Brian Fargo: Der Mann, der mal so nebenbei Fallout erfand

Special Sönke Siemens Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid Sascha Lohmüller 53,99 €
Brian Fargo: Der Mann, der mal so nebenbei Fallout erfand
Quelle: inXile Entertainment

Seit knapp 45 Jahren ist Brian Fargo nun schon in der Spielebranche aktiv und hat in dieser Zeit unfassbar viel erreicht. Wir fassen seine steile Laufbahn zusammen!

Aber zurück zu Fargo. Der werkelt in dieser Zeit noch unter Hochdruck an Interplays nächstem großen Herbst-Release des Jahres 1997. Gemeint ist Star Trek: Starfleet Academy, für das er in der Rolle des Spieldirektors die komplette Verantwortung trägt. Das Besondere hier: Mit William Shatner in seiner angestammten Rolle als James T. Kirk, Walter Koenig als Pavel Chekov und George Takei als Captain Sulu heuert Fargo für seine Weltraum-Flugsimulation jede Menge Hollywood-Prominenz an und bringt deren Performances mittels Greenscreen-Verfahren ins Spiel. Die zahlreichen Cutscenes der knapp 15-stündigen Geschichte fressen dabei so viel Platz, dass Interplay nicht nur die ursprünglich kalkulierten vier CD-ROMS benötigt, sondern insgesamt sogar fünf. Besonders ärgerlich: Als der zusätzliche Platzhunger sich abzeichnete, hatte man bereits Zehntausende CD-Hüllen für vier Disks produzieren lassen. Gelöst wird das Problem schließlich, indem man der Verpackung einen Umschlag inklusive der fünften CD hinzufügt.

Diese Notlösung stört aber kaum jemanden, denn Fargos Weltraum-Baby hat einiges auf dem Kasten. Neben einem spannenden Plot, verteilt über 29 teils recht komplexe Missionen, punktet Starfleet Academy vor allem mit seiner hohen Produktionsqualität in Sachen Musik, Soundeffekte, der Nähe zum Ausgangsmaterial und einem interessanten Multiplayer-Modus für bis zu 32 Spieler.

Kritik gibt es allerdings auch - vorrangig für die etwas veraltete 3D-Optik während der in TIE-Fighter-Manier stattfindenden Raumkämpfe, den teils überzogen hohen Schwierigkeitsgrad und das nur halbbare Crew-Management. Trotzdem: Wer besagte Abstriche in Kauf nimmt, hat hiermit eine Menge Spaß.

Bis Mitte 1998 greifen weltweit knapp 350.000 Trekkies zu. Genügend für Interplay, zunächst das Erweiterungspaket Chekov's Lost Missions und dann eine Fortsetzung bei der 1999 in Beverly Hills gegründeten Strategie-Abteilung 14 Degrees East in Auftrag zu geben. Letztere hört auf den Namen Star Trek: Klingon Academy und erscheint im Juni 2000 - allerdings ohne direktes Mitwirken von Fargo.

Fallout Quelle: Moby Games Fallout

Fargo fädelt den Fallout ein

Das mit Abstand bekannteste Interplay-Spiel aus dem Jahr 1997 ist allerdings nicht Starfleet Academy, sondern ein Rollenspiel, dessen finaler Namen letztendlich Fargo zu verdanken ist und auf dem "Generic Universal RolePlaying System" (kurz GURPS) basiert.

"Brian Fargo zeigte sich aufgeschlossen, neue Rollenspiele zu entwickeln (...), wollte jedoch kein Spiel, das mit irgendeinem der bereits in Entwicklung befindlichen Dungeons-and-Dragons-Projekten von Interplay in Konflikt steht. Es sollte keinen Kampf um Regalplatz oder das gleiche Zielpublikum geben. (...) Ich liebte GURPS und konnte Fargo überzeugen, ein Spiel auf Basis von diesem Pen-&-Paper-System zu entwickeln", erinnert sich Chef-Entwickler Tim Cain in einem YouTube-Interview mit Matt Barton.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Aus Vault-13: A GURPS Post-Nuclear Role-Playing Game wird so im Laufe von dreieinhalb Jahren und mit Kosten von knapp drei Millionen Dollar ein Spiel, das im RPG-Genre bis heute Kultstatus genießt: Fallout.

Brian Fargo hatte mal wieder den richtigen Riecher für neue Projekte bewiesen und freut sich über allein 120.000 verkaufte Exemplare im ersten Jahr; nach zehn Jahren wächst diese Summe auf 600.000. Gleichzeitig steht er unter Zugzwang, denn der Games-Markt ist hart umkämpft und Interplays Bilanz belastet durch hohe Ausgaben und Schuldenberge aus der Vergangenheit.

Fargos Gegenmittel? Ein Börsengang, der 1998 eingeleitet wird und frisches Geld in die Kassen spülen soll. Auf geht seine Rechnung jedoch zunächst nicht - unter anderem aufgrund von Interplays nicht ausreichend starken Konsolen- und Sportspiel-Abteilungen.

Hunted: The Demon's Forge Quelle: Inxile Entertainment Hunted: The Demon's Forge Erst als Fargo ein weitreichendes Distributionsabkommen mit Virgin Interactive schließt und er auch noch den französischen Publisher Titus als Kapitalgeber mit an Bord holt, entspannt sich die finanzielle Situation. Doch hinter den Kulissen brodelt es. Titus übernimmt nach und nach immer mehr Unternehmensanteile, während sich das Gesprächsklima zwischen Fargo und Anteilseigner Titus zunehmend verschlechtert.


Wusstet ihr schon, dass ... es in Wasteland und Wasteland 3 eine Figur namens Faran Brygo gibt? Der Charakter ist natürlich eine Anspielung auf Wasteland-Schöpfer Fargo und in Las Vegas respektive Little Las Vegas anzutreffen.


"Titus hat eine ganz andere Ideologie des Managements, die mit meiner nicht vereinbar war, was mich schnell in die Kategorie 'Das Leben ist zu kurz' gesteckt hat", rekapituliert Fargo im Jahr 2002 in einem Interview mit dem US-Portal Gamespot.

Die Verwerfungen sind letztendlich so groß, dass Fargo seinen CEO-Posten bei Interplay zu Beginn des Jahres 2002 an den Nagel hängt und kurz darauf - frisch vermählt - in die Flitterwochen abdampft.

Erst Exil, dann InXile Entertainment

Zugeben, Fargo ist damals angeschlagen. Von seiner Geschäftsmann- und Kämpfermentalität hat er jedoch nichts eingebüßt. Im Gegenteil: Noch im selben Jahr, am 26. Oktober 2002, meldet er bei den Behörden im kalifornischen Newport Beach seine neue Firma an: "Ein Spieleentwicklungsunternehmen fokussiert auf persönlichkeitsgeladenen Spiele für Gamer - egal, wo sie spielen".

Auf dem Klingelschild thront schon bald InXile Entertainment - eine Name, der auf Fargos damalige Visitenkarten zurückgeht. Dort nennt er sich nämlich kurz nach dem Verlassen von Interplay selbstironisch "Leader in exile", zu Deutsch so viel wie "Leiter im Exil".

Eine mutige und zum gewissen Grad rebellische Idee für das erste Projekt des Studios hat Fargo auch schon: The Bard's Tale soll wiederbelebt werden, und zwar ganz ohne offizielle Lizenz! Denn diese befindet sich damals im Besitz von Electronic Arts, steht also nicht zur Verfügung.

Produzent Fargo und sein Team rund um Spieldirektor und Story-Autor Matthew Findley lösen die Herausforderung pragmatisch, indem sie nicht nur eine komplett neue Geschichte erschaffen, sondern auch gänzlich neue Figuren und Schauplätze. Gleichzeitig wird die Gag-Dichte im Vergleich zu Fargos allererstem The Bard's Tale spürbar erhöht und die Macher integrieren obendrein jede Menge Seitenhiebe auf frühere Serienableger und typische Genre-Besonderheiten.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk