Vom Stick-Drift zum Halleffekt: So wurden wir Jahrelang angelogen

Special Antonia Dreßler
Vom Stick-Drift zum Halleffekt: So wurden wir Jahrelang angelogen
Quelle: Erstellt mit KI (Canvas)

Stick-Drift ist kein neues Phänomen, genauso wenig wie die Lösung durch den Hall-Effekt. Dass die Technologie schon vor Jahren verfügbar war und wie die Konsumenten jahrelang im Dunkeln gelassen wurden, zeigen wir in unserem Report.

Dass es eine Alternative zu Potentiometern gibt, wird immer bekannter und die Technik findet immer öfter ihren Weg in Gaming-Hardware: Der Controller King Kong Two Pro von Killy Kit nutzt seit 2020 das erste Mal den Hall-Effekt und auch offizielle Lizenz-Controller für Playstation und Xbox von Drittherstellern nutzen inzwischen die gefragte Technik.

Die Frage ist allerdings, warum es überhaupt so lange gedauert hat, eine Alternative einzuführen, von der bekannt ist, dass sie den größten Schwachpunkt von Sticks behebt. Immerhin haben die Magnethebel ihren Weg bereits vor 25 Jahren schon einmal in Controller gefunden - bereits 1998 verbaute Sega Analogsticks mit Magnetsensoren in ihre Controller. Ein anderer Weg, als ihn die heutigen Konsolen-Platzhirschen Sony, Microsoft und Nintendo gegangen sind.

Letztere haben sich für Potentiometer entschieden und durch ihre Marktmacht den Ton angeben - die Hall-Effekt-Technologie ist zunächst in Vergessenheit geraten. Zumindest in der breiten Öffentlichkeit. Denn der japanische Hersteller hinter der Playstation hat vor gar nicht allzu langer Zeit ebenfalls in die Magnetkiste gegriffen, ohne dass es jemand mitbekommen hat.

Pandoras Büchse

Der Release der Playstation 3 ging 2006 nur mit einigen Schwierigkeiten über die Bühne. Hauptgrund war eine aktive Klage der Firma Immersion gegen Sony, bei der es um die Vibrationsfunktion der Controller ging. Daher gab es die ersten beiden Jahre der dritten Konsolengeneration statt des Dualshock 3 nur den sogenannten Sixaxis, der auf jegliche Rumble-Funktion verzichtete. Zwischen 2008 und 2013 verkaufte Sony dann das Nachfolgemodell, das auch vibrieren konnte.

In dieser Zeit tauchten einige Controller auf, die mit dem Hall-Effekt funktionierten. Es gibt nur wenige Berichte dazu und die meisten Aussagen berufen sich auf einzelne Blogposts, die diesen Umstand feststellten. Zur Probe haben wir in unserer Redaktion einen alten Dualshock 3 auseinandergenommen und ebenfalls die Magnet-Technologie gefunden.

Platine eines außeinandergebauten Dualshock3-Controllers Quelle: PC Games Im Analogstick dieses Dualshock3-Controllers befinden sich Magnete - er funktioniert mit dem Hall-Effekt. Das betrifft laut einzelner Aussagen im Netz aber wohl nicht alle Controller und anscheinend hat Sony irgendwann still und heimlich wieder Potentiometer für Analogsticks benutzt. Spätestens aber mit dem Dualshock 4 sind Hall-Effekt-Sticks bei der Playstation Geschichte. Woran das genau liegt, kann man nur spekulieren, Sony hält sich nämlich bedeckt, wenn es um ihre Controller geht, gerade was die Preiszusammensetzung betrifft.

Anderswo findet man den Hall-Effekt übrigens schon längst in Controllern, nämlich den Triggern beziehungsweise den Schultertasten. Während die Produkte von Microsoft standardmäßig hier bereits die neue-alte Technik verwenden, hat Sony sich erst mit dem Dualsense Edge zu diesem Schritt durchgerungen, also dem Deluxe-Modell des Playstation-5-Controllers. Vielleicht hat der blaue Konzern also auch einfach generell etwas gegen Magnete oder ihr technischer Leiter reagiert allergisch auf Plus- und Minuspole.

Aller guten Dinge sind Drittanbieter

Um Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir uns an Nacon gewandt, die neben Double-A-Spielen vor allem mit ihrer Hardware groß geworden sind. Mit dem Revolution 5 Pro haben sie einen Controller in petto, der offiziell von Sony lizenziert ist und auf den Hall-Effekt setzt. Für uns stellte sich die Frage, wieso Sony sich gegen ein internes Upgrade wehrt, es aber anderen Herstellern erlaubt, Magnete in ihre Controller einzubauen und an ihrer Hardware zu nutzen.

Laut Valentin Delrue, Lead Designer bei Nacon, steht zwar schon lange der Wunsch im Raum, den Hall-Effekt zu nutzen, allerdings ist die Technik erst jetzt so weit, dass sie den Anforderungen moderner Spiele gerecht wird.

Dabei geht es um die Bitrate, die wir zu Anfang erwähnt haben. Analogsticks haben eine Auflösung, genau wie Bildschirme: je mehr Abtastpunkte, desto präziser die Eingabe. Mindestens 256 dieser Punkte sollten Sticks laut Delrue besitzen - also 8 Bit. Gleichzeitig hat ein Controller aber nur begrenzt Platz im Gehäuse. Bis vor Kurzem war die Entwicklung des Hall-Effekts wohl nicht so weit, dass sie diesen Mindeststandard erfüllt hätte.

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