Videospiele machen krank und dumm - dieses Vorurteil ist zum Glück lange widerlegt. Vielmehr stellt sich die Frage: Kann Gaming die Gesundheit sogar fördern?
Boomende Onlineplattformen für Brettspiele brachten in den vergangenen Jahren mitunter Familien zusammen, die mit Gaming erst mal so gar nichts am Hut hatten.
Und auch das Thema E-Sport habe in den vergangenen Jahren geboomt und Menschen sogar völlig neue Perspektiven für ihre berufliche Laufbahn geöffnet. Stichwort: Simracer, die aufgrund ihrer virtuellen Leistungen jetzt in seltenen Fällen am Lenkrad von echten Rennautos sitzen.
Studie stützt die Behauptung: Videospiele sind gut fürs Gehirn
Um noch besser zu verstehen, wie sich Videospiele auf die geistigen Fähigkeiten eines Menschen auswirken, sprachen wir Prof. Dr. med Jürgen Gallinat.
Er ist Direktor an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und führte gemeinsam mit der Neurowissenschaftlerin Simone Kühn eine Studie durch. Dadurch sollte die Wirkung von Videospielen auf das menschliche Gehirn besser untersucht werden.
Quelle: Uke Kliniken
Jürgen Gallinat
Die Mediziner ließen dafür 62 Männer im Alter zwischen 20 und 45 Jahren mit wenig beziehungsweise keiner Videospielerfahrung zwei Monate lang täglich zocken. Mit einer MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomographie) wurden regelmäßig die Gehirne der Probanden untersucht. Mit erstaunlichen Ergebnissen.
Die graue Substanz des Gehirns im sogenannten entorhinalen Kortex, der für das räumliche Denken eines Menschen wichtig ist, wurde größer, je mehr Spielerfahrung die Männer sammelten.
Kommen Videospiele in der Öffentlichkeit zu schlecht weg?
Im Gespräch mit PC Games gab Prof. Dr. Gallinat weitere Einblicke in die Studie: "Die Trainings über circa. 30 Minuten pro Tag verbesserten einige kognitive Fähigkeiten und führten zu einem Volumenzuwachs der grauen Substanz im Gehirn im Verlauf von acht Wochen. Das interpretieren wir als Verbesserung dank der Videospiele."
Die größten Ergebnisse zeigten wohl Männer, die Logik- und Puzzle-Spiele wie "Tetris" und "Minesweeper" gezockt hatten. Auch Jump-and&Spiele wie Super Mario und Mega Man lieferten gute Ergebnisse.
Wir wollten daher wissen: Kommen trotz solch positiver Resultate Videospiele in der öffentlichen Betrachtung zu schlecht weg? Dazu sagt Gallinat: "Ja. Im Kontext der Abhängigkeit gibt es sicherlich negative Beispiele. Die positiven Effekte sind aber weniger geläufig."
Quelle: Nintendo
Super Mario Odyssey
Wie helfen Videospiele bei körperlichen Beschwerden?
Dass Computerspiele also gut für die Psyche und geistige Entwicklungen sein können, wissen wir jetzt. Doch wie sieht es mit der körperlichen Komponente aus? Dafür sprachen wir Felix Falk, Geschäftsführer von game - dem Verband der deutschen Games-Branche. Er verweist zunächst auf besondere Spielekonsolen, die speziell für ältere Menschen entwickelt wurden und in medizinischen Einrichtungen zum Einsatz kommen.
Eine davon ist die Konsole memoreCare. Eine blaue, quadratische und per Gesten gesteuerte Spielekonsole. Der Hersteller verspricht "digitale Gesundheitstrainings, eine regelmäßige Nutzung trainiert die körperliche und geistige Gesundheit".
Quelle: game
Felix Falk
In einer anderen Studie konnte Neurowissenschaftlerin Simone Kühn sogar nachweisen, dass durch das regelmäßige Spielen von Videospielen Seniorinnen und Senioren den Aspekt der Alterung im Kopf messbar verlangsamen konnten.
Dazu sagt Falk: "Längst werden Games auch erfolgreich im Gesundheitssektor eingesetzt. Die MemoreBox von Retrobrain steht heute beispielsweise schon in vielen Altenheimen und hilft älteren Menschen, beweglich zu bleiben und spielerisch ihre Motorik zu trainieren. Aber auch in Schmerztherapien oder bei der Behandlung von ADHS gibt es bereits spezielle Serious Games, die Menschen weltweit helfen."
Unter dem Begriff "Serious Games" werden Spiele versammelt, welche nicht nur unterhalten sollen, sondern auch andere Absichten (auch Wirkziele genannt) wie Bildung und Motivation zu bestimmten Handlungen verfolgen.
Gaming zur Behandlung von Schmerzen
Auch Alexander Pfeiffer weiß von vielen Fällen zu berichten, in denen Videospielen bei körperlichen Beschwerden zum Einsatz kommen: "Videospiele können durchaus eine unterstützende Rolle bei der Behandlung körperlicher Beschwerden spielen, insbesondere im Rahmen der Games for Health-Bewegung, die das therapeutische Potenzial von Spielen hervorhebt.
Durch die Integration von spielerischen Elementen in die Physiotherapie oder Rehabilitation können sie motivierend wirken und zur Verbesserung von Motorik und Schmerzmanagement beitragen. Zudem nutzen sie die Immersion und Interaktivität, um Patienten bei der Bewältigung körperlicher Einschränkungen zu unterstützen."
Doch auch in den heimischen vier Wänden gab und gibt es Spielekonsolen, die für mehr Bewegung bei körperlichen Beschwerden sorgen können: "Da brauchen wir nur auf Bewegungsspiele auf der Switch zu schauen - oder auf historische Beispiele wie die Wii U, Xbox Kinect und Co.
Im professionellen Bereich wird Spieltechnologie zumindest in großangelegten Forschungsprojekten verwendet, um eine Verbindung zwischen Therapie vor Ort in der Arztpraxis und weiterführenden Übungen zu Hause zu ermöglichen. An der Universität Malta wird derzeit intensiv im Bereich VR und Schmerztherapie geforscht."
