Brian Fargo: Der Mann, der mal so nebenbei Fallout erfand
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Seit knapp 45 Jahren ist Brian Fargo nun schon in der Spielebranche aktiv und hat in dieser Zeit unfassbar viel erreicht. Wir fassen seine steile Laufbahn zusammen!
Technisch fußt all das auf der schon etwas angestaubten 3D-Engine der Snowblind Studios, die zuvor untern anderem im Action-Rollenspiel Baldur's Gate: Dark Alliance (2001) zum Einsatz kam. Dies hat zur Folge, dass The Bard's Tale zum PlayStation-2- und Xbox-Release am 26. Oktober 2004 grafisch keine Bäume ausreißt. Spielerisch aber ist das InXile-Debüt mehr als solide (Metacritic für die PS2-Fassung: 76) und begeistert Genre-Liebhaber vor allem durch seinen ganz eigenen Humor. Sehr gut läuft auch die iOS-Umsetzung. Hier wird das Spiel regelrecht mit Fünf-Sterne-Wertungen im App Store überhäuft und führt im Dezember 2011 sogar die Liste der meistverkauften iOS-Rollenspiele an.
Passend zum bereits erwähnten Firmenmotto folgt nach The Bard's Tale eine eher experimentelle Phase. Brian Fargo nimmt dafür verschiedene externe Entwickler unter Vertrag und hilft ihnen - unter InXile-Flagge - bei der Vermarktung ihrer Projekte. Den Anfang machen PC-, Nintendo-DS- und Wii-Versionen des Mal- und Geschicklichkeitsspiels Line Rider aus der talentierten Feder des slowenischen Studenten Boštjan Čadež, die Fortsetzung Line Rider 2: Unbound, die iPhone-Umsetzung des von Colin Northway entwickelten Physik-Knoblers Fantastic Contraption sowie mehrere Teile der Klötzchenstapelei Super Stacker und Choplifter HD, die man für Konami entwickelt.
Die verschiedenen Titel laufen ordentlich und der finanzielle Spielraum von InXile wächst, woraufhin Fargo größere Entwicklungen ins Auge fasst.
Eine davon entsteht in Zusammenarbeit mit Bethesda und soll ein auf Koop getrimmtes Action-Rollenspiel werden, angesiedelt im Erzähluniversum seines damaligen Text-Adventure Hits The Demon's Forge von 1981. Heraus kommt Hunted: The Demon's Forge, ein auf Koop getrimmtes Action-Rollenspiel auf Basis der Unreal Engine 3.
Bogenschützin E'lara und Nahkämpfer Caddoc jagen darin meist kämpfend und zuweilen puzzelnd einem Artefakt hinterher, um ihre Fantasy-Welt vor großem Unheil zu retten.
Quelle: Inxile Entertainment
Heist
Während Hunted: The Demon's Forge am 31. Mai 2011 für PC, PlayStation 3 und Xbox 360 erscheint, schafft es Projekt Numero zwei leider nie bis zur Marktreife. Sehr schade, denn das Konzept hinter Heist klingt durchaus vielsprechend. Als Gangster Johnny Sutton - im Spiel verkörpert von Evil-Dead-Star Bruce Campbell - gilt es, im aufstrebenden San Francisco Ende der 60er-Jahre gezielt Kredithäuser zu überfallen.
Erzählstil-Vorbilder sind dabei Hollywood-Streifen wie Dog Day Afternoon (1975) mit Al Pacino in der Hauptrolle oder der Klassiker Point Break (1991) mit Patrick Swayze und Keanu Reeves.
Wusstet ihr schon, dass ... Wasteland 3 nicht via Kickstarter, sondern über Crowdfunding-Portal Fig startfinanziert wurde? Brian Fargo engagierte sich hier - zusammen mit anderen Branchenveteranen wie Fergus Urqhart von Obsidian Entertainment und Tim Schafer von Double Fine Productions - im Aufsichtsrat. 2022 wurde das Portal von der Investmentgruppe Republic geschluckt.
Doch während der Entwicklung bekommt Fargos Technik-Team die Unreal Engine 3 nicht so richtig in den Griff. Zudem kommt es zu inhaltlichen Auseinandersetzungen mit Publisher Codemasters. Beides in Kombination bricht Heist letztendlich das Genick.
Schlimmer noch: Da auch Hunted: The Demon's Forge nicht die Wertungen und Verkaufserfolge einfährt, die man sich zunächst erhofft hatte, muss Fargo harte Sparmaßnahmen verordnen und zahlreichen Mitarbeitern kündigen. Im Falle des Hunted-Teams verlassen am Ende gar 90 Prozent das Studio.
Crowdfunding als Rettungsanker
Brian Fargo muss damals schwere Entscheidungen treffen, will die Flinte trotz doppelter Niederlage aber nicht ins Korn werfen und hält fortan vor allem nach neuen Finanzierungsmodellen für Spieleprojekte Ausschau. Sein Glück findet er wenig später im langsam aber sicher immer populärer werdenden Crowdfunding-Sektor.
Quelle: Inxile Entertainment
The Bard's Tale 4: Director's Cut
Zur besseren Einordnung: Die bereits 2009 gegründete Plattform Kickstarter ist damals das nächste große Ding, insbesondere auch in der Spielebranche. Speziell Double Fine Productions, das Studio von Adventure-Legende Tim Schafer, sorgt damals für Aufsehen, als sie für ihr neues Projekt Double Fine Adventure (später Broken Age) knapp 3,45 Millionen Dollar in nur einem Monat einsammeln.
Fargo wittert plötzlich ganz neue Möglichkeiten und setzt mit seiner verbleibenden Truppe eine Kickstarter-Kampagne für einen offiziellen zweiten Teil zu Wasteland auf. Anvisiert wird am 13. März 2012 eine Million US-Dollar - als die Kampagne am 17. April endet, sind es knapp drei Millionen.
"Der Moment, in dem das Finanzierungsziel erreicht wurde, war einer der Höhepunkte meiner gesamten Karriere. Endlich konnten wir das Spiel machen, das wir schon immer machen wollten - und zwar genau so, wie wir es wollten", erinnert sich Fargo rückblickend in einer sehenswerten, studioeigenen YouTube-Doku, die 2022 anlässlich des 20. Firmenjubiläums online ging.
Mit viel Herzblut schrauben Fargo (damals ausführender Produzent) und Co. daraufhin binnen der nächsten knapp zweieinhalb Jahre mit der Unity-Engine an einem ziemlich komplexen Rollenspiel, dessen Plot 15 Jahre nach der Handlung des Erstlingswerks einsetzt. Ein Aufwand, der sich bezahlt macht, von der Fachpresse als auch den Fans mit Lobeshymnen überschüttet wird und InXile bis September 2016 Umsätze von immerhin zwölf Millionen Dollar einbringt.
