Brian Fargo: Der Mann, der mal so nebenbei Fallout erfand
Special 53,99 €
Seit knapp 45 Jahren ist Brian Fargo nun schon in der Spielebranche aktiv und hat in dieser Zeit unfassbar viel erreicht. Wir fassen seine steile Laufbahn zusammen!
Projekt zwei und drei des Activision-Deals sind dann das Geheimagenten-Spiel The Tracer Sanction sowie das Mitte der 1930er angesiedelte First-Person-Adventure Borrowed Time (November 1985), für das Fargo zusammen mit seinem langjährigen Weggefährten Michael Cranford die Story entwirft. Im Fokus: Ein Privatdetektiv, der seine Ex-Frau aus den Fängen dubioser Kidnapper befreien muss. Lob kassiert Borrowed Time für die Grafik, den Humor und den von Fargo ursprünglich für Mindshadow entwickelten Textparser, der 200 Verben sowie 250 Nomen versteht. Auch in Deutschland kommt das Spiel gut an. So vergibt beispielsweise Happy Computer 82 von 100 Punkten, während der Aktuelle Software Markt gar eine 95er-Wertung zückt.
Der Barde kommt - und es macht "boom"!
Der endgültige Durchbruch gelingt Interplay schließlich pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 1985 mit einem ambitionierten Rollenspiel, dessen Konzept federführend von Michael Cranford vorangetrieben wird - mit kreativer Schützenhilfe von Brian Fargo (Leveldesign, Story) sowie Roe R. Adams III (Additional Design).
Das Ganze läuft zunächst unter dem Projektnamen Shadow Snare, wird dann aber später in The Bard's Tale umbenannt. Ein sinnvoller Schachzug, denn genau darum geht es hier schließlich: Ein frei zusammenstellbarer Trupp aus sechs Helden - darunter ein Barde in der Hauptrolle - zieht los, um dem finsteren Magier Mangar das Handwerk zu legen.
Der nämlich hat das Umland der Stadt Skara Brae in einen ewigen Winter gehüllt und die Stadt so von der Außenwelt abgeschnitten. Was folgt, ist ein abwechslungsreiches Dungeon-Crawler-Erlebnis mit interessanten Knobeleinlagen und einem 85 Zaubersprüche umfassenden Magiesystem, das sich vor dem damaligen Genre-Primus Wizardry nicht verstecken muss.
Im Gegenteil: Anders als die Sir-Tech-Konkurrenz trumpft The Bard's Tale auf den Startplattformen C64 und Apple II mit einer deutlich besseren Grafik auf. Hinzu kommt, dass Fargo Electronic Arts als großen Publishing-Partner gewinnen kann und dieser Feuer und Flamme für das Projekt ist.
Zwar ist der Spieleinstieg etwas holprig, hat man sich jedoch erst einmal reingefuchst, blüht The Bard's Tale spielerisch voll auf. Die Fachpresse zückt entsprechend im großen Stil gute bis sehr gute Wertungen, die sich überaus positiv auf die Verkäufe auswirken. Ergebnis: Mit 407.000 abgesetzten Exemplaren mausert sich der Titel zu einem der beliebtesten und meistverkauften Rollenspiele der 80er-Jahre.
Quelle: Moby Games
Battle Chess
Laut der Los Angeles Times knackt das Spiel mit seinen zahlreichen Umsetzungen bis zum Sommer 1993 sogar die Marke von einer Million Einheiten. Stichwort Umsetzungen: Hier ist insbesondere die C64-Fassung ein Dauerbrenner - nicht zuletzt, weil das erste Wizardry erst zwei Jahre später für den populären Commodore-Heimcomputer erscheint.
Ritter des Schicksals
Interplay nimmt diesen Mega-Erfolg zum Anlass, zügig eine Fortsetzung auf den Weg zu bringen: The Bard's Tale 2: The Destiny Knight. Fargo kümmert sich dabei ums Szenario-Design und erdenkt zusammen mit Chefdesigner Michael Cranford eine neue, deutlich weitläufigere Spielwelt mit sechs umfangreichen Städten (statt nur einer großen wie in Teil eins) und 25 Verliesen, in denen ein Heldentrupp emsig nach einem in sieben Teile zerbrochenen Schicksalsstab sucht, um Erzmagier Lagoth Zanta die Stirn zu bieten.
Im Vergleich zum Original geht das Entwicklerteam viele Problempunkte gezielt an: Der Einstieg wird vereinfacht, die Zahl der Soundeffekte spürbar gesteigert, ebenso die Vielfalt an Feindtypen - sie wächst auf über 100. Dazu gesellen sich Banken und Casinos, neue Bardenlieder, eine Charakter-Import-Funktion sowie die Möglichkeit, Befehle mit Hilfe vorgefertigter Kommandos einzugeben, statt sie eintippen zu müssen.
Heraus kommt ein deutlich größeres, schöneres Rollenspiel mit sinnvollen Verbesserungen. Und einem Schwierigkeitsgrad, der vor allem Veteranen anspricht. Wohl auch deshalb kann Teil zwei den Vorgänger nicht hinter sich lassen - zumindest im Hinblick auf die Verkäufe. Gute Umsätze generiert das zweite The Bard's Tale aber trotzdem, und so wundert es nicht, dass Interplay auch einem dritten Teil grünes Licht erteilt.
Wusstet ihr schon, dass ... Tass Times in Tonetown (1986) Brian Fargos erstes Adventure war, bei dem er den Spieldirektorposten innehatte? In einem bizarren Abenteuer reist ihr hier in eine alternative Realität, um euren dorthin entführten Großvater zu befreien.
Was viele nicht wissen: Zwischen The-Bard's-Tale-Urgestein Michael Cranford und Brian Fargo gab es damals Unstimmigkeiten. Der seit jeher sehr religiöse Cranford, der sich von seiner Arbeit ausgebrannt fühlte, fasst daraufhin den Entschluss, Interplay zu verlassen, um Theologie und Philosophie zu studieren.
Quelle: Moby Games
The Lost Vikings
Fargo hingegen übernimmt nun den Posten als Spieldirektor und leitet federführend die Entwicklung von The Bard's Tale 3: Thief of Fate, das 1988 zunächst auf Apple II und C64 erscheint und abermals geschickt an die Geschichte des Vorgängers anknüpft - diesmal sogar inklusive spannender Dimensionsreise-Mechanik.
Letztere führt den um zwei neue Klassen (Geomancer, Chronomancer) bereicherten Abenteurertrupp später sogar in eine Welt, die die Party mit bekannten Kriegsschauplätzen wie Berlin, Rom, Troja und Hiroshima konfrontiert.
Speziell hinsichtlich seines Umfangs ist Teil drei ein echtes Brett: 84 Dungeons, über 500 Monsterarten, mehr als 100 Zaubersprüche, viele brandneue Animationen, dazu eine coole Importfunktion für Charaktere aus den Vorgängerspielen, aber auch aus der Ultima- und der Wizardry-Reihe.
Nicht zu vergessen ein Automapping-Feature und eine Schnellspeicher-Funktion. Kurz gesagt: Ein Spiel wie gemacht für Fans - sofern diese genügend Zeit mitbringen, denn der Umfang wirkt teils schon erschlagend.
Neben The Bard's Tale 3 zaubert Brian Fargo im Jahr 1988 für Interplay außerdem noch drei weitere Hits aus dem Hut. Den Anfang macht ein mit sehr viel Liebe zum Detail animiertes und mit einer cleveren KI ausgestattetes Schachspiel namens Battle Chess. Es debütiert auf dem damals technisch potenten Amiga und verkauft sich so gut, dass im Laufe der nächsten Jahre Umsetzungen auf mehr als einem Dutzend Systemen erscheinen. Tipp: Wer hier noch einmal ohne Emulator reinspielen will, schnappt sich via Steam für 9,99 Euro die Enhanced Edition.
