Hellblade 2, GTA 6 und Co.: Sind wir endlich beim Fotorealismus angelangt?
Special
Mit Hellblade 2 ist eines der schönsten Spiele aller Zeiten erschienen. Kann man mittlerweile tatsächlich von Fotorealismus sprechen?
Zwischen den Abschnitten zeigen sich die vier spielbaren Figuren in einer Nahaufnahme. Per Knopfdruck lässt sich hierbei die Blickrichtung beeinflussen. Das hatte im Jahr 2010 beinahe die Beschreibung Fotorealismus verdient. Erst auf den zweiten Blick erkennen wir einige Videospiel-typische Feinheiten wie den recht klassischen leeren Gesichtsausdruck.
Unreal-Power
Genau in diesem Zeitraum äußerte sich auch Tim Sweeney zu der bereits laufenden Debatte. Der Mitbegründer von Epic Games ließ 2009 in einem Interview mit der Gaming-Webseite Gamasutra verlauten: Fotorealistische Grafiken in Videospielen wären nicht mehr allzu weit entfernt - er sprach dabei exakt von 10 bis 15 Jahren in der Zukunft.
Quelle: Remedy Entertainment
Blicken wir auf die aktuellen Titel, können wir festhalten, Sweeney lag mit seinem Zeitrahmen definitiv nicht komplett daneben. Im gleichen Atemzug nannte er auch die Probleme des unrealistischen, nicht menschlichen Verhaltens in Videospielen.
Der Mitentwickler der populären Unreal Engine sagte daher voraus, es würde deutlich länger brauchen, um Charakteren Leben einzuhauchen, als fotorealistische Landschaften zu gestalten. Auch in diesem Punkt scheint Sweeney Recht zu behalten.
Mit der Tech-Demo Matrix Awakens zeigten die Entwickler der Unreal Engine 5, wie die Zukunft des Gamings in den nächsten Jahren aussehen könnte. Nicht nur die virtuellen Ebenbilder von Keanu Reeves und Carrie-Anne Moss sahen den realen Schauspielern zum Verwechseln ähnlich, sondern auch die brachiale Action während einer Verfolgungsjagd war von einem Film kaum zu unterscheiden.
Die spielbaren Abschnitte hielten sich zwar in Grenzen, doch allein der Ausblick auf solch eine Spielerfahrung machte Lust auf mehr. Explosionen, realistische Physik bei Unfällen und ein Effektfeuerwerk ließen die Szenen in der Demo noch spektakulärer wirken. Einem Action-Adventure wie Uncharted stünde eine derartige Optik gut zu Gesicht.
Quelle: Warner Bros / Epic Games
Immer größer, immer weiter
Zwischen den Jahren 2010 und 2020 wurden Videospiele deutlich umfangreicher. Zwar verbesserte sich die Grafik nach wie vor permanent, doch im Mittelpunkt standen gewaltige offene Welten und das lebendige Verhalten von NPCs.
GTA 5, The Last of Us, die Assassin's-Creed-Reihe und Red Dead Redemption 2 sind allesamt wunderschöne Titel, die aber mehr durch ihre Charaktere, die Story oder bestimmte Features in die Schlagzeilen gerieten.
Das bedeutet nicht, dass dadurch die Fotorealismus-Diskussion abebbte, aber das Medium Videospiele überzeugte in diesem Zeitraum stattdessen mit einer außergewöhnlichen Inszenierung, die zuvor noch nicht umsetzbar war.
Auch der Grafiksprung zwischen den verschiedenen Konsolengenerationen wirkte nicht so groß wie noch in den 2000ern. Bei vielen Multiplattformtiteln ist die Entwicklung auf Playstation und Xbox allerdings mitentscheidend für die PC-Umsetzung. Hin und wieder bremsen die leistungsschwächeren Konsolen daher den Optik-Fortschritt eines Titels auf einem High-End-Rechner aus.
Der Countdown läuft
Mit der aktuellen Generation sieht das wieder anders aus. Selbst Grafikbomben wie Alan Wake 2 oder Hellblade 2 laufen auf der PS5 und der Xbox Series einwandfrei. Nur die Framerate macht bislang noch einen großen Unterschied aus. Für das Bestreben Fotorealismus spielt das jedoch keine große Rolle.
Wir dürfen dabei auch nicht vergessen, dass die Grafiksprünge aufgrund der fortgeschrittenen Technik nicht mehr so gewaltig ausfallen können wie noch vor einigen Jahren. Viel Luft nach oben bleibt schließlich nicht mehr. Andere Features wie Speichererweiterung bei Konsolen und Framerate stehen bei der Entwicklung mittlerweile deutlich mehr im Fokus.
