Magna-was? Videospielkonsolen, von denen ihr wahrscheinlich noch nie gehört habt
Special
Nicht bloß Playstation und Switch: Wir haben gegraben und stellen euch die verrücktesten und unbekanntesten Videospielkonsolen vor, die je gebaut wurden.
Der heutige Konsolenmarkt wird vor allem von Sony, Microsoft und Nintendo beherrscht. Playstation, Xbox und Switch kennt schließlich jeder. Weitere Konkurrenz gibt es kaum noch. Wirft man aber einen Blick auf die Wurzeln der heutigen Gaming-Hardware, stößt man auf Geräte, die skurriler nicht sein könnten und bei deren Herstellern man sich häufig denkt "was, die haben mal Konsolen gemacht?".
Gerade als das Konzept interaktive Unterhaltungsmedien für den Heimgebrauch noch visionär war, schossen entsprechende Geräte schneller aus dem Boden als heutzutage neue FIFA-Spiele. Dabei sind so einige Konsolen entstanden, die mittlerweile so gut wie niemand mehr kennt.
Vom Sega Saturn und dem Atari Jaguar werdet ihr hier nichts lesen. Heute geht es nur um die wirklichen Kuriositäten. Von Phillips CD-i über Fairchild Channel F und Coleco Telstar, nehmen wir in diesem Special einige dieser betagten Gamingmaschinen unter die Lupe und schauen, ob diese zurecht in der Versenkung verschwunden sind.
Magna-was? Die erste Heimkonsole überhaupt
Videospiele gibt es schon deutlich länger, als viele vielleicht denken. Bereits in den 40er-Jahren wurde an Spielen gearbeitet, die Raketenabschüsse oder simple Brettspiele simulieren sollten. Diese liefen aber nicht auf Konsolen, sondern auf riesigen Computern, die teilweise ganze Räume einnahmen.
Das erste Gerät, das man tatsächlich an einen Fernseher anschließen konnte, um damit zu spielen, war die Brown Box. Sie sah genau so aus, wie es der Name vermuten lässt und wurde Ende der 60er-Jahre von Ralph Bear entwickelt. Auf ihr waren mehrere Versionen von Pong gespeichert, alles im simpelsten möglichen Umfang.
Quelle: Atari
Pong
Auf diesen Prototyp wurde die Firma Magnavox aufmerksam, welche sich die Rechte für die Brown Box sicherte und 1972 die Magnavox Odyssey auf den Markt brachte. Sie war die erste markttaugliche Videospielkonsole der Welt und ebnete den Weg für einen wahren Konsolenboom.
Dabei war die Odyssey für die Zeit durchaus innovativ. Die Konsole war zwar technisch noch so limitiert, dass sie nur leuchtende Punkte und Linien darstellen konnte, mithilfe von mitgelieferten bedruckten Folien, die durch die elektrostatische Ladung der alten Röhrenfernseher am Bildschirm haften konnten, war es jedoch möglich, verschiedene Spiele umzusetzen und in gewissem Sinne eine Grafik zu simulieren.
Quelle: Evan Amos, WIkipedia - Public Domain
Magnavox Odyssey
Dieses System war so revolutionär, dass viele andere Firmen auch etwas vom Kuchen abhaben wollten und versuchten, sich mit Konsolen ein neues Standbein aufzubauen. Das führte dazu, dass in der ersten Generation der gesamte Markt mit Heimgeräten überschwemmt wurde.
Es gab den Coleco Telstar, den Atari Pong, den Enterprex Apollo, den Mustang 9008 und viele weitere. Mehrere Hundert Konsolen wurden so in wenigen Jahren entwickelt, und alle waren bezüglich Design und Spielmechanik von der Magnavox Odyssey orientiert.
Sogar Nintendo trug seinen Teil dazu bei. Denn die ersten Konsolen des Unternehmens war nicht etwa der NES oder der Game & Watch, sondern die 1977 bis 1979 erschienenen Color TV-Game-Konsolen. Sie enthielten immer nur ein integriertes Spiel und waren in Japan sehr erfolgreich.
Das Problem bei dieser Vielzahl an verschiedenen Geräten war, dass die meisten sich einfach nur gegenseitig kopierten, ohne wirklich Innovation zu bieten. Dadurch wurde der Videospielmarkt dermaßen übersättigt, dass die meisten Hersteller pleitegingen und es zum ersten großen Videospielcrash kam.
Da das genaue Beleuchten all dieser Konsolen aus der ersten Generation wahrscheinlich länger dauern würde als das Sammeln aller 1000 Krogs in Zelda Tears of the Kingdom und genauso abwechslungsreich wäre wie Gras beim Wachsen zuzusehen, ersparen wir euch das und schauen uns nur die wirklich interessanten Geräte der letzten 40 Jahre an.
Unbekannter Revolutionär
Bis zu den leistungsstarken Konsolen der heutigen Zeit war ein langer Entwicklungsweg vonnöten. Dabei gab es immer wieder Firmen, die es schafften, neue und revolutionäre Technologien zu entwickeln, um damit den Konsolenmarkt voranzutreiben.
Eine davon war der Halbleiterhersteller Fairchild Semiconductor. Er entwickelte den 8-Bit-Mikroprozessor F8 und verbaute diesen in einer eigenen Videospielkonsole, der Fairchild Channel F. Obwohl fast niemand mit diesem Namen heutzutage noch etwas anfangen kann, war der Einfluss der Konsole auf den damaligen und heutigen Markt durchaus beachtlich.
Quelle: Evan Amos, WIkipedia - Public Domain
Fairchild Channel F System 2
Sie war nämlich die erste Konsole, die einen eigenen programmierbaren Prozessor und austauschbare Game Cartridges besaß, und auch die konsoleneigenen Joysticks waren revolutionär im Vergleich zu den bisherigen Steuerungsutensilien. Leider ließen die Leistungsfähigkeit und die Spieleauswahl zu wünschen übrig.
Der Arbeitsspeicher der Konsole betrug gerade mal 64 Byte. Zum Vergleich: Die aktuelle PS5 hat in ihrem Inneren 16 Gigabyte verbaut, also 16 Milliarden Byte RAM. Klar sprechen wir hier von den Anfängen des Konsolenmarkts, aber auch hier war die Fairchild Channel F schnell nicht mehr konkurrenzfähig.
Bildergalerie
Dabei gab es an Konkurrenz wahrlich genug. Wie bereits zur Zeit der Magnavox Odyssey entwickelten viele Hersteller selbst Konsolen auf Basis der Channel F und machten sie leistungsfähiger. Vor allem die Veröffentlichung des Atari 2600 ein Jahr später war der Knock-out für Fairchild. Nicht nur konnte Ataris meistverkaufte Heimkonsole so gut wie alles besser, was die Channel F gut gemacht hat, sie hatte zusätzlich auch deutlich mehr Kapital zur Verfügung.
