Vergiftet und unheilbar? Ein analytischer Blick auf toxische Gaming-Communitys, Seite 4
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Wir beschäftigen uns in diesem Special mit toxischen Gaming-Communitys und fragen: Wie stark ist der Hass ausgeprägt und was können wir gegen ihn tun?
Es ist essenziell, dass Spielestudios ihre Arbeitskultur verbessern und mit gutem Vorbild vorangehen, um darauf aufbauend auch toxisches Verhalten unter den Spielern zu reduzieren.
Die Liste der ADL beinhaltet noch viele weitere Punkte, und obwohl die Studie bereits 2020 erschienen ist, hat sich seitdem wenig getan.
Stattdessen macht es den Anschein, dass sich Entwickler für einen anderen Weg entschieden haben. So schaffen sie die Kommunikation zwischen Spielern einfach komplett ab.
Ein Beispiel dafür ist das neue Battlefield 2042. Hier hat man den Chat mit dem Gegner-Team und auch den Voice Chat im eigenen Team komplett abgeschafft. Riot Games versucht in League of Legends denselben Ansatz und deaktiviert den "All-Chat", mit dem man mit dem gegnerischen Team kommunizieren kann, in ausgewählten Regionen.
Zwar können so negative Interaktionen vermieden werden, jedoch nimmt die Einschränkung der Kommunikation den Spielern auch die Fähigkeit zu jeglicher Form taktischer Absprachen und die Möglichkeit, positive Erfahrungen zu sammeln. Schließlich gaben in der ADL-Studie auch 83 Prozent der Teilnehmer an, Freunde über den Chat gefunden zu haben.
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Ein weiterer Weg im Kampf gegen den Hass ist die positive Verstärkung. Dieses Konzept stammt aus der Psychologie und wird in der Pädagogik bereits seit Jahren angewendet. Hierbei gibt es bereits passende Ansätze in der Gaming-Industrie. So gibt es in manchen Spielen ein Empfehlungs-System, welches Spielern die Möglichkeit gibt, sich gegenseitig zu empfehlen und dadurch Vorteile zu verschaffen. Genau solche Mechaniken müssen ausgebaut und verbessert werden. Auch hier lässt sich das Ehrungs-System von League of Legends als Beispiel heranziehen.
Was kann man selber tun?
All das sind Maßnahmen, die Entwickler ergreifen müssen, um toxisches Verhalten zu verringern. Doch was kann jeder einzelne von uns konkret tun?
Als Erstes gilt es, den Opfern zuzuhören, sie ernst zu nehmen und sie dabei zu unterstützen, Fehlverhalten gegebenenfalls auch zur Anzeige zu bringen. Außerdem sollte die sogenannte "Zuschauerkultur" zwingend vermieden werden. Wenn man Hass im Netz sieht, sollte jeder einzelne von uns einschreiten. Und ja, natürlich, das ist nicht der angenehme oder bequeme Weg, aber durch Zuschauen wird es nicht besser.
Hierbei hat jeder von uns schon mal das Argument gehört "Das Internet ist eben so und man braucht halt ein dickes Fell". Aber ist das wirklich, was wir wollen? Wollen wir uns im Netz ernsthaft gegenseitig beleidigen und fertigmachen? Und einfach zusehen, wie Mitmenschen in Depressionen und Angststörungen getrieben werden, die teilweise sogar in Selbstmord enden?
Auch für den Kampf gegen Trolle haben Studien Empfehlungen ausgesprochen: Aufgrund des komplizierten Profils eines Trolls und dessen oft mangelnder Empathie bringt es wenig, an seine Menschlichkeit zu appellieren. Stattdessen lautet die Empfehlung der Studie, den Trollen einfach nicht die erhoffte Reaktion zu geben, indem man sie ignoriert. Das heißt jedoch keinesfalls, dass diese Menschen toleriert werden sollten. Sie müssen für ihre Handlungen verantwortlich gemacht werden.
Der letzte und vermutlich wichtigste Punkt ist: Selbstreflexion. Wir müssen uns ALLE zuerst an die eigene Nase fassen. Dabei helfen Fragen wie: War ich schon einmal toxisch? Warum war ich toxisch? Wann war ich toxisch? Wenn man sich selbst überprüft und hinterfragt, kann man auch entsprechend agieren.
So kann man zum Beispiel, wenn man weiß, dass man besonders nach einem harten Arbeitstag zu Wutausbrüchen neigt, sich bewusst entscheiden, am Abend keine Multiplayer-Titel spielen. Stattdessen kann man sich lieber ein entspanntes Singleplayer-Spiel reinziehen, um runterzukommen.
Nur gemeinsam können wir diese Aufgabe bewältigen. Es ist eine Teamleistung und nur als Team sind wir in der Lage, toxisches Verhalten nicht nur in Videospielen, sondern im gesamten Netz zu stoppen. Helft uns dabei, dasss Netz zu einem schöneren Ort für alle zu machen!
Quellen
- Umfrage der firstpost
- Anti-Deformation-League -Studie
- Female Gamers' Experience of Online Harassment and Social Support in Online Gaming: A Qualitative Study
- Women's experiences with general and sexual harassment in online video games: Rumination, organizational responsiveness, withdrawal, and coping strategies
- "Who Are the Cyka Blyat?" How Empathy, Impulsivity, and Motivations to Play Predict Aggressive Behaviors in Multiplayer Online Games
- New research shows trolls don't just enjoy hurting others, they also feel good about themselves
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