Wie Videospiele zur neuen Propaganda-Plattform werden - Reportage

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Wie Videospiele zur neuen Propaganda-Plattform werden - Reportage
Quelle: Activision-Blizzard

Wir blicken in unserer Reportage auf Propaganda in Videospielen - nicht die fiktive Version, sondern tatsächliche Versuche, mit Gaming Politik zu machen.

Die Funktion ist praktisch eine Cutscene, die wir auch bei westlichen Games als Belohnung für das erfolgreiche Abschließen eines Abschnitts kennen.

Und der Westen ist natürlich unschuldig - wie immer

Und der Westen hat eine weiße Weste? Nicht ganz - es ist, wie anfangs erklärt, sehr unwahrscheinlich, dass westliche Staaten Druck auf Spielepublisher ausüben, damit ihre Spiele eine bestimmte Geschichte erzählen oder einen bestimmten Feind haben. Doch auch hierzulande haben Videospiele längst eine politische Dimension erreicht - das zeigt das Beispiel von America's Army. Das Spiel wurde von der US-Armee entwickelt, um junge Menschen für eine Karriere im Militär zu begeistern. Es versetzt die Spieler in den Konflikt im Irak und vermittelt ihnen ein positives Bild des Militärs. America's Army markierte damit den ersten umfangreichen Einsatz eines Videospiels durch die US-Regierung als eine Plattform für strategische Kommunikation und Rekrutierung. Keine Kleinigkeit - das Spiel wurde zeitweise von Millionen von Spielern und Spielerinnen weltweit gespielt.

Und auch die Bundeswehr nutzt indirekt Videospiele, um neue Rekruten zu gewinnen. Auf der Gamescom, der größten Videospielmesse Europas, war die Bundeswehr in der Vergangenheit regelmäßig mit einem Stand vertreten und warb mit Slogans wie "Multiplayer at its best!" oder "Mehr Open World geht nicht!". Kritiker haben der Bundeswehr vorgeworfen, Krieg als Spiel zu verharmlosen.

Plakate der Bundeswehr auf der Gamescom Quelle: Bundeswehr

Und jetzt?

Videospiele haben das Potenzial, komplexe Botschaften und Ideologien zu vermitteln - gewollt oder ungewollt. Das macht sie zu einem mächtigen Instrument in der Propaganda. Totalitäre Staaten wie China nutzen diesen Umstand schon lange und auch westliche Publisher arbeiten viel mit Stereotypen. Ob und falls ja wie weit das unser Denken beeinflusst, lässt sich nicht abschließend klären.

Und nur, weil wir einen Ego-Shooter spielen, in dem ein größenwahnsinniger russischer Herrscher die Welt erobern möchte, heißt das natürlich nicht, dass wir anschließend bewaffnet Russen abknallen wollen. Aber vielleicht beeinflusst das wiederholte Erleben solcher Stereotype subtil unser Denken, vielleicht bei einigen mehr als bei anderen. Wer weiß. Erforscht ist dieses Feld auf jeden Fall noch nicht besonders gut.

Für uns heißt das: mehr darüber nachzudenken, was wir spielen und welche Botschaften wir dabei aufnehmen. Und vielleicht mal laut werden, wenn der nächste generische Shooter voller Stereotype auf den Markt geworfen wird. Der Videospielindustrie würde ein wenig mehr Diversität guttun - auch in ihren Storylines. Denn wie Rosa Luxemburg sagte: "Unpolitisch sein heißt politisch sein, ohne es zu merken!".

Quellen, so nicht direkt im Text verlinkt:

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Lanser, Saskia; Schülke, Britta (2019): Propaganda und die Welt der Videospiele aus Sicht des Jugendschutzes. In: Jugend Medien Schutz-Report ; 42 42 (6), S. 2-5. DOI: 10.5771/0170-5067-2019-6-2.

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