Spielegeschichte von 2010 bis 2023: Das Finanzierungsmonster Spieleindustrie
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Der letzte Teil unserer Reihe beschäftigt sich mit den Veränderungen der Spielebranche seit 2010 und resümiert, wo unser Lieblingshobby heute steht.
Einst beliebte Entwickler, die als unantastbar galten, fallen heutzutage innerhalb von ein, zwei Spielen in Ungnade - so widerfuhr es zumindest vor nicht allzu langer Zeit dem kanadischen Studio Bioware dank der Debakel rund um Mass Effect: Andromeda (2017) und Anthem (2019).
Eines Besseren belehrt
Nach all der Kritik möchte man meinen, dass das letzte Jahrzehnt kein gutes gewesen sei. Das ist aber natürlich nicht richtig, weil es freilich einige unerwartete Überraschungen gab. So waren die Kroaten von Croteam ursprünglich für ihre übertriebenen Ego-Shooter-Orgien aus Serious Sam (ab 2001) bekannt, bevor sie die gesamte Fachwelt mit dem höchst cleveren The Talos Principle (2014) überraschten. Nebenbei bemerkt gehörte das Genre der abstrakten Puzzle-Spiele zu den großen Gewinnern des letzten Jahrzehnts, was weitere Hits wie Portal 2 (2011), The Witness (2016) und Baba Is You (2019) zeigten. Oder wie wäre es mit der einmaligen Erfolgsstory von No Man's Sky (2016) aus dem Hause Hello Games? Der Indie-Titel wurde direkt nach dem ersten Trailer für sein immenses Potenzial gefeiert, wonach man ein ganzes Universum aus Milliarden individueller, prozedural gestalteter Welten erkunden könne.
Die erste Verkaufsversion war kommerziell gesehen ein riesiger Erfolg, konnte jedoch die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen und musste einige der vollmundigen Versprechungen brechen.
Aus dem scheinbaren Mega-Hit wurde über Nacht eine der größten Lachnummern der Branche und niemand rechnete damit, dass sich Hello Games jemals von diesem Tiefschlag erholen könne. Doch der britische Entwickler sah sich in seiner Ehre gekränkt, versprach Besserung und lieferte wie kaum ein anderer.
Quelle: Hello Games
No Man's Sky
Es folgten mehrere riesige Updates, wofür Besitzer der ersten Version bis heute keinen weiteren Cent zahlen mussten und die nach und nach die ursprüngliche Vision, die der Ur-Trailer suggeriert hatte, tatsächlich wahrmachten.
Der nächste Trend der 2010er-Jahre vollführte ebenfalls eine Art Kurskorrektur: Seit der Jahrtausendwende wurden viele Spiele einfacher und mainstreamfreundlicher, was im Umkehrschluss dem Veteranenzocker ein Dorn im Auge war.
Die Rettung erfolgte in Form von Hidetaka Miyazaki: Der Japaner kramte bei seinem Arbeitgeber From Software den Prototyp eines unfertigen Rollenspiels namens Demon's Souls (2009) aus der Schublade, erhielt das Okay, damit machen zu können, was er wollte - und schuf eines der frechsten, mutigsten sowie fordernsten Spiele der letzten 15 Jahre.
Wir alle wissen, wie es danach weiterging: Mit Dark Souls (2011), Bloodborne (2015), Sekiro (2019) und nicht zuletzt Elden Ring (2022) folgte ein Meilenstein nach dem anderen, die sich allesamt derselben Formel bedienten. Miyazakis oberstes Ziel war es, den Spieler zu fordern, anstatt ihn an der Hand zu halten.
Stattdessen nahm er ihm etablierte Features wie Kompass oder Übersichtskarte weg, konfrontierte ihn mit Gegnern, die ihn mit ein paar schnellen Angriffen zu Klump prügelten und baute gezielt fiese Fallen wie kaum sichtbare Abgründe oder bewusst unübersichtliche Gänge ein.
Heute spricht man vom "Soulslike"-Genre, das von seinen Fans vor allem für seine bildschirmfüllenden Endbosse gefeiert wird und aufgrund dessen sich das simpelste Mantra der Videospielgeschichte etablierte: "Git Gud" - oder frei übersetzt: "Werd' gut!"
Nicht unterschlagen möchten wir zudem die anhaltende und stetig wachsende Popularität von Online-Spielen. Ob Battle-Royale-Vertreter wie PUBG und Fortnite (beide 2017) oder Call of Duty: Warzone (seit 2020), Team-Shooter à la Valorant (2020), Dauerbrenner wie World of Warcraft, Destiny 2 und FIFA oder neuerdings auch der Hack&Slay-Hit Diablo 4: Tagtäglich spielen Millionen Menschen rund um den Globus im Netz mit- und gegeneinander, was durch die Corona-Pandemie ab 2020 sicherlich noch einmal befeuert wurde.
Und dann sollten wir noch kurz die Fortführung eines Trends aus den 2000er-Jahren erwähnen, der sich stetig weiterentwickelt hat: den Wunsch nach Remakes.
Diese wurden nämlich immer aufwendiger und verspielter, weshalb DuckTales Remastered (2013) anstatt eines pixeligen NES-Games wie ein Comic ausschaute, die Playstation-4-Version von Shadow of the Colossus (2018) die letzten Mängel des Originals behob und die Neuauflagen von Resident Evil 2 bis Resident Evil 4 (ab 2019) sogar inhaltlich neue Wege betraten.
Quelle: Capcom
Resident Evil 4 Remake
Dass selbst fast 30 Jahre alte Spiele in Form von kompetent umgesetzt Remakes immer noch jede Menge Spaß machen können, bewies dann zuletzt auch die Neuauflage des 1994er-Klassikers System Shock.
Kaum Hardware-Hunger
Bei all den Veränderungen, die Spiele in den letzten 13 Jahren durchgemacht haben, bleibt nur noch eine wichtige Frage zu klären: Was hat sich eigentlich im Hardware-Sektor getan? Wie bereits in unserer Zwischenüberschrift angedeutet: nicht viel.
2013 kamen parallel Playstation 4 und Xbox One auf den Markt, die eher für eine zaghafte Evolution standen, anstatt die nächste Revolution zu starten.
Microsoft versuchte, eine solche erzwingen, indem sie kundenfeindliche Ideen wie einen verpflichtenden Internetanschluss selbst für Singleplayer-Games als fortschrittliches Zukunftskonzept vermarkten wollten. Bereits die Ankündigung dieses sogenannten "Always on"-Features resultierte in einem derart negativen Feedback, dass der Branchenriese innerhalb weniger Tagen kleinlaut zurückruderte.
