Scam-MMOs: Earth 2 - Der Cashshop ohne Spiel - Seite 2
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Die gesamte Welt, nahtlos begehbar, veränderbar und in vollem VR: Earth 2 verspricht seinen Spielern den Himmel, liefert jedoch nichts. Wir werfen einen sehr genauen Blick auf das Projekt und den Gründer des ersten "Cash-Shops ohne Spiel", durchleuchten seine "Investment-Möglichkeiten" und warum Spieler Earth 2 mit einer gesunden Menge an Misstrauen begegnen sollten.
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Drohungen und Lügen: der Umgang mit der Community
Am 11.06.2021 gab Earth 2 in seinem Discord bekannt, dass ein neuer Entwickler dem Team beitritt: Tanner Rozankovic. Sucht man nach diesem Namen, findet man ein Steam-Profil, mit dem Handle "Varius Benson" - ein Klick auf den Namen bestätigt jedoch, dass es sich um den Entwickler Tanner Rozankovic handelt, der auf Steam auch bis vor kurzem das Spiel Civil Contract anbot. Sein reddit-account /tannerjackjoe führt ebenfalls zu seinem echten Namen und stellt eine direkte Verbindung zwischen ihm und Civil Contract dar. Inzwischen wurde das Spiel von der Plattform entfernt, denn Tanner hinterließ nicht nur eine nachweislich gefälschte Bewertung und benutzte in seinem Spiel ungefragt Assets aus dem Devkit des Spiels "Squad", sondern begann kurz darauf auch mit der Einreichung von Copyright-Klagen an seine Kritiker.
Unter dem australischen Recht und der GDPR (General Data Protection Regulation) der EU wollte Rozankovic seine Kritiker dazu zwingen, seinen Namen aus allen Videos und Berichten zu entfernen. Das ist natürlich nicht legal und schießt an dem eigentlichen Zweck des GDPR meilenweit vorbei. Für den Kläger ist das jedoch unerheblich, denn falsche Klagen dieser Art werden in der Hauptsache eingereicht, um Kritiker einzuschüchtern.
Quelle: PC Games
Der neue Earth-2-Dev Tanner Rozankovich ist der „Civil Contract“-Betrüger „Varius Benson“ – das kann man jederzeit einfach über Steam nachprüfen.
Doch es kommt noch besser: Benson/Rozankovic drohte YouTube Kanälen, die vor seinem Spiel warnten mit DMCA-Takedown-Strikes. Der sogenannte Digital Millennium Copyright Act der USA sollte eigentlich das Urheberrecht im Internet schützen, wird aber oft von zwielichtigen Entwicklern missbraucht, um YouTube-Kanäle zum Schweigen zu bringen. Nach drei DMCA-Strikes wird ein Kanal von den YouTube-eigenen Bots automatisch gelöscht - denn diese können nicht zwischen Urheberrechtsverletzungen und legalem Gebrauch unterscheiden. Dagegen kann man zwar rechtlich vorgehen, ein solcher Prozess ist jedoch langfristig und nur schwer mit Beweisen zu unterlegen, während die Inhaber der Kanäle vielleicht auf ihr YouTube-Einkommen angewiesen sind. Um an dieser Stelle vollkommen klar zu sein: Das ist nicht nur in Bezug auf den Missbrauch der Urheberrechts-Mechaniken extrem grenzwertig - es ist obendrein blanke Erpressung.
Quelle: PC Games
Erpressermethoden wie das Androhen ungerechtfertigter DMCA-Takdown-Strikes sind seit seinem Debut eines der Markenzeichen von Tanner Rozankovic.
Noch nicht genug? Dann wird es jetzt richtig bizarr, denn laut seiner eigenen Aussage im CapitalGamingRP-Discord am 14.05.2021 verpflichtete sich Tanner für vier Jahre in der australischen Armee. Zur gleichen Zeit tauchte allerdings ein Profil mit Tanners eigenem Bild im Earth 2-Discord auf - in der Position "E2 Dev". Auch sein LinkedIn-Profil wurde aktualisiert, und zeigt derzeit korrekt an, dass er bei Earth 2 arbeitet. Wohlgemerkt, ohne dass er im "Team" auf der offiziellen Earth2.io-Website aufgeführt wird. Damit nahm das Earth-2-Drama jedoch erst seinen Anfang, denn Tanner tat augenblicklich das, was er am besten konnte: YouTuber verklagen. In einer Audioaufnahme von Tanners eigenem Community-Manager gibt der Developer bekannt, dass das Earth-2-Team kurz davor steht, die zwei YouTuber BigFryTV und SidAlpha mit einem Budget von drei Millionen Dollar zu verklagen. Das führte dazu, dass der Community-Manager dem YouTuber BigFryTV die Audiodatei zukommen ließ und diese nun für jeden frei hörbar auf der Website ww.bigfry.tv zugänglich ist. Da dies nicht gerade die Nutzung war, die sich Backer für ihren Geldeinsatz vorstellten, wurden in der Earth-2-Community kritische Stimmen laut.
Und nun der Knackpunkt: All das war eine Lüge. Der Earth-2-Gründer Shane Isaac veröffentlichte ein Video in dem er die Behauptungen von Tanner widerlegte. Anstatt jedoch mit dem Satz zu schließen "Es gab nie eine Klage und wir haben uns von dem verantwortlichen Mitarbeiter getrennt" begann Shane in dem Video selbst damit, die Kritiker zu attackieren und sich vor seinen Mitarbeiter zu stellen. An sich eine löbliche Eigenschaft für einen CEO. Es bleibt jedoch der Fakt bestehen, dass Tanner Rozankovic bei Earth 2 arbeitet, der für seine Drohungen zudem bis heute keinerlei Konsequenzen zu spüren bekam.
Quelle: PC Games
Rozankovic entschied sich augenscheinlich zu einer vierjährigen Verpflichtung in der australischen Armee. Auf seinem Linked-In Profil ist jedoch seine Anstellung bei Earth 2 zu sehen.
Antworten auf Kritik fallen in der Regel von Seiten des Earth-2-Teams in der Regel unprofessionell bis passiv aggressiv aus, gespickt mit rhetorischen Fragen und Anwaltsdrohungen - dazu später mehr. Das ist zwar extrem unhöflich und obendrein unprofessionell, an sich aber nicht weiter schlimm. Denn es handelt sich im Endeffekt immer noch um ein kleines Indie-Studio, das weder eine Rechtsabteilung noch Erfahrung im Umgang mit Kritik besitzt. Wenn man jedoch das hochtrabende Ziel von Earth 2 nimmt und dieses mit dem Echtgeld-Handel und den Legitimitäts-Ansprüchen des Gründers kombiniert, ergibt sich ein sehr schlechtes Bild.
Phase 1: virtuelles Land für echtes Geld
Kommen wir schließlich zum Kern des Projektes. Earth 2 verspricht dem Spieler die Kreierung eines Metaversums samt florierender Echtgeld-Wirtschaft. Die Crux an der Sache: Derzeit gibt es noch kein Spiel, sondern nur die Möglichkeit auf Eart2.io virtuelles Land zu kaufen; die dahinterstehende Software soll in einem Plan mit drei Phasen ausgeliefert werden. Phase 1 startete im Dezember 2020 und bot Spielern den Kauf von virtuellem Land in 10x10-m-Kacheln auf einer mit der Hilfe von Mapbox erstellten Karte. Da die gesamte Erde mit diesen Kacheln versehen wurde, gibt es insgesamt 5.1 Trillionen einzelne Tiles, die von Kunden gekauft werden können. "Kunden" wohlgemerkt, denn wie bereits erwähnt gibt es noch keine "Spieler" in Earth 2. Das auf diese Weise eingenommene Geld soll in die weitere Entwicklung fließen und obendrein unter Spielern gehandelt werden, indem im Website-eigenen Marktplatz Angebote eingestellt werden.
Der erste Geniestreich von Earth 2 ist seine Designation als Spiel: Um handeln zu können, verwandelt ihr euer echtes, investiertes Geld in einem Verhältnis von 1:1 in E$ (E-Dollars). Sprich, ihr kauft eine Spielwährung, mit der ihr alle anderen Geldgeschäfte innerhalb des Spiels regelt. Das macht Earth 2 anstelle eines Glücksspiels oder einer Spekulation zu einem Videospiel - und diese unterliegen in fast allen Ländern der Erde, wenn überhaupt, nur minimalen Regularien. Videospiele-Investitionen und -Haftungen werden rechtlich von Steuerbehörden wie der IRS nicht als "echt" eingestuft. Das Ergebnis dieser regelfreien Zone erkennt man sehr gut in dem "Lootbox-Skandal" aus dem Jahr 2017, in dem Electronic Arts Spiele wie Star Wars Battlefront II sowie fast alle Sport-Titel von den Spielern quasi über Nacht als riesiges, von Minderjährigen nutzbares Online-Casino bloßgestellt wurden.
Quelle: PC Games
Gleiches Profil, gleicher Entwickler: Tanner wechselte von seinem Posten bei CGRPS auf direktem Wege zu Earth 2, wie man am Discord-Bild erkennt.
Gesetzt den Fall, dass ihr Land kaufen wolltet, und am 23.03.2021 online wart, habt ihr vielleicht den "Dubai/UAE"-Launch von Earth 2 mitbekommen. Das Ganze stellte die Freigabe für den Kauf von Kacheln in Dubai sowie den vereinigten Arabischen Emiraten und damit ein riesiges Event für die Earth-2-Community dar. Was dabei herauskam war jedoch eine Katastrophe: Serverabstürze und gigantische Flächen von 300 Kacheln und mehr, die angeblich innerhalb von Sekunden von Bots gekauft wurden. Zum Teil wurden sogar falsche Preise ausgeschrieben, was dazu führte, dass einige Spieler Kacheln für 10 Cent kaufen konnten, während andere Spieler für die gleichen Kacheln 28 Cent bis 9 Dollar bezahlten. Weder die Server noch die Entwickler waren auf den Ansturm vorbereitet und die Kommunikation von Seiten des Earth-2-Teams war nicht existent.
Die Kunden waren verständlicherweise wütend, denn pro 100.000 verkaufter Kacheln steigt der Wert aller anderen Kacheln innerhalb eines Landes und Dubai wurde von Käufern geradezu überrannt. Dieser Kniff steigert nicht nur die FOMO (Fear of missing out) der Kunden, sondern treibt den Preis zusätzlich künstlich in die Höhe. Kritiker sagen nun, dass das soweit alles ganz normal für einen großen Launch war - wir alle erinnern uns an den Start von New World oder praktisch jeder existierenden WoW-Erweiterung. Der große Unterschied ist, dass es sich bei den letzteren Beispielen um tatsächliche Spiele handelt. Zur Erinnerung: Der "Dubai/UAE"-Launch von Earth 2 bestand aus einer Landkarte, auf der Spieler kleine Fotos kauften.
Quelle: PC Games
Die Innenstadt von Dubai sah innerhalb von Sekunden aus, als ob die vereinten Nationen explodiert wären. Schade: Die Server kamen mit dem vorhersehbaren Ansturm nicht zurecht und die Preise waren nicht für alle Bieter gleich.
Geld einzuzahlen, funktioniert in Earth 2 übrigens problemlos. Wer sein Geld jedoch wieder abheben möchte, stößt auf ein paar Probleme: Erstens muss er das (wir erinnern uns: 18-Köpfige) Team in Handarbeit per E-Mail anschreiben und um eine Überweisung von Bank zu Bank bitten; in der Mail müssen alle persönlichen Informationen inklusive Adresse und Bankkonto angeben werden. Das dauert in der Regel aus offensichtlichen Gründen extrem lange und oft gehen Mails einfach verloren; ein großer Teil der Community ist deshalb inzwischen zurecht wütend. Die Alternative dazu sind Kreditkarten wie "Revolut", die inzwischen von vielen Earth-2-Spielern genutzt werden, um ihr Geld durch die Rückerstattungs-Option zurückzuerhalten. Selbst in diesem Fall muss vor der Rücküberweisung ein aktuelles Foto (!) und ein Bankauszug der entsprechenden Person bei Earth 2 eingehen, bevor das Team eine Überweisung genehmigt. Jede Rückbuchung wird zudem von Earth 2 mit einem bestimmten Prozentsatz "besteuert" und weist eine nicht verhandelbare Bearbeitungsgebühr von 7.50 $ auf. Richtig gelesen, es gibt zwar eine Möglichkeit schnell Geld zu investieren - um seine Investition jedoch auf sein Echtwelt-Bankkonto zu überweisen, muss der Kunde durch brennende Reifen springen.
Wenn euer Geld und eure Informationen bei Earth 2 eingegangen sind, werft ihr einen Blick in die Nutzungsbedingungen von Earth 2 und müsst vermutlich erst einmal zur Beruhigung in eine Papiertüte atmen. Was wir euch nun nennen sind die vermutlich unverantwortlichsten TOS (Terms of Service), die wir je gelesen haben. Wir zitieren: "Sie erkennen an, dass alle von Ihnen an die Website übermittelten Informationen oder Materialien von uns als nicht vertraulich und nicht urheberrechtlich geschützt behandelt werden und wir diese Materialien ohne Einschränkung verwenden können. " Uff! Wir erinnern uns: Um Geld abzuheben, müsst ihr eure komplette Anschrift, ein Bild eures Gesichts, Bankauszüge und/oder eine Kreditkartennummer angeben. Das alles wird als "nicht vertraulich" behandelt und Earth 2 kann diese Informationen "ohne Einschränkung verwenden".
Quelle: PC Games
Ihr wollt das Mabox-Foto einer tollen Gegend kaufen? Kein Problem, denn die Einzahlung erfolgt bei Eath 2 problemlos. Nur mit dem Abheben gibt es ein paar Probleme.
Damit weist Earth 2, selbst im Falle eines umfassenden Identitäts- oder Kreditkarten Diebstahls, von Beginn an alle Verantwortung von sich. Doch es kommt noch besser: "[...] Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit, Angemessenheit oder Vollständigkeit der Informationen auf dieser Website und verpflichten uns auch nicht, diese Website auf dem neuesten Stand zu halten. Sofern nicht ausdrücklich in diesen Website-Bedingungen festgelegt oder in nicht ausschließbarem Recht erforderlich, übernehmen wir keine Verantwortung für Verluste, die aufgrund Ihres Vertrauens auf die Richtigkeit oder Aktualität der auf dieser Website enthaltenen Informationen entstehen." Das liest sich sehr interessant, wenn das gesamte Konzept der Website der Handel mit virtuellem Land ist, für das man echtes Geld bezahlt. Informationen wie der Besitz des Landes, die Preise des Landes und praktisch alles andere können also absolut inkorrekt sein - und ihr seid selbst schuld, dass ihr das Ganze als Investment-Möglichkeit behandelt habt.
Um es klipp und klar zu sagen und bitte verzeiht uns an dieser Stelle die Großbuchstaben: EARTH 2 STELLT KEINE ECHTE INVESTITION DAR. Der Wert eurer teuer erworbenen oder getauschten Landstücke ist absolut fiktiv. Euer Earth-2-Land ist nutzlos und besitzt keinen wirtschaftlichen Wert. Ihr habt kein Haus, das einen echten Vermögenswert darstellt, ihr habt noch nicht einmal eine Kryptowährung, die sich durch ihre Verwendung von NFTs in eurer digitalen Börse und damit eurem Besitz befindet. Ihr benutzt den Cash-Shop eines noch nicht existenten Spiels, dessen Indie-Studio-Erschaffer als einzige Instanz über den Wert des Landes bestimmen. Es gibt keine Regularien oder Sicherheiten. Eure Landstücke sind im wahrsten Sinne des Wortes wertlos. Noch einmal mit Gefühl: Shane Isaac hat keine Erfahrung im Bereich der Spieleentwicklung. Ihr kauft Bilder auf einer Landkarte. Das weniger als zwei Dutzend Leute umfassende Entwicklerteam hat bisher ein halbes Spiel in der Unity-Engine entwickelt. Seid vorsichtig mit eurem Geld.
Quelle: PC Games
Für eine, wir zitieren „eine großartige Gelegenheit für euch um Profit zu generieren“ sind diese TOS absolut inakzeptabel. Zur Erinnerung: Ihr habt keine Sicherheiten und keinen Schutz auf Earth 2. Eure Mapbox-Fotos besitzen keinen wirtschaftlichen Wert.
