Vom Stick-Drift zum Halleffekt: So wurden wir Jahrelang angelogen

Special Antonia Dreßler
Vom Stick-Drift zum Halleffekt: So wurden wir Jahrelang angelogen
Quelle: Erstellt mit KI (Canvas)

Stick-Drift ist kein neues Phänomen, genauso wenig wie die Lösung durch den Hall-Effekt. Dass die Technologie schon vor Jahren verfügbar war und wie die Konsumenten jahrelang im Dunkeln gelassen wurden, zeigen wir in unserem Report.

Die Lizenzhölle

Mutige Worte von einer Firma, die mit ihrem Geschäftsmodell auf die Lizenzen und damit auf den guten Willen der großen Firmen angewiesen sind. Im Gespräch mit Yannick Allaert, Head of Accessories, und mehreren Designern merkt man, dass es Nacon bis zum Halse steht, wenn es um die Lizenzvergabe geht. Neben der Entwicklung des Controllers dauerte dieser Prozess im Rahmen des Revolution 5 Pro nämlich ganze zwei Jahre:

Zunächst reicht ein Drittanbieter seine groben Ideen bei Sony ein und wenn diese durchgewunken sind, geht es so richtig los. Oder besser gesagt, dann stoppt die Entwicklung erst einmal, denn mit der Zusage schickt Sony auch sämtliche Auflagen mit, was alles nicht in den Controller darf. Das sind - kaum überraschend - genau die Dinge, die die Käufer bei Nacons Eingabegerät schmerzlich vermissen.

Scherzhaft sagte man uns bei Nacon, dass man damit rechne, dass sie bei der nächsten Edition keinen Hall-Effekt mehr benutzen dürften, weil Sony sich den dann auf die Fahne schreiben will. Das klingt zwar im ersten Moment weit hergeholt, allerdings hat der Seitenhieb gegen das japanische Unternehmen eine Vorgeschichte.

Schaut man sich nämlich den Dualsense Edge an, also Sonys eigene Lösung im Edel-Controller-Markt, dann erkennt man an mehreren Stellen ein bestimmtes Muster. Auf dem Touchpad beispielsweise sieht man die Playstation-Zeichen regelmäßig angeordnet: Viereck, Dreieck, Kreis und X.

Der Dualsense Edge Controller mit klassischen Sony-Zeichen auf dem Touchpad Quelle: Sony Interactive Entertainment

Besser gut geklaut...

Dieses Muster ergibt viel Sinn bei einem Sony-Produkt, allerdings sind die hauseigenen Designer da nicht selbst draufgekommen. Original entstand das Muster in Frankreich und befindet sich auf Nacons Revolution 4 Pro, also ihrer Controller-Alternative für die Playstation 4. Nachdem Sony sich das Aussehen abgeschaut und inzwischen selbst verarbeitet hat, wanderte das entsprechende Stil-Element auf die Liste mit den verbotenen Features für Dritthersteller.

Der Revolution 4 Pro Controller mit klassischen Sony-Zeichen auf dem Touchpad Quelle: Nacon Da es sich nicht um ein eingetragenes Markenzeichen handelt oder gar ein geschütztes Werk, ist es völlig unerheblich, dass die Designer bei Nacon die Idee entwickelt und das erste Mal umgesetzt haben. Sony ist als Lizenzgeber der alleinige Herrscher über das, was sie erlauben - oder eben nicht. Als Besitzer der Marke und Konsole ist das recht und billig, immerhin will man sich, sein Produkt und vor allem die Marktmacht schützen.

Sich Konkurrenz ins Haus zu holen, widerspricht dem Prinzip - man sollte sich als User aber eben auch bewusst sein, warum Sony das macht. Es geht hier nicht einfach darum, zu verhindern, dass Spieler billige Drittanbieter-Waren kaufen und dadurch eine schlechte Erfahrung mit der Playstation haben.

Mit ihrer Markenbotschaft "This is for the Players" argumentiert Sony im Rahmen von Exklusiv-Spielen, dass so das beste Spielererlebnis geschaffen wird - doch gerade ihr Verhalten bei der Lizenzvergabe zeigt auf, dass es sich dabei wohl eher um Markengeschwätz handelt und es sehr viel mehr ums Geld geht als um den Spieler.

Am Ende verhindert das japanische Unternehmen sogar, dass die Konkurrenz bessere Produkte auf den Markt bringt und das Spielererlebnis so verbessern könnte. Statt dem Nutzer also die freie Wahl zu lassen, mehr Geld auszugeben, um das Beste für sich herauszuholen, verzerrt Sony so den Markt.

Alarmglocken

Dabei handelt es sich bei Sonys Vorgehen nicht nur um eine moralische Frage, sondern auch rechtlich bekam das Unternehmen schon Konsequenzen zu spüren. Durch die undurchsichtige Vergabe von Lizenzen bei Playstation-4-Controllern und das gleichzeitige grobe Vorgehen gegen alternative Hersteller ab dem Jahr 2015 hat die französische Wettbewerbsbehörde Anfang 2024 eine Strafe verhängt. 13,5 Millionen Dollar dafür, dass Sony seine Marktmacht nutzt, um die Konkurrenz auszustechen.

Denn dass man mit Controllern, die keine Lizenz erhalten, nicht an der Playstation spielen kann, liegt nicht daran, dass die Codierung von Spielen auf der Konsole unglaublich komplex ist, sondern Sony künstliche Hürden einbaut. Deswegen kann man über Umwege nämlich doch auf der Playstation mit alternativer Hardware spielen, wenn man Remote Play nutzt. Eigentlich versucht die entsprechende App zu verhindern, dass man Controller verbindet, die nicht von Sony sind. Über bestimmte Computerprogramme lässt sich die Sperre allerdings umgehen. Greift man auf die Software der Eingabegeräte zu und deklariert sie als Sony-Produkt, stehen die Türen für günstigere Hardware offen.

Eine offizielle Rüge

Wer direkt über die Playstation 4 versucht, Controller von Drittherstellern anzuschließen, die keine Lizenz besitzen, erhält regelmäßig eine Benachrichtigung, dass etwas mit dem Eingabegerät nicht stimme und man sich an Sony selbst wenden solle. Laut der französischen Wettbewerbsbehörde schalteten sich manche Controller beim Spielen auch einfach aus - rufschädigend für die entsprechenden Hersteller, da das Problem nicht von ihrem Produkt, sondern der Konsole selbst ausgeht.

Gleichzeitig war der offizielle Weg über die Lizenzvergabe zu Zeiten der PS4 nicht fair geregelt: Um überhaupt die Chance auf eine Lizenz zu haben, musste man Teil des Playstation Partnerprogramms sein. Nur leider wurde nicht jeder dafür angenommen - ganz ohne Begründung. So seien die Kriterien laut Sony Firmengeheimnis und würden dementsprechend nicht nach Außen kommuniziert.

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