Ist Gaming gesund? So wirken sich Videospiele auf unser Wohlbefinden aus

Special Kevin Hildebrand Lukas Schmid
Ist Gaming gesund? So wirken sich Videospiele auf unser Wohlbefinden aus
Quelle: Nintendo

Videospiele machen krank und dumm - dieses Vorurteil ist zum Glück lange widerlegt. Vielmehr stellt sich die Frage: Kann Gaming die Gesundheit sogar fördern?

"Jetzt sitz doch nicht andauernd vor deinen Videospielen. Das ist nicht gut für dich, geh' lieber mal raus!" Nahezu jeder, der regelmäßig zur Entspannung zum Controller oder zu Tastatur und Maus greift, dürfte diesen Satz so oder so ähnlich schon einmal gehört haben. Doch: Ist das Medium Videogames wirklich so schlecht für den menschlichen Körper, wie es lange Zeit hieß?

Spätestens seit Corona rückte der Nutzen von Videospielen stärker in den Vordergrund als deren vermeintliche Nachteile. Immerhin verbanden sie Menschen weltweit in einer Zeit, in der persönlicher Kontakt teils monatelang nicht möglich war.

Seitdem hat sich auch dank medizinischer Forschungen und Studien viel getan und diese konnten beweisen, dass Games jeglicher Art einen großen Einfluss auf das menschliche Wohlbefinden haben können. Sowohl mental als auch körperlich.

Wir sprachen mit Medizinern, Psychologen und Experten aus der Videospielbranche. Mit dem Ergebnis: richtig eingesetzt können zahlreiche Games einen positiven Einfluss auf Körper, Geist, Motorik und mehr haben.

Längst kein Nischenphänomen mehr

Werfen wir erst mal einen Blick darauf, wie viele Deutsche überhaupt regelmäßig Videospiele konsumieren. Das "Statista Research Department" veröffentlichte dazu Ende Februar dieses Jahres frisches Zahlen, die zeigen, dass das Zocken längst in der Gesellschaft angekommen ist.

Rund 54 Prozent aller Deutschen spielen mindestens gelegentlich Videospiele, in der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei über 85 Prozent. Selbst bei der über 65-Jährigen nutzen noch immer 18 Prozent regelmäßig dieses Medium. Warum das wichtig ist, dazu kommen wir zu einem späteren Zeitpunkt.

Und auch wenn es um die positiven Aspekte von Videospielen von Körper und Geist in diesem Artikel geht, eine Tatsache sollte nicht unter den Tisch fallen: Die Mischung macht's! Rund 66 Prozent der von Statista befragten Studienteilnehmer nutzen Videospiele, um sich von Stress zu erholen und nach einem harten Tag abzuschalten. Allerdings besteht natürlich auch immer die Gefahr einer Computerspielsucht.

Ab wann ist das Zocken eine Sucht?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das exzessive Zocken 2018 unter dem Begriff "Gaming Disorder" als psychische Erkrankung anerkannt. Diese liegt dann vor, wenn Gamer andere Interessen und tägliche Aufgaben für Videospiele aufschieben.

Sie verlieren die Kontrolle über die Dauer der Gaming-Sessions, und auch negative Konsequenzen dieses Konsums blenden sie aus. Sollte sich dieses Verhalten über mehr als zwölf Monate ziehen, gehen Experten von einer gravierenden Gaming-Sucht aus.

Zentrale der WHO Quelle: I, Yann, Wikipedia, CC BY-SA 3.0 Zentrale der WHO Dr. Armin Kaser, der als promovierter Psychologe an der Universität Innsbruck arbeitet, berichtet, dass in Deutschland rund vier Prozent aller Gamer an einer Computerspielsucht leiden.

Zum Vergleich: Spitzenreiter sind Länder wie Nordzypern (7,5 Prozent), die USA (6,0 Prozent) und China (5,5 Prozent). Nach der Corona-Pandemie sei ein leichter Anstieg dieser Zahlen hierzulande bemerkbar gewesen. Ob sich dieser Trend aber weiter fortsetzt, sei aktuell nicht absehbar.

"Videospiele können kognitive und soziale Fähigkeiten fördern"

Genau über diesen offenbar schmalen Spagat zwischen Nutzen und Risiken bei Videospielen sprachen wir mit Mag. Dr. Alexander Pfeiffer, der im Zentrum für angewandte Spieleforschung an der Donau-Universität im österreichischen Krems arbeitet.

Dr. Alexander Pfeifer Quelle: Dr. Alexander Pfeifer Dr. Alexander Pfeifer Er sagt: "Videospiele können zweifellos mehr sein als nur ein Mittel zur Unterhaltung; sie bieten das Potenzial, verschiedene kognitive und soziale Fähigkeiten zu fördern, insbesondere, wenn sie mit Bedacht und in moderaten Mengen gespielt werden."

Und er fügt hinzu: "Abseits des geringen Prozentsatzes von Spielern, die ein exzessives oder pathologisches Spielverhalten aufweisen, und der Kontroversen um Lootboxen, können digitale Spiele eine Bereicherung für die geistige Fitness und soziale Interaktion darstellen."

Welche Spiele besonders positive Effekte bieten

Selbst Spiele, die keinen "edukativen Auftrag" haben, können laut Pfeiffer wertvolle Erfahrungen bieten. Dafür hat er auch mehrere Beispiele parat: "Spiele wie The Legend of Zelda oder Portal erfordern tiefgreifendes Problem- und Rätsellösungsdenken. Strategiespiele wie Starcraft oder Civilization fördern die Planungsfähigkeiten und das vorausschauende Denken.

Narrative Spiele wie The Witcher oder Life is Strange verbessern die Empathiefähigkeit und das Verständnis komplexer Charakterbeziehungen. Multiplayer-Spiele wie World of Warcraft oder Overwatch stärken die Teamarbeit und die Kommunikationsfähigkeiten. All diese Spiele bieten einzigartige Herausforderungen und Lernmöglichkeiten, die über reine Unterhaltung hinausgehen."

Gleichzeitig tritt Pfeiffer aber auch ein Stück auf die Bremse: bei all diesen positiven Effekten darf man nicht vergessen, dass ein exzessives Nutzungsverhalten - wie bereits angesprochen - oft zu sozialer Isolation und anderen negativen Begleiterscheinungen führen kann.

Pfeiffer: "Es ist wichtig, auch diese Schattenseiten immer wieder zu erwähnen, um ein ausgewogenes Verständnis der Auswirkungen von Videospielen zu gewährleisten."

Life is Strange Quelle: Square Enix Life is Strange

Dank Videospielen niemals allein

Wir halten fest: Viele Videospiele können viele Lerneffekte beim Spieler in den unterschiedlichsten Bereichen hervorrufen. Und auch das Klischee, beim Zocken hänge jeder Spieler alleine für sich in seinem Zimmer, sei laut Pfeiffer überholt:

"Das zusammen Spielen mit anderen Menschen in Multiplayer-Spielen kann tatsächlich positive Effekte auf die menschliche Psyche haben, insbesondere in Zeiten sozialer Isolation, wie wir sie während der Corona-Pandemie erlebt haben.

Bildergalerie

In dieser Zeit wurden Online-Spiele für viele zu einem Rettungsanker, um soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, wenn physische Treffen nicht möglich waren. Gilden in MMORPGs fanden sich wieder zusammen, stärkten ihre Gemeinschaften und boten eine Form der Unterstützung und des sozialen Austauschs, der in der realen Welt vorübergehend eingeschränkt war."

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