Hellblade 2, GTA 6 und Co.: Sind wir endlich beim Fotorealismus angelangt?

Special Michael Grünwald
Hellblade 2, GTA 6 und Co.: Sind wir endlich beim Fotorealismus angelangt?
Quelle: Ninja Theory

Mit Hellblade 2 ist eines der schönsten Spiele aller Zeiten erschienen. Kann man mittlerweile tatsächlich von Fotorealismus sprechen?

Strauss Zelnick, der CEO von Take-Two, ließ im Jahr 2020 auf einer Veranstaltung verlauten, er rechne fest damit, dass in zehn Jahren Videospiele absolut realistisch aussehen. Was heutzutage als Live-Action bezeichnet wird, soll schon bald übliche Ingame-Grafik darstellen.

Die kreativen Köpfe in den Entwicklerstudios können mit der aktuellen Technologie laut Zelnick in naher Zukunft Dinge anstellen, die vor ein paar Jahren undenkbar schienen. Nachdem Tim Sweeney mit seinen Aussagen beinahe goldrichtig lag, dürfen wir wohl auch der Einschätzung des Take-Two-CEOs Glauben schenken.

Lucia und Jason aus GTA 6 stürmen bewaffnet einen Laden Quelle: Rockstar Games

Reise um den Globus

Seit dem Launch der neuen Konsolengeneration machen viele Titel wieder einen großen Schritt in Richtung Fotorealismus. Mit dem Microsoft Flight Simulator gibt's für Xbox und PC beispielsweise einen Simulator, in dem die komplette Erde überflogen werden kann.

Per Streaming sind die meisten Bauwerke und Landschaften auf unserem Planeten integriert und sehen aus der Luft wie die realen Vorbilder aus. Erst bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass dabei ein wenig geschummelt wird. Dennoch ist der Flight Simulator grafisch absolut beeindruckend und zeigt, wo die Reise noch hingehen kann.

Ähnlich sieht die Sache beim Sony-Rennspiel Gran Turismo 7 aus. Nicht nur das Gameplay überzeugt, sondern auch optisch macht der Titel von Polyphony Digital einiges her. Das Zusammenspiel der überaus detaillierten Fahrzeuge und der atemberaubenden Umgebungen sorgt dafür, dass GT7 auch zwei Jahre nach Release als eines der schönsten Spiele überhaupt gilt.

In Rennwiederholungen und im Fotomodus lässt sich beinahe kein Unterschied zu den echten Autos feststellen und auch die Aufnahmen der Entwickler an den originalen Strecken zeigen im finalen Produkt ihre Wirkung.

Spieler verfolgt Fahrzeuge aus der Cockpit-Ansicht Quelle: Sony

Cineastisches Meisterwerk

Zu guter Letzt bringt uns das zum aktuellen Hit Senua's Saga: Hellblade 2. Audiovisuell ist Ninja Theory mit dem Adventure ein absolutes Meisterwerk gelungen. Mimik und Gestik von Protagonistin Senua suchen ihresgleichen und auch die Insellandschaften auf Island zählen ab sofort zu den Highlights der Videospielegeschichte.

Besonders sticht die umwerfende Beleuchtung mit natürlicher Lichtstimmung hervor. Wie schon erwähnt, erreichen manche Spiele in Teilen bereits Fotorealismus, doch das Gesamtpaket schafft das noch nicht. Hellblade 2 reiht sich in diese Reihe ein, schließlich kann das Zusammenspiel von Charakteren und Umgebungen das Videospiele-Dasein nicht leugnen.

Dass die Spieleindustrie jedoch kurz vor dem Durchbruch steht, zeigen Projekte wie der First-Person-Shooter Unrecord. Noch ist das Spiel zwar in Entwicklung, doch erste Trailer-Ausschnitte lassen nicht wirklich erkennen, ob es sich um reale oder virtuell inszenierte Szenen handelt.

Als Polizist sollen Spieler Verbrecher dingfest machen. Das Gameplay wirkt dabei wie ein echter Polizeieinsatz. Durch verpixelte Gesichter erinnert der Look nicht nur an echte Bodycam-Aufnahmen, sondern erspart den Entwicklern auch die Arbeit an einer besonders ausgefeilten Mimik. Das erleichtert zusätzlich, die fotorealistische Optik aufrecht zu erhalten.

Spieler zielt mit einer Pistole auf einen Gegner und befragt ihn Quelle: DRAMA Doch es steht noch nicht fest, wie umfangreich Unrecord überhaupt ist und was uns genau erwartet. Vielleicht erscheint das Spiel auch nie und war nur ein riesengroßer Grafikblender - in der heutigen Zeit leider auch nicht komplett ausgeschlossen.

Dennoch steuern wir unaufhaltsam auf einen neuen Realismusgrad in Videospielen zu. Fotorealismus wird kommen! Es bleibt jedoch die Frage zurück, ob die Mehrheit der Spieler das überhaupt möchte. Schon jetzt gibt's leise Kritik an Live-Action-Szenen wie in Alan Wake 2 oder der Art und Weise wie Hideo Kojima mittlerweile das Medium Videospiele sieht.

Mit dem Fotorealismus verschmelzen schließlich auch die Grenzen zwischen Spielen und Filmen immer mehr. Es gibt also nicht nur Vorteile, die uns durch noch mehr Realismus erwarten. Aufhalten lässt sich die Entwicklung aber nicht. Wir sind uns allerdings auch sicher, dass uns Spiele von Indie-Studios und Unternehmen wie Nintendo mit einer anderen Herangehensweise erhalten bleiben. Wir blicken der Zukunft also ganz entspannt entgegen.

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