Mehr Platz im Regal, nie mehr im Nieselregen einkaufen -- dank legaler Spiele-Downloads. Digitale Distribution scheint die logische Zukunft unseres Mediums. Aber der virtuelle Spielevertrieb ist noch lange nicht am Ziel, wie unser Report zeigt.
Die grosse Frage
Eve Online machte aus der Not eine Tugend und ist nur per Download erhältlich: www.eve-online.com
Wenn ich aber jetzt mein Spiel nicht im Laden kaufe, sondern »nur« als Download erhalte, dann verzichte ich auf Packung, Handbuch und eventuelle Extras. Was erhalte ich als Ersatz? Um es vorwegzunehmen, die Antwort ist nicht »nichts«. Bei Gamesload.de gibt es zum Beispiel hier und da ein Handygame umsonst dazu, Steam belohnt die Vorbestellung bestimmter Titel mit zehn Prozent Preisnachlass. Immerhin. Dennoch ist gerade bei den zahlreichen älteren Spielen der verlangte Preis oft eher höher als bei vergleichbaren Angeboten in den Resteregalen der konventionellen Geschäfte und Onlineshops.
Außerdem gibt es seit einiger Zeit den aus der DVD-Vermarktung übernommenen Trend der Special-Editions. Zu dem eigentlichen Spiel gibt es dann Making-Ofs, Soundtrack-CDs, Spielfiguren und manchmal sogar Vorgängerspiele für einen Aufpreis dazu. Der Versuch dahinter ist die Aufwertung des Produkts Computerspiel, eben genau weg vom nackten Installationspaket. Die digitale Distribution wirkt dem zunächst einmal diametral entgegen. Das Spiel wird hier auf das Wesentlichste reduziert, ein Handbuch etwa höchstens als Downlaod mitangeboten. Bei vielen Titeln ist das völlig ausreichend, ein anspruchsvolles Strategie- oder Rollenspiel lebt allerdings auch von dem Äußerlichen, dem Drumrum. Zumindest, wenn der Preis ohne Verpackung ohnehin der gleiche ist.
Der Flatrate-Fluch
Nachdem sogar Sonnenstudios Bräunungs-Flatrates anbieten, ist es nicht verwunderlich, dass jetzt auch Spiele in flachen Raten verkauft werden. Bei Gamesload.de eine Alternative zum normalen Kauf, bei Metaboli.de Grundprinzip. Es hört sich zunächst nach einem guten Geschäft an. Meine Musik, meinen DSL-Anschluss und mein Handy habe ich schon mit Flatrates versehen, warum auch nicht mein Hobby?
Doch drängen sich bei genauer Betrachtung einige Fragen auf, zum Beispiel: Was kriege ich denn für meine Flatrate? Denn, wie schon gesagt, ist das Angebot quantitativ sehr überschaubar. Natürlich wird es ständig erweitert, aber verständlicherweise kann mir bei Vertragsabschluss niemand zuverlässig sagen, welche Spiele der Plattform überhaupt in den nächsten Monaten zur Verfügung stehen. Und die aktuellen Bibliotheken an Spielen lassen eher auf eine Mischung weniger Toptitel mit einer großen Menge überschaubar wichtiger B- und C-Ware schließen. Eine Flatrate, bei der ich mich also monatlich überraschen lassen muss, ist doch nicht ganz deckungsgleich mit einer Branche, die wie kaum eine andere von Previews, Hypes und Erscheinungsterminen bestimmter, relativ weniger Titel lebt.
Dauerberieselung
Und es wird noch philosophischer: Selbst wenn ich Zugriff auf alle erschienenen Spiele haben könnte, will ich das denn überhaupt? Gleichzeitig? Das 14-jährige Kind in uns schreit erstmal »ja!« Beim Telefonieren etwa macht es schließlich sehr viel Sinn, für einen Festpreis unendlich zu quatschen.
iTunes Musicstore ist der Status-Quo bei Musikdownloads.
Aber bei einem Erlebnismedium wie Spielen funktioniert es nur sehr bedingt. Das Argument des Sammelns beiseite gelassen, steht doch jedes Spiel für sich alleine. Manche brauchen viel Zeit, andere weniger, manche haben eine Spieldauer von vier Stunden, andere von Monaten. Eine Flatrate wird leicht zum Overkill, zur totalen Reizüberflutung, wie eine Demo-CD mit 40 verschiedenen Titeln. Das eine kurz angespielt, dann schnell weiter zum nächsten. Während das Modell für Easy-Games und Puzzlespiele ideal passt, scheint eine Flatrate für anspruchsvolle Spiele deplaziert.
