Katastrophe abgewendet: Spiele, die gerade noch die Kurve gekriegt haben

Special Manuel Zippl Lukas Schmid
Katastrophe abgewendet: Spiele, die gerade noch die Kurve gekriegt haben
Quelle: CD Projekt RED

Knapp an der Katastrophe vorbei: Diese Games standen vor dem Abgrund, haben aber gerade noch rechtzeitig den Weg auf die Zielgerade gefunden!

Kennt ihr das, wenn euch etwas nicht sofort gefällt und erst Zeit vergehen muss, bis ihr damit warm werdet? Sei es ein Sänger, dessen gewöhnungsbedürftige Melodien euch erst nach mehrmaligem Hören in die Ohren gehen, oder eine Filmreihe, deren konfuse Storyline erst nach mehreren Teilen Sinn ergibt.

So ähnlich geschieht es auch bei den sogenannten Sleeper-Hits, die sich dadurch auszeichnen, dass der Erfolg am Anfang ausbleibt und ein Song oder ein Film erst nach einiger Zeit und meistens überraschend zum Charttopper bzw. zum Blockbuster wird.

In der Gaming-Industrie ist das nicht anders. Es gibt Games, die aus verschiedensten Gründen als völlige Flops anfangen und sich erst nach und nach schlimmstenfalls zu einem respektierten Spiel und bestenfalls sogar zu einem absoluten Klassiker mausern. Die folgenden Spiele haben gemeinsam, dass sie alle anfangs als enttäuschendes bzw. erfolgloses Produkt auf den Markt kamen, es ihnen aber gelungen ist, in den Olymp der Gaming-Industrie aufzusteigen - oder zumindest in den Bereich der akzeptierten Spiele.

Die Games werden im Folgenden nach den Gründen für ihr anfängliches Scheitern in Kategorien aufgeteilt, wobei die Grenzen zwischen diesen Kategorien bei besonders berüchtigten Spielen natürlich sehr verschwommen sein können. Wichtig ist lediglich die Darstellung der möglichen Gründe für einen Flop - sei es bei Kritikern oder bei Fans.

In den Bugs liegt die Kraft

Einer der häufigsten Gründe für das Enttäuschen von Spielen sind technische Probleme. Games, bei denen man sich keine zehn Meter fortbewegen kann, ohne dass ein NPC in der T-Pose steht, man durch Wände glitcht oder irgendein umliegendes Objekt den physikalischen Gesetzen trotzt und grundlos durch die Gegend geschleudert wird.

Um das Paradebeispiel für so ein Phänomen gleich mal abgehakt zu haben, sei natürlich das 2020 erschienene Cyberpunk 2077 von CD Projekt Red erwähnt. Es gibt kaum noch Worte, die über dieses Spiel nicht verloren wurden - sowohl positive als auch negative. Das RPG der Macher der The-Witcher -Reihe wurde als Zukunft des Gamings gehypt.

Artwork zum Spiel Cyberpunk Quelle: CD Projekt RED Eine höchst immersive Spielwelt, eine packende Story und eine realistische Grafik, wie man sie selten gesehen hatte: All das wurde einem von den Machern versprochen, dazu noch mit Unterstützung diverser Promis wie Keanu Reeves und Grimes. Das Ergebnis ließ zum Launch aber zu wünschen übrig, zumindest bei den Konsolenfassungen.

Im Grunde verging keine Minute des Spiels ohne verschwommene Texturen, sich teleportierende NPCs oder Konfrontationen mit der absolut hirntoten KI. Auf den Konsolen der letzten Generation lief das Spiel unfassbar schlecht und war quasi unspielbar, weshalb es für einige Monate sogar aus dem PlayStation Store genommen wurde.

Trotz der riesigen Kontroverse verkaufte sich das Spiel innerhalb der ersten zwei Wochen ganze 13 Millionen Mal - nicht zuletzt dank der zahlreichen Vorbestellungen. Was hingegen die Meinungen der Kritiker und Fans anging, fiel das Spiel aber über weite Strecken durch. Es war schlichtweg unfertig. das traf auch auf die PC-Fassung zu, die zwar ein sehr gutes Spiel war, der aber auch viele der im Vorfeld versprochenen Features fehlten.

Dass sich hinter all den Bugs, Glitches und sonstigen Fehltritten eine wahre Perle des Gamings versteckte, zeigten die zahlreichen Updates der folgenden Jahre, die nicht nur viele Fehler behoben, sondern Features nachreichten, die von den Fans vermisst wurden, wie zum Beispiel ein U-Bahn-System und Apartments.

Der Phantom-Liberty-DLC, der sich mittlerweile auch schon über fünf Millionen Mal verkauft hat, erhielt ebenfalls positive Kritiken und somit kann man sagen, dass sich Cyberpunk 2077 von einer Enttäuschung zu einem Anwärter auf das beste CD-Projekt-Red-Spiel neben The Witcher 3 entwickelt hat.

Ein weiteres Beispiel für ein Spiel, bei welchem die Bugs anfangs ein mitgeliefertes "Feature" waren, ist Assassin's Creed Unity aus dem Jahre 2014. Der achte Teil der Hauptreihe von Assassin's Creed, entwickelt von Ubisoft, stieß auf reichlich Gegenwind, nachdem zahlreiche Bugs, Glitches und eine ruckelige Performance festgestellt wurden.

Die Fehler reichten von fehlenden Gesichtern der NPCs, über unsichtbare Wände bis hin zu solchen, über die man nicht mit einem müden Lächeln hinwegsehen kann, wie das Fallen durch den Boden und Crashes.

Assassin's Creed Unity Quelle: Ubisoft Yannis Mallat, der damalige CEO von Ubisoft Montreal, entschuldigte sich daraufhin in einer E-Mail für die "unerwarteten" technischen Probleme und stellte klar, dass er offen für Feedback sei.

Tatsächlich verbesserte sich die Performance sowie die Meinung der Fans zu AC Unity durch die zahlreichen Patches und Fixes sowie durch einen kostenlosen DLC namens "Tote Könige" stetig, und somit konnte der Titel die Wogen wieder etwas glätten. Auch kommerziell war das Spiel ein Erfolg und so hat es sich bis heute über zehn Millionen Mal verkauft.

Bildergalerie

Für Ubisoft blieb die Kontroverse aber nicht ohne Folgen. Der nächste Teil der Assassin's-Creed-Reihe, Syndicate aus dem Jahr 2015, erschien zwar mit positiven Rezensionen, blieb kommerziell aber hinter den Erwartungen zurück, weshalb es bis heute nur auf etwas mehr als die Hälfte der verkauften Einheiten von Unity kommt. Erst der nächste Teil, Origins, konnte die Assassin's-Creed-Reihe 2017 wieder auf Erfolgskurs bringen, nachdem man sich ein Jahr Zeit genommen hatte, die Spielmechaniken weiterzuentwickeln, indem man auf ein neues System für Quests, Fortschritt und Weltgestaltung setzte.

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