Vergiftet und unheilbar? Ein analytischer Blick auf toxische Gaming-Communitys, Seite 2
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Wir beschäftigen uns in diesem Special mit toxischen Gaming-Communitys und fragen: Wie stark ist der Hass ausgeprägt und was können wir gegen ihn tun?
Allgemein lässt sich sagen, dass die Auswirkungen natürlich dieselben sind wie in der oben beschriebenen ADL-Studie, jedoch gibt es auch spezielle Reaktionen, die explizit auf Frauen zutreffen. So entwickeln sie gewisse Bewältigungstechniken. Sie verändern ihre Stimme mit einem Voice-Changer oder benutzen den Voice Chat gar nicht mehr.
Manche gaben an, dass sie lieber genderneutrale Namen nutzen. All diese Maßnahmen haben den Zweck, das eigene Geschlecht möglichst gut zu verstecken, um negative Interaktionen zu vermeiden.
Außerdem fand eine Studie heruas, dass Frauen in Videospielen lieber unter sich bleiben, weil ihnen von Männern so viel Hass und Abneigung entgegenschlägt. Diese Erfahrungen übertragen sich erneut auf das echte Leben. So haben manche Teilnehmerinnen der Studie angegeben, dass sie generell abgeneigt sind, Berufe anzunehmen, in denen eine männliche Dominanz herrscht, zum Beispiel technische Berufe.
Doch was sind mögliche Gründe, weshalb Menschen sich so verhalten?
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Wie entsteht so eine Atmosphäre?
Hier gibt es nun viele verschiedene Ansätze und Theorien. Einfach zu behaupten, es gäbe nur einen einzigen Grund für toxisches Verhalten, wäre Quatsch und viel zu stark vereinfacht. Daher versuchen wir im Folgenden, verschiedene Ansätze genauer zu erläutern.
Dabei möchten wir Hass im Netz auf gar keinen Fall rechtfertigen. Wir wollen darlegen, weshalb das Problem im Netz so gravierend ist.
Dabei behandeln wir sowohl Theorien, die sich speziell auf Spiele anwenden lassen, als auch Thesen, die sich auf den gesamten Hass im Netz beziehen. Die Grenze ist hier oft fließend.
The Greater Internet Fuckwad Theory
Recherchiert man zu toxischem Verhalten, stößt man recht schnell auf die "Greater Internet Fuckwad Theory". Sie stammt aus einem Webcomic der Seite Penny Arcade aus dem Jahr 2004 und war eine Reaktion auf ein Unreal-Tournament-Turnier aus demselben Jahr.
Dabei ist sie denkbar simpel. Die Formel für Hass lautet wie folgt: "Normal Person + Anonymity + Audience = Total Fuckwad". Auf Deutsch bedeutet das: "Normale Person + Anonymität + Zuschauerschaft = Totaler Vollidiot".
Diese sehr einfache Darstellung wird überall im Internet heiß diskutiert und sehr oft genannt, wenn es darum geht, warum sich manche Menschen im Netz wie Arschlöcher verhalten. Sie ist bestimmt nicht komplett falsch, allerdings ist sie nicht der einzige Grund für toxisches Verhalten und lässt sich sicher nicht auf alles übertragen.
Jedoch kann man einen gewissen Wahrheitsgehalt aus ihr ziehen. Der fehlende Augenkontakt bzw. allgemein das fehlende Feedback löst in manchen Menschen aus, dass sie sich verhalten, wie es ihnen gerade passt und nicht bedenken, dass hinter dem Nutzernamen am anderen Ende des Bildschirms ein anderer Mensch sitzt. Dieser hat Empfindungen und Emotionen, die genauso verletzt werden können, wie seine eigenen.
Des Weiteren wissen die Täter auch, dass es für ihre Handlungen kaum oder sogar gar keine Konsequenzen gibt.Im schlimmsten Fall verlieren sie vielleicht ihren Account.
Das Internet als Ventil
Eine weitere Theorie lässt sich sowohl auf das Internet als Ganzes als auch auf Videospiele im Speziellen anwenden.
Das Internet ist ein Sammelbecken für Menschen aus verschiedensten Gesellschaftsschichten und allen möglichen Altersstufen. Nach einem harten Tag gibt es viele, die sich einfach gerne mal hinsetzen und eine Runde daddeln.
Es ist eben nur menschlich, dass man dann manchmal die aufgestaute Wut oder den Frust von der Arbeit mit nach Hause nimmt. Leider passiert es manchmal auch, dass dieser Frust sich ins Spiel überträgt und man ihm freien Lauf lässt.
Ein sehr gutes Beispiel für dieses Phänomen ist die koreanische League-of-Legends-Szene, nun müssen wir allerdings ein bisschen weiter ausholen. Vorweg wollen wir aber erwähnen, dass es keinesfalls darum geht, die koreanischen Spieler als besonders toxisch darzustellen.Toxisches Verhalten ist ein Problem in jeder Region. Korea bietet sich nur besonders gut als Beispiel für diese These an.
Quelle: Pixabay / Seoulinspired
Seoul, die Hauptstadt Südkoreas, gehört mit knapp zehn Millionen Einwohner zu den größten Metropolen weltweit.
Mehrere asiatische Nationen sind für ihre Arbeitsmoral bekannt. Karriere zu machen ist extrem wichtig in Korea, und dieser Druck beginnt bereits in der Schule. Es ist keine Seltenheit, dass Schüler bis 22 Uhr in der Schule pauken. Dabei steht der ständige Vergleich im Vordergrund: Wie gut ist mein Nachbar? Wie gut bin ich im nationalen Durchschnitt? Diese Wettbewerbsorientiertheit führt zu einem enormen Druck.
Und selbst dann, wenn die Jugendlichen ihre Schullaufbahn überstanden haben, geht es im Arbeitsleben weiter.
Beim Thema Work-Life-Balance belegt Korea in OECD-Studien regelmäßig die hintersten Plätze. Es wird erwartet, dass man sich der Masse anschließt und nicht heraussticht. Also arbeiten die Menschen unermüdlich an ihrer Kariere, um bloß nicht aufzufallen. All dieser Frust, all diese Wut auf das System und die unmenschlichen Bildungs- und Arbeitsbedingungen entladen sich schließlich in der Freizeit.
Ein Ausweg aus der Realität
Videospiele sind in Korea ein Ausweg und eine Möglichkeit, der Realität zu entfliehen. Es ist dasselbe Prinzip wie mit Alkohol. Nur, dass Koreaner überdurchschnittlich oft zu Videospielen statt Alkohol greifen. Sie betäuben alle negativen Gefühle damit. Wenn dann im Spiel etwas schiefgeht, brechen die angestauten Gefühle aus ihnen heraus. Nun wird alles auf die Teammitglieder geschoben und sie werden teils auf sehr erniedrigende Art und Weise beleidigt.
Nun trifft dieses Verhalten nicht nur auf Korea zu, sondern lässt sich auf das ganze Netz übertragen. Manchmal sind die Spieler dabei so frustriert, dass sie sogar mit dem sogenannten "Griefing" beginnen.
Griefing ist eine besondere Art des toxischen Verhaltens, bei dem man seine Teammitglieder absichtlich sabotiert, indem man dem Gegner in die Karten spielt.
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