Katastrophe abgewendet: Spiele, die gerade noch die Kurve gekriegt haben

Special Manuel Zippl Lukas Schmid
Katastrophe abgewendet: Spiele, die gerade noch die Kurve gekriegt haben
Quelle: CD Projekt RED

Knapp an der Katastrophe vorbei: Diese Games standen vor dem Abgrund, haben aber gerade noch rechtzeitig den Weg auf die Zielgerade gefunden!

Die Kritik fiel - wer hätte es gedacht - auch hier wieder sehr durchwachsen aus. Zu den größten Kritikpunkten gehörten nicht nur die technischen Probleme des Spiels - diese sind für Bethesdas Spiele zum Release keine Seltenheit -, sondern vor allem die Unfertigkeit diverser Spielmechaniken und die Abwesenheit von NPCs, die für Bethesdas Spiele und RPGs allgemein eigentlich unverzichtbar sind.

Die Erklärung dafür war, dass die NPCs versuchten, ihr Überleben zu sichern, und daher West Virginia, den Ort des Geschehens, verlassen hatten. Diese Entscheidung hatte zur Folge, dass sich die Spielwelt leer und leblos anfühlte. Schließlich sind NPCs dazu da, den Spieler zu unterhalten, ihn vor wichtige Entscheidungen zu stellen und ihm relevante Kontextinformationen zu geben.

Kurz gesagt fühlt sich ein RPG ohne sie langweilig und monoton an. Kritisiert wurde auch die 200 Euro teure Power Armor Edition, bei welcher man neben dem Spiel und einem tragbaren Helm eigentlich eine Canvas-Tasche bekommen sollten, die sich letztendlich als Nylon-Tasche herausstellte und damit aus einem wesentlich billigeren Stoff bestand.

Die Verkaufszahlen sahen zu Release ebenfalls nicht sehr rosig aus - schon eine Woche nach der Erstveröffentlichung entschied man sich, den Preis für das Spiel in Nordamerika zu senken. Wie hat Bethesda diesen Karren also aus dem Dreck gezogen?

Während die Entwickler in den Jahren nach der Veröffentlichung weitere Male Kritik ernteten, unter anderem für die überteuerte Ingame-Währung "Atoms" und die Einführung eines Abonnements, arbeiteten sie kontinuierlich an Bugfixes, Patches und weiteren Verbesserungen. So unterstützen sie das Spiel bis heute mit zahlreichen kostenlosen Erweiterungen, von denen zur Veröffentlichung dieses Artikels bereits 20 erschienen sind - das aktuellste erst vor wenigen Wochen.

Fallout 76 Quelle: Microsoft/Bethesda Mit der Erweiterung Wastelanders war es 2020 endlich so weit, und voll vertonte NPCs wurden ins Spiel integriert. Balancing-Updates sorgten dafür, dass man nicht sofort zu Beginn auf einen komplett überlegenen Gegner trifft, sondern dass die Gegner mit einem mitleveln. Auch wenn eine Gruppe aus Spielern verschiedener Stufen besteht, kommt das Balancing-System zum Einsatz. Ein Battle-Royale-Modus und sonstige Events wurden ebenfalls hinzugefügt.

Fallout 76 ist nach wie vor kein Meisterwerk und platziert sich wahrscheinlich auch im Ranking der Fallout-Fans nicht sehr weit oben. Trotzdem hat sich das Spiel dank der Verbesserungen von einer Steam-Bewertung von "größtenteils negativ" auf "größtenteils positiv" gerettet und hat laut Bethesda mittlerweile 17 Millionen Spieler.

Zudem stellte das Spiel im April mit dem Erscheinen der Fallout-Serie von Amazon einen neuen Rekord von knapp 40.000 gleichzeitigen Spielern auf. Und mit Starfield hat die Community ohnehin einen neuen Sandsack gefunden: Das Weltraum-RPG liegt mittlerweile bei einer ausgeglichenen Bewertung von nur 59 Prozent positiven Reviews auf Steam.

Der Sonderfall Fortnite

Ein weiteres Spiel, das anfangs vergleichsweise nur wenige begeistern konnte und später zu einem gigantischen Erfolg wurde, ist Fortnite. Nach dem Release ihres Spiels Gears of War 3 wollten die Entwickler bei Epic Games etwas anderes und Spaßiges machen, wie der ursprüngliche Design Director Cliff Bleszinski in einem Interview mit Forbes meinte.

Nachdem das Spiel bereits 2011 angekündigt worden war, kam es unter anderem durch den Wechsel von der Unreal Engine 3 auf die Unreal Engine 4 und den Austausch mehrerer Führungspositionen zu einigen Verzögerungen. Außerdem war es Epic Games wichtig, dem Spiel ein gewisses Gefühl von Progression zu geben, ähnlich wie bei RPGs, und zusätzlich nahmen sie immer wieder Änderungen am Gameplay vor. Nachdem man 2014 einen funktionierenden Prototyp hatte, ließ die erste richtige Veröffentlichung bis 2017 auf sich warten.

In der Early-Access konnte man gegen Bezahlung nun diesen Wellen-Shooter spielen, bei welchem man in verschiedenen Missionen mit bis zu vier Spielern Ressourcen sammelt und sich gegen mehrere Horden Zombies verteidigen muss. Das Progressionssystem bestand unter anderem daraus, dass man mit den Belohnungen dieser Missionen seinen Charakter verbessern konnte und stärkere Waffen bekam.

Fortnite Quelle: Epic Games Nach einem knappen Monat hatte das Spiel eine Playerbase von einer Million Spielern. Die Kritiker hatten gemischte bis positive Meinungen. Während das Gameplay als solide und halbwegs unterhaltsam bezeichnet wurde und der Combat sich Lob einheimsen konnte, stießen das unübersichtliche Progressionssystem, der niedrige Schwierigkeitsgrad und die technischen Probleme auf Kritik. Eine weitere Schwäche war die Redundanz des Spiels.

Tatsächlich war es aber gar nicht dieser Spielmodus, der Fortnite letztendlich zu einer weltweiten Sensation machte. Der genannte Modus ist als Fortnite: Rette die Welt bekannt und steht bis heute im Schatten des um ein Vielfaches bekannteren Fortnite Battle Royale.

Nachdem Epic Games den Erfolg von PlayerUnknown's Battlegrounds mitbekommen hatte, wollte das Entwicklerstudio sich ein Stück vom Kuchen abschneiden und entwickelte so aus dem bereits vorhandenen Fundament in der Rekordzeit von nur zwei Monaten eines der erfolgreichsten Spiele der letzten Jahre.

In Fortnite Battle Royale geht es darum, unter bis zu 100 Spielern als letzter übrig zu bleiben und damit das Spiel zu gewinnen. Bereits innerhalb der ersten zwei Wochen hatte das Spiel 10 Millionen Spieler, mittlerweile haben sich ungefähr 650 Millionen registriert. Der Erfolg von Fortnite Battle Royale kommt nicht von irgendwoher.

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