Pokémon Strahlender Diamant & Leuchtende Perle im Test - Seite 3

Test Jonas Höger
Pokémon Strahlender Diamant & Leuchtende Perle im Test - Seite 3
Quelle: The Pokémon Company / ILCA

Mit Pokémon Strahlender Diamant & Leuchtende Perle schafft es die 4. Generation nach 15 Jahren wieder ins Rampenlicht. Hat sich die Wartezeit gelohnt? Test!

Während die gefundenen TMs tatsächlich nur einmal existieren, habt ihr von NPCs erhaltene TMs drei Mal in eurer Tasche und von Arenaleitern gibt es immerhin fünf Exemplare geschenkt. Trotzdem schränkt dies extrem eure Entscheidungsfreiheit ein. Warum die TMs nicht wie seit der 5. Generation unendlich einsetzbar sind, bleibt ein Rätsel.

Das dies in den Originalen nicht der Fall war, ist auch kein valides Argument, weil die Remakes der 3. Generation die zeitgemäße Neuerung ebenfalls übernommen hatten. So ist der Gebrauch von TMs bereits während der Geschichte enorm eingeschränkt, vom Bauen von verschiedenen Teams nach Abschluss der Story ganz zu schweigen.

Musikalisch noch immer ein echtes Brett

Wenn Schleiede von der untergehenden Sonne in ein warmes Licht getaucht wird, ist der jazzgeprägte Sound der Stadt umso eindrucksvoller. Quelle: PC Games Wenn Schleiede von der untergehenden Sonne in ein warmes Licht getaucht wird, ist der jazzgeprägte Sound der Stadt umso eindrucksvoller. Wie schon bei den Originalen von 2006 hat man beim Soundtrack erneut ganze Arbeit geleistet und die vielen dynamischen Melodien meisterhaft in die Moderne geholt. Denn Strahlender Diamant und Leuchtende Perle bieten ein fürstliches Erlebnis für die Ohren, das ganz besonders durch seine Abwechslung und Bandbreite begeistert.

In vielen Songs gibt das prominente Keyboard mit seinen Synth-Klängen den Ton an, mitunter mischt sich ein sinnliches Saxophon darunter und auch die anderen Instrumente harmonieren wahlweise miteinander oder liefern sich ein Gefecht, das noch in die unspektakulärsten Kämpfe musikalisches Adrenalin pumpt. Das Theme von Schleiede entspringt mit seinem Klavier und den hellen Trompeten beispielsweise direkt einer Jazz-Bar, während man bei den Tracks der drei Seen oder dem des Ewigwalds Melancholie mit Entspannung mischt.

Grafik und Optik: Mal himmelhochjauchzend ...

Nachdem wir nun die neuen und alten Mechaniken samt Erweiterungen abgehakt haben, sollten wir wohl über das Donphan im Raum sprechen: Grafik und Optik. Wer das Marketing samt Fan-Feedback rund um Strahlender Diamant und Leuchtende Perle seit dem ersten Trailer Anfang des Jahres verfolgt hat, weiß, dass sowohl die Chibi-Optik als auch die grafische Qualität der Spiele für kontroverse Diskussionen gesorgt hat. Das Endergebnis ist jedoch besser als befürchtet - meistens.
Dass Strahlender Diamant und Leuchtende Perle optisch auch einiges auf dem Kasten haben, beweist die Vielzahl der Hintergründe. Der Kampf gegen Kommandantin Jupiter ist in der Hinsicht ein wahrer Augenschmaus. Quelle: PC Games Dass Strahlender Diamant und Leuchtende Perle optisch auch einiges auf dem Kasten haben, beweist die Vielzahl der Hintergründe. Der Kampf gegen Kommandantin Jupiter ist in der Hinsicht ein wahrer Augenschmaus. Häufig bieten die Neuauflagen nämlich Momente echter Schönheit. Wenn ihr auf einer der Routen im warmen Licht der hinter den Bäumen verschwindenden orange-roten Sonne oder in den Blumenfeldern von Flori einen Augenblick innehaltet, zeigt sich Sinnoh von seiner besten Seite. Dies hat man vor allem der hervorragend gelungenen Lichtstimmung zu verdanken. Gleiches gilt auch für die abwechslungsreichen Hintergründe der Kämpfe.

Die sind nicht nur außerordentlich hübsch, sondern oft auch mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden und spiegeln jeweils das Areal wider, in dem ihr euch gerade befindet. Besonders fällt das bei den Pokémon-Unterschlüpfen im Untergrund auf, die von lavadurchströmten Felshöhlen bis zu tropischen Wüsten reichen sowie bei den verschiedenen Kommandanten von Team Galaktik, die euch dank Sternenhimmel und Planeten direkt in den Weltraum versetzen. Auch die Animationen sind bis auf wenige Ausnahmen sehr gelungen und detailreich.

... mal zu Tode betrübt

Auch wenn das Bild aussieht, als sei beim Hochladen etwas schiefgelaufen: Es stammt genauso aus dem Spiel. Hier hat wohl eindeutig jemand den Tiefenschärfefilter zu hochgedreht. Quelle: PC Games Auch wenn das Bild aussieht, als sei beim Hochladen etwas schiefgelaufen: Es stammt genauso aus dem Spiel. Hier hat wohl eindeutig jemand den Tiefenschärfefilter zu hochgedreht. Allerdings wirken manche Areale aufgrund der Konturlosigkeit von Objekten und Charakteren seltsam billig und lassen jede Art von Tiefe vermissen. Da hilft auch der seltsame Tiefenschärfefilter nicht, der den Rand des Bildschirms in Wäldern, Höhlen und einigen Gebäuden seltsam verschwimmen lässt und wirkt, als würde man eine falsch eingestellte Brille tragen.

Auch beim Chibi-Look der Charaktere will keine rechte Freude bei Fans schöner Optik aufkommen. Zwar fällt der Stil - samt Design-bruch in den Kämpfen, weil alle Trainer dort normale Proportionen besitzen - letztendlich unter den persönlichen Geschmack und wurde natürlich originalgetreu umgesetzt. Trotzdem wirken die Schrumpfgestalten in der Welt des Spiels verloren, deplatziert und aus der Zeit gefallen.

Der schmale Grat zwischen Zugänglichkeit und Händchenhalten

Zu guter Letzt noch ein Thema, das nicht nur die Fans, sondern auch die Zielgruppe spaltet: Herausforderung und Zugänglichkeit. Die Pokémon-Spiele waren zwar noch nie dafür bekannt, besonders schwierig zu sein, dennoch lässt sich in den letzten Jahren ein Trend beobachten, der Anfängerfreundlichkeit priorisiert und die Titel damit zusehends unattraktiver für ältere Fans macht. Auch Strahlender Diamant und Leuchtende Perle verfolgen diese Entwicklung.

Die Kämpfe gegen die acht Arenaleiter machen nicht nur wegen der fetzigen Mucke echt Laune. Leider sind sie, wie auch der Rest des Spiels, fast alle viel zu einfach. Quelle: The Pokémon Company / ILCA Die Kämpfe gegen die acht Arenaleiter machen nicht nur wegen der fetzigen Mucke echt Laune. Leider sind sie, wie auch der Rest des Spiels, fast alle viel zu einfach. Problematisch ist dabei nicht die Zugänglichkeit selbst, sondern die fehlende Möglichkeit, die anfängerfreundlichen Neuerungen abzustellen: Es mangelt also an Optionen. So ist der EP-Teiler zwar schon länger kein Item mehr, das nur von einem Pokémon getragen werden kann, sondern spendiert schon seit der 8. Generation dem gesamten Team nach einem Sieg Erfahrungspunkte. Allerdings lässt sich der EP-Teiler in den Remakes von Diamant und Perl nicht einmal mehr abstellen, wodurch euer Team zwangsläufig immer stärker ist als die Pokémon der Gegner.

Mein gesamtes Team war trotz Austauschens einiger Mitglieder fast durchgehend ganze fünf bis zehn Level über den Pokémon der normalen Trainer, wodurch ein permanentes Ungleichgewicht herrschte. Grund dafür ist auch, dass man sich strikt an die Levelkurve und Teamaufstellungen aus Diamant und Perl gehalten hat, anstatt die etwas anspruchsvollere aus der Zusatzedition Platin zu übernehmen.

Schuld daran ist auch die mit der Zeit steigende Zutraulichkeit eurer Pokémon, wodurch eure Teammitglieder nicht nur mehr Erfahrung erhalten, sondern im Kampf auch mitunter Angriffen ausweichen, kritische Treffer überleben oder selbst leichter Volltreffer erzielen können. Abstellen lässt sich dieses Feature natürlich nicht.

Zum Abschluss gibt es noch ein Schmankerl für Fans der Originale: Spielt ihr im Handheld-Modus, könnt ihr per Touchscreen wieder eure erhaltenen Orden polieren! Quelle: PC Games Zum Abschluss gibt es noch ein Schmankerl für Fans der Originale: Spielt ihr im Handheld-Modus, könnt ihr per Touchscreen wieder eure erhaltenen Orden polieren! Und auch abgesehen vom eigentlichen Schwierigkeitsgrad triefen die Neuauflagen vor erzwungener Einsteigerfreundlichkeit. Tutorials lassen sich nicht überspringen, im Menü bekommt ihr nun jederzeit zwangsläufig mitgeteilt, wo ihr auf eurer Reise als nächstes hinmüsst, und habt ihr ein Pokémon einmalig getroffen, werden euch in darauffolgenden Kämpfen stets die wirksamen Wechselwirkungen eurer Attacken angezeigt.

Das Pokémon-Franchise ist zu einem unmöglichen Spagat gezwungen: Fans der ersten Stunde genauso wie Neulinge und zehnjährige Pokémon-Trainer gleichzeitig zufriedenzustellen, wird mit jedem neuen Ableger schwieriger und schwieriger. Gerade alteingesessene Spieler werden jedoch durch die erzwungene Anfängerfreundlichkeit und den nicht einstellbaren Schwierigkeitsgrad zunehmend von der Reihe weggeschoben. Der Grund dafür liegt natürlich bei der Verlagerung der Hauptzielgruppe, kritisieren kann (und sollte) man diese Design-Entscheidungen nichtsdestotrotz.

Grundsolide Neuauflagen

Strahlender Diamant und Leuchtende Perle sind in ihrem Kern extrem konservative Remakes, die mit einer hochgradig originalgetreuen Umsetzung der Vorlagen ein altes Pokémon-Spiel in neuem Gewand servieren. Komfortänderungen und besonders der erweiterte Untergrund sind durchdachte und spaßige Features.

Auch die Präsentation ist abseits einiger optischer Aussetzer und dem zweifelhaften Chibi-Look größtenteils gelungen, der Soundtrack begeistert durch Varianz und Dynamik.

Anfänger und junge Spieler bekommen dank der Mischung aus Sammelfaszination und spaßigen Features daher ein charmantes, formelhaftes und gerade deshalb fesselndes Pokémon-Abenteuer geboten. Langjährige Fans hingegen werden sich über die nostalgische Rückkehr nach Sinnoh zwar freuen, dürften aber angesichts der zunehmend fehlenden Herausforderung und dem zwanghaften Händchenhalten mitunter mit den Zähnen knirschen.

Meinung

Wertung zu Pokémon Strahlender Diamant & Leuchtende Perle (NSW)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Pokémon-Formel zündet nach wie vorFantastischer SoundtrackUntergrund dank Pokémon-Unterschlüpfen noch umfangreicherAngenehme KomfortänderungenOptisch ein Wechsel zwischen Momenten echter Schönheit ...
... und konturlosen, unscharfen MatscharealenZwanghaftes HändchenhaltenViel zu einfach, unter anderem wegen nicht abschaltbarem EP-TeilerTM-Mechanik ist extrem rückschrittlich
Fazit

Ein solides Remake für Jung und Alt, das sich aber zu häufig auf zwanghafte Anfängerfreundlichkeit versteift.

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