Resident Evil 4 Remake: Diese Demo ist ein Albtraum - ich bin gefrustet und entnervt
Kolumne 35,99 €
In seiner Kolumne erklärt unser Autor, wieso die Demo zu Resident Evil 4 Remake ihn um den Schlaf brachte.
Neben gutem Essen, einem Bierchen am Abend, Entspannung auf dem Sofa und einfach mal die Seele baumeln lassen, ist das Beste am Wochenende eindeutig das Ausschlafen. Nun, Letzteres kann ich an diesem kalten, verregneten, grauen Samstagmorgen knicken. Ich sitze hier, tippe völlig gerädert diese Zeilen und verfluche innerlich die japanische Spieleschmiede Capcom. Gestern erst erschien die Demo zu Resident Evil 4 Remake, der Neuauflage des bahnbrechenden Gamecube-Klassikers. Schnell am Abend auf die Xbox Series X geladen und schon stürzte ich mich in das Survival-Horror-Abenteuer. Viel Schlaf war mir in der folgenden Nacht nicht vergönnt. Und das, obwohl ich die Demo gerade einmal eine magere Stunde lang gespielt habe.
Resident Evil Remake: Nostalgie meisterhaft auf Hochglanz poliert
Ich habe die berühmt, berüchtigte Szene, als die Hunde durch das Fenster brechen, damals als Teenager auf der klassischen Playstation, die noch an einen flackernden Röhrenfernseher angeschlossen war, "hautnah" miterlebt. Von meinem ersten eigenen, sauer verdienten Geld gönnte ich mir Code Veronica inklusive Dreamcast und war wie weggeblasen von der beweglichen Kamera. Ich habe begeistert auf dem Gamecube eines Kumpels den Sprung in die Third-Person-Perspektive erleben dürfen und bin 15 Jahre später mit dem fulminanten Teil 7 auf der PS5 zu Resident Evil zurückgekehrt.
Die Serie begleitet mich also weit mehr als ein halbes Leben. Vor allem die Remakes haben es mir mittlerweile angetan. Capcom versteht es einfach meisterhaft, die Survival-Horror-Klassiker dank der RE Engine in einem atemberaubenden neuen Gewand zu präsentieren und dennoch den spröden Charme der Originale beizubehalten. Dies ist ihnen beim Remake von Resident Evil 4 besser denn je gelungen. Und trotzdem habe ich die Demo nach kurzer Zeit wieder beendet.
Resident Evil 4 Remake: Die Demo raubte mir den Schlaf
Eines will ich an dieser Stelle betonen: All die Menschen, die am Remake von Resident Evil 4 mitgewirkt haben, leisteten augenscheinlich vortreffliche Arbeit. Die Demo bestätigt meinen bisherigen Eindruck voll und ganz, dass sich Capcom dieses Mal selbst übertroffen hat. Dennoch habe ich Resident Evil 4 Remake (jetzt kaufen / 35,99 € ) nach ca. einer Stunde entnervt abgebrochen.
Ein Grund dafür: Ich war einfach zu platt vom Arbeitstag. Die Neuauflage des Gamecube-Klassikers ist dermaßen atmosphärisch dicht, dass von einem entspannten Reinspielen keine Rede sein kann. Resident Evil 4 Remake saugte mich als Spieler instant in das Geschehen hinein. Die tolle Grafik, das an den Nerven zerrende Sounddesign und die bedrohliche Inszenierung entfalteten ab der ersten Minute ihre volle Wirkung und erwischten mich völlig auf dem falschen Fuß.
Ich wollte einfach nur entspannt meiner Resi-Nostalgie frönen und mich etwas an der Grafik laben. Stattdessen stolperte ich völlig gestresst, schwitzend und schwer atmend durch dieses verfluchte, spanische Dorf. Ein weiterer Grund für meinen Frust: Ich habe festgestellt, dass sich auch 18 Jahre nach dem Original an meinen lausigen Schießkünsten rein gar nichts geändert hat. Viel zu hektisch und ohne Plan verballerte ich meine Munition. Jeder Sturmtruppler der klassischen Star Wars-Trilogie ist treffsicherer als ich.
Resident Evil 4 Remake: Grausame Tode verfolgen mich in den Schlaf
Und so wurde ich von Kettensägen entzwei geschnetzelt, knochige Finger drückten mir den Kehlkopf ein und schartige Fingernägel zerstachen mir die Augen. Ich habe im dunklen Zimmer sitzend mit Headset gespielt und war nach einer Stunde fix und fertig. Der mir etwas peinliche Höhepunkt ereignete sich in der darauf folgenden Nacht, als ich dreimal aus dem Schlaf aufschreckte, weil ich schlecht geträumt hatte.
Es handelte sich hierbei nicht um die Art von Albtraum, die man als Kind hat und danach tatsächlich verängstigt ist. Ich fühlte mich eher gestresst und ziemlich peinlich berührt, dass mich das Spiel tatsächlich bis in meine Träume verfolgte. Dementsprechend kurz war die Nacht.
Ich sitze nun hier und muss gestehen: Capcom hat einen richtig guten Job gemacht. Die Demo von Resident Evil 4 Remake ist kein weichgespültes Unterhaltungsprodukt, sondern ein Horror-Trip, der mich am Schlafittchen gepackt und ordentlich durchgeschüttelt hat. Spätestens zur Vollversion werde ich in das spanische Dorf zurückkehren. Ausgeruht, innerlich vorbereitet ... und hoffentlich mit etwas mehr Zielwasser gesegnet.
