Returnal im Test: Das Action-Highlight exklusiv für PS5 - Ist es die 80 Euro wert?
Test 53,99 €
Housemarque ist zurück: Die Action-Experten (Resogun) präsentieren ihren ersten großen Exklusivtitel für die PS5. Im Test liefert Returnal ein knackig-gutes Actionspektakel, das zwar einem klassischen Roguelike-Ansatz folgt, nebenbei aber auch eine tiefgründige, kryptische Handlung erzählt. Das Spiel glänzt mit dichter Atmosphäre, tollen Kämpfen und schicken Grafiktricks, leistet sich aber auch ein paar vermeidbare Schwächen. Welche das sind, klären wir im Test mit Video.
Arcade-Games sind tot. Das klingt vielleicht wie eine leere Behauptung, doch wenn die von einem Studio wie Housemarque kommt, will das schon was heißen. Schließlich ist das finnische Team mit Effektorgien wie Resogun oder Nex Machina groß geworden! Weil sich solche Spiele aber finanziell einfach nicht mehr für den Entwickler lohnen, hat Housemarque vor vier Jahren ganz offiziell einen Kurswechsel angekündigt: Man will sich nun vor allem auf große AAA-Produktionen konzentrieren. Eine deutliche Ansage, der nun Taten folgen: Housemarques erstes Großprojekt ist das mit Spannung erwartete Returnal. Der PS5-Exklusivtitel entpuppt sich im Test als hochwertiger Action-Ritt, der eine finstere Sci-Fi-Geschichte mit effektgeladenen Third-Person-Kämpfen, irren Bullet-Hell-Einlagen und robusten Rougelike-Mechaniken verzahnt. Das Ergebnis: Ein atmosphärisches, oft fesselndes Actionhighlight, auf das man sich aber einlassen muss - denn Returnal leistet sich auch ein paar vermeidbare Schwächen, die auf die Wertung drücken.
Returnal (jetzt kaufen 51,54 € / 53,99 € ) pfeift auf Erklärungen, es gibt nicht mal einen richtigen Startbildschirm. Stattdessen legt das Abenteuer direkt los: Kaum hat man das Spiel gestartet, erlebt ihr schon, wie die Astronautin Selene auf dem fernen Planeten Atropos eine Bruchlandung hinlegt. Wer ist diese Frau, wonach sucht sie - und warum ist sie mutterseelenallein auf dieser feindseligen Welt unterwegs? Housemarque wirft hier bewusst eine Frage nach der nächsten auf, die Antworten muss man sich erarbeiten: Returnal liefert seine Story nur in winzigen Häppchen, die sich erst nach und nach wie ein düsteres Puzzle zusammensetzen.
In diesem Artikel
Und täglich grüßt das Alien dir
Atropos entpuppt sich buchstäblich als Todesfalle. Während Selene durch überwucherte Ruinen stapft, entdeckt sie uralte Maschinen und mysteriöse Artefakte, dazwischen die zahllosen Überreste einer Alien-Zivilisation, die Selene "die Empfindungsfähigen" nennt. Noch erschreckender: Selene stößt auch auf eine menschliche Leiche - ihre eigene. Noch ehe sie sich darüber den Kopf zerbrechen kann (Panik wäre wohl die bessere Reaktion), macht sie Bekanntschaft mit einer bissigen Spezies, die wie eine Mischung aus Hund und Krake daherkommt. Nach ein paar Minuten kommt es, wie es kommen muss: Selene stirbt. Und das ist auch völlig in Ordnung, denn in Returnal seid ihr in einer Art Zeitschlafe gefangen, hier steht jeder Tod für einen Neubeginn: Selene erwacht dann wieder an der Absturzstelle und macht sich einfach nochmal auf die Socken, zwar mit all ihren Erinnerungen, aber ohne ihre gesammelte Ausrüstung. Der Großteil unserer Beute geht nämlich bei jedem Tod verloren, womit auch schon klar sein dürfte, in was für eine Kerbe Returnal schlägt: Housemarques neues Werk ist kein Metroidvania und auch kein einfacher Action-Plattformer, sondern ein waschechtes Roguelike.
Quelle: PC Games
Der Blitzwerfer grillt mehrere Feinde aus der Nähe gleichzeitig.
Erkunden nach dem Zufallsprinzip
Genretypisch wird die Spielwelt bei jedem neuen Anlauf aus vorgefertigten Räumen neu zusammengestellt, auch Gegner und Beute verteilt das Spiel nach dem Zufallsprinzip. Returnal besteht insgesamt aus sechs Levels, von denen man pro Anlauf immer nur zwei bis drei am Stück spielt, spätestens dann ist der Zyklus vorbei. Weil die Schauplätze aber sehr umfangreich ausfallen, kann ein erfolgreicher Run ganz schön viel Zeit in Anspruch nehmen. Wer viel erkunden und sammeln will, darf locker zwei Stunden pro Durchgang einplanen.
Quelle: PC Games
So geht Next Gen: Returnal kommt nahezu ohne Ladezeiten aus.
Alle sechs Schauplätze bestehen im Grunde aus Ruinen, die in verschiedene Settings eingebettet wurden. Mal ist man in einer stadtähnlichen Zitadelle unterwegs, mal in einem überwucherten Sumpf, zwischendurch geht's auch mal in eine malerische Wüste. Die Levels sind teilweise wunderschön gestaltet, aber im Grunde auch völlig leer: Abgesehen von Gegnern und tödlichen Fallen begegnet man keiner Seele, Dialoge gibt es nicht und auch auf Nebenaufgaben haben die Entwickler verzichtet. Immerhin findet Selene aber regelmäßig Glyphen und Aufzeichnungen der alten Alien-Zivilisation, außerdem stößt sie immer wieder auf weitere Leichen von sich selbst, bei denen sie verstörende Audionachrichten findet. Zusammen mit den überaus gelungenen Soundeffekten und der stimmungsvollen Optik kommt hier schnell eine dichte, bedrückende Atmosphäre auf, die sich durch das komplette Spiel zieht.
Housemarque übertrifft sich selbst
Flüssige, präzise 2D-Action war jahrelang das Brot-und-Butter-Geschäft der Entwickler. Für Returnal inszenieren die Finnen erstmals ein Spektakel in der Third-Person-Ansicht, ein Experiment, das ihnen definitiv geglückt ist: Schon nach wenigen Sekunden scheucht man Selene wunderbar geschmeidig durch die Levels, egal ob rennen, springen, ausweichen oder ballern, die griffige Action geht prima von der Hand. Eine intelligente Kamera sorgt außerdem dafür, dass man die Action auch in engeren Levenabschnitten möglichst gut im Blick behält. Housemarque versteht sein Handwerk!
Als PS5-Exklusivtitel macht Returnal auch von dem Dualsense-Controller ausgiebigen Gebrauch, da spürt man jeden Treffer, jeden Sprung, jeden Sturz in die Tiefe. Selbst Regentropfen lassen das Gamepad leicht in der Hand vibrieren. Ungewohnt: Mit den linken Trigger kann man nicht nur zoomen, sondern auch einen sekundären Feuermodus einsetzen, indem man die Taste noch weiter herunterdrückt. In der Theorie ein cooler Effekt, in der Praxis aber reichlich unpraktisch, weil er zu Fehleingaben verleitet. Zum Glück kann man sich die Tastenbelegung im Optionsmenü ändern.
Quelle: PC Games
Die Gegner sind toll animiert und setzen Selene mächtig unter Druck.
Ein Highlight ist auch das stimmungsvolle Gegnerdesign: Ihr bekommt es neben verschiedensten Tentakelviechern auch mit mordsgefährlichen Drohnen, Robotern, Geschütztürmen, fliegenden Sumpfmonstern, mutierten Giftwerfern, Riesenkraken und vielem mehr zu tun. Die Feinde sehen aber nicht nur klasse aus, sie stellen auch von Anfang an eine echte Bedrohung dar: Viele Gegner haben mehrere Angriffsmuster, sind schön beweglich und setzen Selene mächtig unter Druck. Ihr müsst springen, flüchten, Deckung suchen und vor allem blitzschnell per Dash ausweichen. Wer stehen bleibt, kann einpacken. Ein schönes Detail: Erfolgreiche Kills steigern Selenes Adrenalinlevel, dadurch erhält sie nützliche Buffs, die sie aber auch mit jedem kassierten Treffer wieder verliert. Das sorgt für jede Menge Stress, nur eben auf die gute Art.
Knifflig, aber meistens fair
Es gibt nur einen Schwierigkeitsgrad, der ist zwar hoch angesetzt, aber meistens auch fair: Im Test haben wir beispielsweise jeden Boss im ersten Anlauf gepackt, den Abspann sahen wir zum ersten Mal nach 15 bis 20 Stunden. Gelegentlich spawnen die Gegner allerdings etwas zu nah an unserer Heldin, das sind dann Momente, in denen das Balancing auch mal ins Wanken gerät. Am schwierigsten haben wir einen Raum im sechsten Level empfunden, in dem mehrere Elite-Gegnern auf einmal spawnen - dort mussten wir gleich mehrere Male die Segel streichen. Die Überlebenschance hängt aber natürlich auch von der gesammelten Ausrüstung ab: Wie in jedem Roguelike kann man einfach Pech haben, etwa bei der Gegnerauswahl, dem Levelaufbau oder der Zufallsbeute - ein bisschen Frustresistenz sollte man also mitbringen. Da man auch keine dauerhaften Statusverbesserungen wie in Hades oder Rogue Legacy freischaltet, geht Returnal streng genommen auch nicht als Roguelite durch. Wer aber vorsichtig vorgeht und das Ausweichen perfektioniert, sollte die meiste Zeit über gut klarkommen. Vom Anspruch eines Dark Souls ist Returnal nämlich meilenweit entfernt.
Fantastischer Kugelhagel
Housemarques unverkennbare Handschrift blitzt in den Kämpfen immer wieder durch: Sobald euch die Feinde wunderschöne Muster aus tödlichen Energiewellen und glühenden Kugeln entgegenschleudern, sind schnelle Reaktionen gefragt. Wer Bullet-Hell-Spiele mag und sich auch noch im größten Kugelhagel wohl fühlt, dürfte Returnal schnell ins Herz schließen. Das gilt besonders für die schick inszenierten Bosskämpfe, die in (fast) jedem Level am Ende warten: Hier fliegen euch wahnwitzige Mengen an Geschossen entgegen, eine Flutwelle aus grellen Farben und Formen, die sich spektakulär über euch ergießt. Ironischerweise fallen aber ausgerechnet einige der spektakulärsten Bosse im Spiel auch erstaunlich einfach aus, wenn man den Trick raus hat. Auch deshalb hätten wir uns etwas mehr Abwechslung bei den Bossen gewünscht, doch immerhin: Die meisten dicken Brocken kann man bei späteren Runs einfach umgehen.
Quelle: PC Games
Besonders in den effektgeladenen Bosskämpfen blitzen die Arcade-Wurzeln von Housemarque immer wieder durch.
Was der Waffenschrank hergibt
Quelle: PC Games
Die zehn Waffen können mehrere Bonuseigenschaften haben, die ihre Wirkung zum Teil stark verändern.
Selene sammelt im Laufe der Zeit zehn verschiedene Waffen, darunter Pistole, Shotgun, Maschinengewehr, Granatwerfer und so weiter. Das Angebot wirkt auf den ersten Blick etwas gewöhnlich. Immerhin gibt es aber auch ein paar abgefahrene Knarren wie zum Beispiel den Elektropylon-Treiber, mit dem man Pfeile in die Umgebung verschießt, aus denen sich dann ein tödliches Energienetz aufspannt. Das ist nicht immer praktisch, sieht aber zumindest klasse aus. Jede Waffe hat außerdem eine zufällige Spezialattacke, die sich erst aufladen muss, aber dann ordentlich reinhaut. Da gibt es zum Beispiel Tretminen, zielsuchende Geschosse, eine Elektroschleuder oder eine Energiekugel, die Feinde in der Nähe mit Blitzen grillt. (Die BFG-9000 lässt schön grüßen.)
Das Besondere am Waffensystem sind aber nicht die Knarren selbst, sondern ihre Bonuseigenschaften, die man nach und nach freischaltet. Bis zu vier passive Effekte kann eine Waffe gleichzeitig haben, die sich stark auf die Spielweise auswirken. Der Raketenwerfer feuert dann zum Beispiel vollautomatische Salven, das Gewehr zieht Gegnern Lebenspunkte ab oder die Pistole verschießt zielsuchende Projektile. Das bringt Abwechslung in die Action und steigert den Wiederspielwert, schon allein weil es eine ganze Weile dauert, so einen Waffeneffekt auf einen höheren Rang zu bringen..
