Schließlich werden Wilson & Co. 2001 ausbezahlt.
Was wurde aus denen?
Während das Gathering-Label heutzutage einfach nur noch 2K Games heißt, sind die Firmengründer weiterhin aktiv! Mike Wilson und seine Kumpane erfanden 2007 den Anarcho-Publisher Gamecock, der zwar wenige gute Spiele produzierte, dafür aber mit umso groteskeren Events auf sich aufmerksam machte. Und weil aller guten Dinge drei sind, folgte nach dem Ende von Gamecock noch eine weitere Gründung: Auch hinter Devolver Digital (Hotline Miami) stecken die Gathering of Developers-Kerle.
Ion Storm
Quelle: Ion Storm
Deus Ex: Invisible War sieht zwar deutlich schicker aus als der geniale Erstling, enttäuscht aber viele Fans, die sich an den zahlreichen Vereinfachungen stören.
Wer waren die noch mal?
Die beiden id-Software-Größen Tom Hall und John Romero ziehen 1996 ihr eigenes Ding durch und starten das Entwicklerstudio Ion Storm. Ein Lizenzdeal mit Publisher Eidos spült Millionen US-Dollar in die Kassen der Firma – man bezieht ein 2.000 Quadratmeter großes Penthouse-Büro in Dallas. Und muss dort sündhaft teure Vorhänge nachrüsten, weil die Vollverglasung des Baus so viel Sonne durchlässt, dass man auf den PC-Monitoren nichts mehr erkennt. Ein Jahr später wird in Austin ein zweites Studio unter der Leitung von Warren Spector (u. a. System Shock) eröffnet. Dort werkelt man am genialen Deus Ex. Als Prestigeprojekt gilt jedoch John Romeros Daikatana: Die zugehörige Werbekampagne protzt mit Slogans wie "John Romero's about to make you his bitch!". Doch der erste Titel, den Ion Storm auf den Markt bringt, ist das furchtbar miese Dominion.
Wie und wann kam das Ende?
Daikatana wird 2000 (drei Jahre nach dem eigentlich geplanten Release!) veröffentlicht und kann seine enormen Kosten nicht im Ansatz wieder einspielen – zu schlecht ist das Spiel, zu negativ die Berichterstattung. Ein Jahr später erscheint Anachronox, Hall und Romero verlassen das Unternehmen – und Ion Storm Dallas wird geschlossen, weil Eidos endgültig die Nase voll hat. In Austin gehen die Arbeiten jedoch noch vier Jahre weiter, nach der Veröffentlichung von Thief: Deadly Shadows ist aber auch hier Schicht im Schacht.
Was wurde aus denen?
Während John Romero nie wieder zu seiner einstigen id-Form findet und sich mehrfach für seinen damaligen Irrsinn entschuldigt, produziert Warren Spector ab 2010 die ordentliche Micky Epic-Serie für Disney. Die Klassiker Deus Ex und Thief werden ab 2013 von Eidos Montreal wieder ins Rampenlicht programmiert. Und dann ist da ja noch dieser Mike Wilson: Der Tausendsassa gehörte einst ebenfalls zu Ion Storm, war als Marketing-Chef für die dämliche Bitch-Anzeige verantwortlich und sollte später noch weitere Firmen gründen – siehe Gathering of Developers.
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