Trotz Gaming-Boom: Warum werden in Deutschland kaum Videospiele programmiert?

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Trotz Gaming-Boom: Warum werden in Deutschland kaum Videospiele programmiert?
Quelle: Felix FalkUbisoft

Deutschland ist einer der wichtigsten Wirtschaftsstandorte der Welt - die Gaming-Branche ist trotzdem relativ klein. Aber warum ist das so? Eine Spurensuche.

Das größte deutsche Entwicklerstudio bringt es auf 470 Beschäftigte und hört auf den Namen Ubisoft Deutschland. Damit ist es eben auch kein eigenständiges, deutsches Unternehmen, sondern "nur" eine Zweigstelle von Ubisoft Entertainment, dessen Hauptsitz in Frankreich liegt. Das zweitgrößte deutsche Studio - Ubisoft Deutschland ausgeklammert sogar das größte - ist InnoGames mit Sitz in Hamburg. Das Unternehmen bastelt an Onlinespielen wie Forge of Empires oder Rise of Cultures - also Games, die entweder im Internet-Browser oder per Smartphone-App gespielt werden können. Dahinter liegt das Studio namens Wooga mit Sitz in Berlin und rund 325 Mitarbeitern, welches ebenfalls an Smartphone-Spielen wie June's Journey und Switchcraft arbeitet.

Welchen Einfluss hat der Staat?

Im Rahmen unserer Recherche sprachen wir mit Maike Steinweller, Head of Communications bei Wooga. Wie zuvor Olaf Zimmermann bestätigt sie, dass es teilweise schwierig sei, talentierte Entwickler an Land zu ziehen: "Für uns und die gesamte Branche ist es natürlich förderlich, wenn Deutschland für Talente aus der ganzen Welt ein attraktiver Standort bleibt. Die vor allem in Berlin stark steigenden Lebenshaltungskosten können aber eine Barriere darstellen, Talente zu gewinnen und zu halten."

Eine Frau vor dem Wooga-Logo Quelle: Wooga Mit Blick auf andere internationale Entwicklerstudios wird ein weiteres Problem in Deutschland offensichtlich: das Thema staatliche Förderung. In Frankreich und Großbritannien sind Zuschüsse seitens der Regierung für die Entwickler von Videospielen Normalität, in Deutschland ist dieses Thema noch recht jung.

"Es besteht ein Bedarf an besserer Unterstützung seitens der Bundesregierung, um die Spieleindustrie wettbewerbsfähiger zu gestalten. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Kanada gibt es bereits seit vielen Jahren etablierte und erfolgreiche Fördersysteme für die Games-Branche", sagt Steinweller.

Und sie fügt hinzu: "Dort gibt es Förderprogramme nicht nur zu finanziellen Unterstützung während der Konzeptphase, sondern auch für die kostenintensive Phase der Markteinführung, da organisches Wachstum inzwischen im Grunde ausgeschlossen ist."

Alles in allem positive Entwicklung in Deutschland

Trotz eventuell bestehender Probleme sieht Steinweller die Entwicklung der Videospielbranche in Deutschland als positiv an. Der Beruf eines Entwicklers sei nicht länger ein Nischenjob und das Angebot an Studiengängen in Deutschland entwickele sich stets weiter. Auch bestätigt sie, dass die Coronapandemie dem Studio beim Wachstum geholfen habe.

Ihr Fazit lautet daher: "Berlin bleibt für uns der optimale Standort als Entwicklerstudio. Wir schaffen es immer noch, talentierte Menschen aus aller Welt dazu zu bewegen, nach Berlin zu ziehen. Bei Wooga arbeiten Kollegen aus über 50 Nationen, Berlin hat als internationale Stadt mit vielfältigem kulturellem Angebot eine hohe Attraktivität. Unsere Erfahrung als Entwicklerstudio in Deutschland sind also insgesamt positiv."

Videospiel-Förderung in Deutschland reicht nicht aus

Neben dem Fachkräftemangel kristallisiert sich inzwischen auch heraus, dass die Förderung für die Videospielbranche seitens des Staates einfach nicht ausreichend ist. Wie bereits erwähnt, ist dieses Thema noch nicht allzu lange in Deutschland präsent.

Erst 2019 wurde eine staatliche Förderung für die Entwicklung von Videospielen beschlossen. Inzwischen ist sogar ein Aufbau von Deutschland als Spielestandort im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung verankert.

Das Problem: die veranschlagten Fördermittel reichen nicht aus. Nicht einmal annähernd. 50 Millionen Euro beträgt das jährliche Budget des Staates für Spieleschmieden. 2022 war dieses bereits im November vollends ausgeschöpft - und auch für 2023 gab es zu diesem Zeitpunkt schon keine Fördermittel mehr. Die Regierung verhängte daher einen Stopp für Anträge.

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