Returnal im Test: Edle Roguelike-Action von den Resogun-Machern

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Returnal im Test: Edle Roguelike-Action von den Resogun-Machern
Quelle: Sony 

Housemarque ist zurück: Die Action-Experten (Resogun) liefern ihren ersten großen Exklusivtitel für PS5 ab. Im Test überzeugt: Returnal als knackig-gutes Actionspektakel, das zwar einem klassischen Roguelike-Ansatz folgt, nebenbei aber auch eine tiefgründige, kryptische Handlung erzählt. Das Spiel glänzt mit dichter Atmosphäre, toller Action und ein paar schicken Grafiktricks, leistet sich aber auch ein paar vermeidbare Schwächen. Welche das sind, klären wir im Test.

Diese freigeschalteten Eigenschaften bleiben auch nach dem Tod erhalten. Die einzige Waffe, die sich so nicht verbessern lässt, ist das unverzichtbare Schwert. Damit könnt ihr gegnerische Schutzschilde zerdeppern und größere Gegner ins Taumeln bringen, kleine Feinde halten sogar oft nur einen Treffer aus. Die Klinge ist also verdammt mächtig, lässt sich aber leider nicht wie die Schusswaffen modifizieren - und das fühlt sich wie ein Versäumnis an. Warum kann man die einzige Nahkampfwaffe im Spiel nicht auch mal zu einem Alien-Speer oder einer Art Energiepeitsche umbasteln, warum gibt es hier keine coolen Bonuseffekte oder Kombos? Hier verschenken die Entwickler überraschend viel Potenzial.

Das Schwert ist sehr mächtig, aber leider nicht modifizierbar. Quelle: PC Games Das Schwert ist sehr mächtig, aber leider nicht modifizierbar.

Mobil dank Upgrades

Batman lässt grüßen: Mit dem Greifhaken erreicht Selene entfernte Ebenen. Quelle: PC Games Batman lässt grüßen: Mit dem Greifhaken erreicht Selene entfernte Ebenen.

Neben den Kämpfen kommt auch die Erkundung nicht zu kurz. Man verbringt viel Zeit damit, die Levels zu erforschen, Hinweise zu sammeln und Beute einzusacken. Besonders wichtig sind die Verbesserungen für Selenes Anzug, mit denen sie dann neue Levelbereiche erkunden kann. Beispielsweise lernt sie schon früh, Teleporter zu nutzen, mit denen sie dann schnell von A nach B kommt und die auch als praktisches Schnellreisesystem dienen. Das ist auch deshalb so wichtig, weil es sich oft lohnt, nochmal in alte Räume zurückzukehren und eventuell übrig gebliebene Items zu holen.

Am wichtigsten ist aber der Greifhaken, mit dem sich Selene ähnlich wie in Batman: Arkham Asylum an Ankerpunkten hochziehen kann. Damit erreicht sie lässig weit entfernte Plattformen, um beispielsweise versteckte Upgrades einzusammeln. Obendrein ist das Gerät auch in vielen Kämpfen sehr praktisch, weil Selene damit blitzschnell die Position wechseln und sich aus der Gefahrenzone bringen kann - das verbessert eure Überlebenschancen deutlich.
Große Gegner haben Schwachstellen. Bei diesem Kampfroboter sollten wir den Kopf angreifen. Quelle: PC Games Große Gegner haben Schwachstellen. Bei diesem Kampfroboter sollten wir den Kopf angreifen.

Beute mit Risiko

In praktisch jedem Raum findet Selene verschlossene Schatzkisten, nützlichen Äther (eine seltene Alien-Ressource) oder wertvolle Harze, die den Lebensbalken erweitern. Beim Sammeln ist allerdings auch Vorsicht geboten, denn manche Harze oder Kisten sind verseucht und verpassen euch schädliche Effekte. Wer Pech hat, kassiert dann beispielsweise jedes Mal Schaden, wenn man einen Gegenstand aufhebt - ganz schön nervgi! Um diese Nachteile zu entfernen, müsst ihr dann kurze Aufgaben lösen, beispielsweise mehrere Gegner mit dem Schwert besiegen, einen Gegenstand herstellen oder eine bestimmte Menge an Ressourcen aufsammeln. Man ist dadurch ständig damit beschäftigt, Risiko und Nutzen gegeneinander abzuwägen.
Nutzen vs Risiko: Manche Beutestücke bringen heftige Nachteile. Quelle: PC Games Nutzen vs Risiko: Manche Beutestücke bringen heftige Nachteile. Typisch für Roguelikes sind auch die vielen Artefakte, die ihr regelmäßig erbeutet. Die verleihen Selene mächtige Bonuseigenschaften wie mehr Kampfkraft, zusätzliche Heilung, Extraleben und vieles mehr. Zusätzlich gibt es noch Parasiten, die Selene zwar einen dauerhaften Bonus verpassen, aber auch mit einem spürbaren Nachteil einhergehen - hier muss man überlegt vorgehen und wirklich nur die Parasiten mitnehmen, die zum eigenen Spielstil passen. Außerdem sammelt Selene von besiegten Gegnern eine Art Alien-Währung ein. Damit kann sie dann an speziellen Handwerksstationen ihre Statuswerte steigern oder neue Artefakte und Verbrauchsgegenstände basteln.

Der viele Sammelkram und die passiven Effekte sorgen zwar für Abwechslung, aber so richtig abgefahrene Synergien wie beispielsweise in Binding of Isaac oder so markante Upgrades wie die Götterkräfte in Hades gibt es leider nicht. Dadurch lassen sich in Returnal schlichtweg nicht so vielfältige und mächtige Builds bauen, wie man es vielleicht von anderen Roguelikes kennt und erwartet. Auch hier lassen die Entwickler einiges an Möglichkeiten ungenutzt - und das wirkt sich natürlich auch auf die Langzeitmotivation aus.

Speichern? Geht nicht!

Im Rekonstruktor könnt ihr euch einmal pro Level einen Checkpoint anlegen. Quelle: PC Games Im Rekonstruktor könnt ihr euch einmal pro Level einen Checkpoint anlegen. Überhaupt ließe sich aus der Roguelike-Formel noch mehr rausholen. Das fängt schon beim Levelgenerator an: Die Zufallsräume wiederholen sich einfach zu schnell. Bei jedem Run entdeckt man zwar auch ein paar neue Umgebungen, doch meistens marschiert man eben doch durch viele Abschnitte, die man schon in- und auswendig kennt. Selbst Gegner, Fallen und Schatzkisten befinden sich oft an den gleichen Stellen und werden nur leicht varriert. Nach einer Weile stellt sich dadurch ein Déjà-vu-Effekt ein, der sich bei Roguelikes zwar nie ganz vermeiden lässt, in Returnal aber deutlicher ausfällt als bei manchen Konkurrenztiteln.

Der zweite Kritikpunkt betrifft das Speichersystem. Es gibt nur einen einzigen Spielstand und man kann auch keine unterschiedlichen Profile im Spiel anlegen. Noch nerviger ist aber, dass euer Fortschritt während eines Runs nie gespeichert wird. Das heißt: Wenn ihr das Spiel mal unterbrechen wollt, habt ihr im Grunde nur die Möglichkeit, die PS5 in den Ruhemodus zu versetzen. Das klappt aber auch nur, so lange ihr danach kein anderes Spiel startet oder wenn die Konsole vielleicht ein Systemupdate installiert - denn dann müsst ihr euren Run wieder ganz von vorn beginnen. Es gibt zwar in jedem Level die Möglichkeit, auch eine Art Checkpoint an einer besonderen Alien-Maschine anzulegen, doch das kostet euch eine ganze Menge Äther. Alles in allem ist das Speichersystem also nicht gut gelöst, besonders wenn sich mehrere Leute im Haushalt die Konsole teilen wollen.

Gänsehaut dank Astronaut

Die gruseligen Haus-Sequenzen zählen zu den erzählerischen Höhepunkten. Quelle: PC Games Die gruseligen Haus-Sequenzen zählen zu den erzählerischen Höhepunkten. Trotz solcher Kritikpunkte motiviert uns das Spiel immer wieder zu einem neuen Durchgang. Das liegt auch an der finsteren Story, die sich anfangs noch um den Alienplaneten dreht, dann aber schnell persönlicher und tiefgründiger wird. Selenes Ängste und Erinnerungen drängen immer wieder in den Vordergrund, verschmelzen mit der Spielwelt und führen uns dabei gründlich an der Nase herum. Das gipfelt sogar in mehreren Szenen, in denen man eben noch durch einen Alien-Sumpf watet und urplötzlich ein altes Haus von der Erde entdeckt, das dort eigentlich gar nix verloren hat. Sechs Mal darf man dieses Haus betreten, diese besonderen Sequenzen im P.T.-Stil werden dann komplett aus der Ego-Perspektive gespielt. So darf man durch das gruselige Haus spazieren, vieldeutige Botschaften entdecken und Bekanntschaft mit dem wohl unheimlichsten Astronauten der Spielegeschichte machen: Der gesichtslose Raumfahrer.zieht sich wie ein roter Faden durch Selenes Angstfantasien, eine zutiefst beunruhigende Erscheinung, bei der es uns mehr als einmal kalt den Rücken runterlief. Housemarque gelingt es hier, mit wenigen Mitteln eine dichte Atmosphäre aufzubauen, die auch von Selenes deutscher Sprecherin getragen wird, die mit Herzblut bei der Sache ist. Bravo!

Bildergalerie

Mit seinen kryptischen Hinweisen, verstörenden Audiologs und einer vieldeutigen Symbolik ist der Plot zwar alles andere als leicht verdaulich, lädt aber zum fröhlichen Miträtseln ein: Die Frage, worum es in Returnal überhaupt geht, macht einen großen Reiz des Spiels aus. Einmal durchspielen reicht dafür keinesfalls aus! Den letzten Level hat man mit etwas Glück zwar schon früh geknackt, doch selbst nach dem Abspann warten noch viele Story-Schnipsel auf ihre Entdeckung, während ihr die Schauplätze ein weiteres Mal nach sechs besonderen Schlüsselteilen absucht. (Die braucht ihr, um auch die letzte Haus-Sequenz freizuschalten.) Wer wirklich alles erfahren will, muss aber nicht nur Geduld mitbringen, sondern auch die Bereitschaft, sich manche Antworten schlichtweg selbst zusammenzureimen. Und das muss natürlich nicht jedem gefallen.

Roguelike im Next-Gen-Gewand

Technisch kann sich Returnal absolut sehen lassen, die Grafik glänzt mit stimmungsvollen Kulissen, fantastisch animierten Monstern und schönen Licht- und Nebeleffekten. Die Gestaltung ist zweifellos schick, allerdings wäre vieles davon wahrscheinlich auch noch auf der alten PS4 möglich gewesen. Einzige Ausnahme: Die netten Raytracing-Effekte, durch die sich beispielsweise Energiestrahlen in Oberflächen spiegeln. Doch das eigentliche Highlight des Next-Gen-Titels sind seine beeindruckenden Partikeleffekte. In den Levels stehen beispielsweise viele Säulen und Statuen herum, die bei Beschuss physikalsich korrekt in ihre Einzelteile zerbersten. Betritt Selene einen Teleporter, löst sich ihr Körper in einen Wirbel kleiner Kugeln auf. Und manche Feinde bleiben als ein Haufen kleiner grauer Würfel zurück - ein visuell beeindruckender Seitenhieb auf Housemarques frühere Spiele. Tipp: Wer mal ein Alien-Museum betritt, sollte sich unbedingt die blau leuchtenden Figuren genauer ansehen, die aus unzähligen Partikeln bestehen. Feuert man hier mit einer Waffe hinein, wirbeln die glühenden Teilchen glaubwürdig durch die Gegend - ein beeindruckender Effekt.
Viele der toll designten Gegner haben mehrere Angriffsmuster drauf und gehen aggressiv vor. Quelle: PC Games Viele der toll designten Gegner haben mehrere Angriffsmuster drauf und gehen aggressiv vor. Umso wichtiger, dass Returnal trotz allem mit flüssigen 60 fps läuft, ein Wert, der in unserem Test auch fast durchgängig gehalten wird - selbst in 4K-Auflösung. Sehr positiv fallen außerdem die Ladezeiten aus, die sind nämlich so kurz, dass man sie kaum noch bemerkt. Selbst wenn Selene durch ein Portal in den nächsten Level marschiert, ist die neue Umgebung praktisch sofort geladen. Das sorgt für ein Next-Gen-Feeling, von dem die alten Konsolen nur träumen können.

Punktejagd statt Multiplayer

Einen Koop-Modus oder klassischen Multiplayer gibt es in Returnal dagegen nicht. Ihr findet nur hin und wieder Leichen von anderen Spielern in der Welt. Die Gefallenen könnt ihr dann rächen, wenn ihr wollt, dadurch spawnt ein gefährlicher Elite-Gegner, der bei seinem Ableben eine Ladung Beute abwirft. Oder die Leiche steht einfach mal selbst auf und geht zum Angriff über. Ein netter Gruseleffekt, spielerisch aber eher unbedeutend, da sich der Selene-Zombie schnell niederballern lässt.

Der Herausforderungsmodus eignet sich gut für eine Runde zwischendurch. Quelle: PC Games Der Herausforderungsmodus eignet sich gut für eine Runde zwischendurch. Zusätzlich gibt's noch einen Herausforderungsmodus, in dem Housemarque auf alte Arcade-Tugenden setzt: Hier geht es ausschließlich darum, in einem vorgegebenen Szenario die höchste Punktzahl zu erzielen. Punkte gibt's für besiegte Gegner, gesammelte Beute, entdeckte Geheimnisse und so weiter. Zeit spielt keine Rolle, allerdings müsst ihr mit einer festgelegten Waffe sowie speziellen Vor- und Nachteilen klarkommen. Das spielt sich kurzweilig und taugt im Gegensatz zum Hauptspiel auch mal für eine kleine Runde zwischendurch. Als Belohnung winken dann ein paar Bonusressourcen, außerdem könnt ihre eure Punktzahl in einer Online-Rangliste vergleichen.

Hoher Preis

Der Sprung ins AAA-Fach ist Housemarque also definitiv geglückt: Die Third-Person-Action spielt sich hervorragend, die Steuerung flutscht und die Suche nach neuen Artefakten macht einfach Spaß. An der bruchstückhaften Story dürften sich die Geister scheiden, manchen dürfte das Erlebte zu kryptisch und verkopft sein, andere werden es genau dafür lieben - Returnal ist eben alles andere als gewöhnlich. Als typisches Roguelike könnte Returnal zwar noch ein paar Schippen Abwechslung drauflegen, doch unterm Strich ist das trotzdem noch ein überaus guter Vertreter, der weit oben im Genre mitmischen kann.

Doch ist das Spiel auch wirklich 80 Euro wert? Letztendlich müssen das die Käufer entscheiden, doch für unseren Geschmack hat Sony hier einfach zu hoch gegriffen: Returnal bietet zwar ordentlichen Wiederspielwert und man wird ohne Weiteres für 30 bis 40 Stunden gut unterhalten, doch da hatten zig günstigere Spiele schon deutlich mehr zu bieten. Schon allein deshalb würden wir es begrüßen, wenn Housemarque in Zukunft noch ein paar kostenlose Updates springen lässt, die das Speichersystem verbessern und den Inhalt erweitern. Als Roguelike bietet sich Returnal dafür schließlich geradezu an.

Returnal ist ab dem 30. April 2021 exklusiv für Playstation 5 erhältlich. In Kürze haben wir auch praktische Einsteigertipps für euch. Habt ihr noch weitere Fragen zum Spiel? Dann ab damit in den Kommentarbereich!

Meinungen

Wertung zu Returnal (PS5)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Griffige Third-Person-ActionStimmungsvolle SchauplätzeGelungenes Roguelike-KonzeptTolle Bullet-Hell-EinlagenDüstere, verheißungsvolle Story, die man sich erarbeiten mussGruselige Haus-SequenzenSchick inszenierte BosskämpfeTolle PartikeleffekteStimmungsvolle SoundkulisseHerausforderungsmodus
Nerviges SpeichersystemLevelbausteine wiederholen sich schnellGelegentliche Frustgefahr, besonders in späteren LevelsKaum coole Synergieeffekte zwischen ArtefaktenKonzept nutzt sich bereits nach dem ersten Durchspielen abWenig dauerhafte VerbesserungsmöglichkeitenStory teilweise arg kryptischSehr hoher Kaufpreis (80 Euro)
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