Die größten Shitstorms 2020, Seite 2 - Muskulöse Frauen und ekelhafte Männer

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Die größten Shitstorms 2020, Seite 2 - Muskulöse Frauen und ekelhafte Männer
Quelle: PC Games

Die Spieleindustrie steht mit ihren lautesten Kunden in einer perfekten, unheiligen Symbiose: Publisher versuchen mit der Einführung neuer Kunden- und menschenverachtender Trends regelmäßig, die Messlatte für akzeptables korporatives Verhalten unter den Meeresspiegel zu senken und dünnhäutige, verwöhnte Gamer regen sich auf Twitter und Co. auch schon über die letzten Kleinigkeiten auf als wäre es ein Sport. Auch 2020 hagelte es für die Entscheidungen der Branchenriesen wieder Verbalfäkalien von sämtlichen Seiten. In unserem Special haben wir die zehn größten Aufreger des Gaming-Jahres zusammengetragen.

The Last of Us 2: Abby sorgt für Wut und Tränen

Beginn des Shitstorms: 26. April 2020 - Geleakte Zwischensequenzen tauchen bei ResetEra auf

The Last of Us 2 Quelle: Sony Interactive Entertainment / Naughty Dog The Last of Us 2 The Last of Us 2 war noch nicht einmal erschienen, da hatten Fans schon beschlossen, die Schnauze voll davon zu haben: Als durch ein Leak bei Naughty Dog eine Beschreibung der Handlung sowie einzelne Videosequenzen ihren Weg ins Internet fanden, war das Geschrei auf Twitter, Reddit und Co. groß. Die geleakten Szenen enthielten brisante Details zur Story, die nicht von allen Mitgliedern der Community wohlwollend aufgenommen wurden. Der Shitstorm ging jedoch nicht allein aus enttäuschten Erwartungen hervor. Einige Gamer äußerten auch Unzufriedenheit über den Körperbau von Abby, einer der neuen Hauptfiguren von The Last of Us 2.

Abby hat nämlich ein etwas breiteres Kreuz, einen trainierten Brustkorb und definierte Oberarme und unterscheidet sich damit etwas von typischen Naughty-Dog-Frauenfiguren bzw. Videospiel-Actionheldinnen generell. Als Vorlage für ihre Physis diente die Crossfit-Athletin Coleen Fotsch. Die Muskeln der Sportlerin schienen einen Teil der Spielerschaft irgendwie zu verwirren und zu erzürnen. Auch die Tatsache, dass ein Transmann als Nebenfigur im Spiel auftritt, wurde von einigen Gamern als Angriff auf ihren anscheinend puritanischen Lebensstil verstanden. Auf Neil Druckmann, den Game Director von Last of Us 2, und Abby-Sprecherin Laura Bailey prasselte ein Sturm aus Gift und Galle hernieder, den man selbst mit größter Empathie für die wütenden Fans nur als scheußlich bezeichnen kann.

Leute, die man nie nach ihrer Meinung fragen sollte, vereinten sich scharenweise, um ebendiese übers Internet kundzutun und den Entwickler*innen groß und breit den Ursprung ihrer impotenten Rage, sprich: ihr menschenverachtendes Weltbild, zu erklären. Doch damit nicht genug: Sowohl Druckmann als auch Bailey erhielten neben antisemitischen, transphoben und homophoben Kommentaren auch Androhungen von Gewalt und Morddrohungen. Dieses in jeder Hinsicht jämmerliche Schauspiel zeugt leider von der geistigen und emotionalen Armut eines lauten und damit nicht unwesentlichen Teils der Gaming-Community und sticht 2020 eindeutig als der widerlichste Shitstorm des Jahres hervor.

Ubisoft: Jahrelanger sexueller Missbrauch an Angestellten

Beginn des Shitstorms: 21. Juni 2020 - Etliche Betroffene teilen ihre Erfahrungen

Yves Guillemot Quelle: Ubisoft Yves Guillemot Nach diversen Anschuldigungen professionellen Fehlverhaltens gegen Assassin's Creed Valhalla Creative Director Ashraf Ismail brach im Sommer 2020 eine Welle an schockierenden Enthüllungen über die Chefetage bei Ubisoft herein. Zahlreiche Vorwürfe der Vergewaltigung und sexuellen Belästigung wurden gegen mittel- und hochrangige Mitglieder des Studios erhoben, Statements von Betroffenen und investigativen Medienvertretern enthüllten nach und nach eine Firmenkultur, die von Geheimhaltung, Unterdrückung und Missbrauch geprägt ist.

So war das HR-Department des Unternehmens wohl vorwiegend damit beschäftigt, die Anschuldigungen zu relativieren, zu ersticken und klein zu reden und die Täter vor Konsequenzen zu schützen. In Folge der Aufklärung über die tatsächlichen Zustände bei Ubisoft, die jahrelang systematisch vor der Öffentlichkeit vertuscht wurden, mussten etliche einflussreiche Angestellte und auch einige der mächtigsten und prominentesten Gesichter des Unternehmens ihren Hut nehmen. Chief Creative Officer Serge Hascoët, ein angeblicher Serien-Belästiger und Sexist - und guter Freund von Firmengründer und CEO Yves Guillemot - sowie Yannis Mallat, der Präsident von Ubisoft Kanada, und HR-Chefin Cécile Cornet, traten allesamt von ihren Posten zurück.

Guillemot gelobte Besserung in Form von strukturellen Veränderungen und wandte sich in einem fadenscheinigen, aus Standardphrasen bestehenden Entschuldigungs-Video an die Öffentlichkeit. In einem begleitenden Statement beteuerte er zudem, er selbst hätte die der Firma inhärenten Werte niemals kompromittiert und würde dies auch in Zukunft niemals tun. Ungläubigkeit und hämische Kommentare waren da natürlich vorprogrammiert.

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