Psychonauts

Test

Mit Kult-Adventures wie Grim Fandango hat sich Tim Schafer schon vor Jahren selbst ein Denkmal gesetzt. Jetzt schickt er Sie auf eine Reise in die Hirne seiner abgedrehten Charaktere.

Mit der technisch wie künstlerisch superben grafischen Gestaltung kann die Soundkulisse nicht ganz mithalten. Die Effekte gehen zwar durchweg in Ordnung, allerdings gibt es pro Level nur ein Musikstück. Die sind zwar jeweils sehr stimmig und reichen von Disco bis Sergio Leone, beginnen nach der x-ten Wiederholung aber doch, dezent zu nerven.

Selten so gelacht

Tim Schafer hat sich nicht nur in Sachen Design auf alte Tugenden besonnen. Neben dem Leveldesign ist es vor allem der allgegenwärtige Humor, der Psychonauts auszeichnet. Seien es unerwartete Slapstick-Einlagen, die herrlich ausgearbeiteten Dialoge in den überdurchschnittlich langen Zwischensequenzen oder Wortspiele. Wer hier nicht Tränen lacht, ist selber schuld. Besonders gut gefallen hat uns beispielsweise die Interpretation der emotionalen Päckchen, die jeder zu tragen hat -- im Englischen werden diese als »emotional baggage« bezeichnet, und so finden sich in den Levels jede Menge Hutkoffer, Kleidersäcke und Handtaschen mit unschönen Erinnerungen.

Immer wieder überrascht das Spiel mit Klamauk-Momenten wie diesem: Einer der bösen Verschwörer sammelt die Gehirne von Kindern und verkündet mit stolzer Stimme seinen neuesten Fang: »Ha! Now I have the brain of a little girl«, woraufhin Razputin in schallendes Gelächter ausbricht: »Hahahaha! You have the brain of a little girl. And the muscles of a little girl, too. Hahahaha!«

Frustig im Abgang

Im Vergleich mit anderen Action-Adventures können sich die 13 bis 15 Stunden Spielzeit von Psychonauts durchaus sehen lassen. Anzumerken ist allerdings, dass mit den Leveldesignern auf der Zielgeraden die Pferde durchgegangen sind. Der letzte Level hat mit dem vorbildlichen Balancing des restlichen Spiels nichts mehr gemeinsam und ist schlichtweg bockschwer. Unter Zeitdruck müssen Sie Geschicklichkeitseinlagen meistern, an denen Sie in den ersten Versuchen garantiert scheitern. Die fairen Rücksetzpunkte entschädigen nur bedingt. Unser Tipp: Räumen Sie in der letzten Spielstunde alle zerbrechlichen Objekte beiseite und lassen Sie sich den Spaß an diesem Meisterwerk nicht verderben, das hoffentlich bald auch hierzulande erhältlich ist.

David Bergmann

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