Pokémon unter Druck - Keine faire Chance für Game Freak

Special Annika Menzel
Pokémon unter Druck - Keine faire Chance für Game Freak
Quelle: PC Games

Pokémon musste viel Kritik einstecken, doch Game Freak hat mit knappen Entwicklungszeiten und verhältnismäßg wenig Personal zu kämpfen.

Kommerz vor Qualität: Alles geht zu schnell

Karmesin und Purpur sorgten mit der offenen Spielwelt zwar für ordentlich frischen Wind in der Pokémon-Rezeptur, allerdings hatte diese Neuerung einen hohen Preis. Grafisch und technisch waren die Spiele nämlich alles andere als zeitgemäß, selbst für die, im Vergleich zu den anderen Last-Gen-Konsolen, schwächere Hardware der ersten Switch.

Auch die generationseklusiven Gimmicks scheinen immer weniger Aufmerksamkeit bei der Entwicklung zu bekommen. Selbst gute und beliebte Konzepte werden aus Prinzip fallengelassen, da ja etwas Neues hermuss. Mega-Entwicklungen, Z-Attacken, Dynamax, Terakristallisierung ... All diese Features tauchen für kurze Zeit auf und verschwinden beim nächsten Ableger sang- und klanglos wieder.

Und wo wir gerade schon bei knappen Zeiträumen sind: Die Abstände zwischen den verschiedenen Generationen wurden im Laufe der Jahre auch immer kürzer. Angesichts der drei Jahre, die Karmesin und Purpur schon auf dem Markt sind, wäre es dem Veröffentlichungsrhythmus der letzten Jahre nach im Grunde bereits Zeit für die nächste Generation.

Pokémon-Legenden: Arceus legte vor einigen Jahren den Grundstein für das neue Spiel Z-A, das in Illumina City aus der sechsten Gen angesiedelt ist. Arceus führte uns damals stattdessen in die Hisui-Region. Quelle: PC Games Pokémon-Legenden: Arceus legte vor einigen Jahren den Grundstein für das neue Spiel Z-A, das in Illumina City aus der sechsten Gen angesiedelt ist. Arceus führte uns damals stattdessen in die Hisui-Region. Doch diese knappen Abstände scheinen dem Endprodukt gar nicht gut zu tun. Kein Wunder, schließlich ist Zeitdruck ein großer Feind der Kreativität. Außerdem wurde in den letzten Jahren zusätzlich an den beiden Legenden-Teilen gearbeitet, die ebenfalls im Hause Game Freak entstanden sind.

Ein kleines Studio für ein riesiges Franchise

Nun könnte man meinen, dass das erfolgreichste Franchise der Welt über ein riesiges Studio mit zahlreichen Entwicklern verfügt, die sich ganz auf die nächsten Spiele konzentrieren können. Doch Game Freak beschäftigt gerade mal gut 200 Mitarbeiter, von denen sicherlich nicht alle an der Entwicklung beteiligt sind.

Da ist es kein Wunder, dass in den letzten Jahren die Qualität der Spiele gelitten hat: Wie soll ein verhältnismäßig kleines Team hinter so einer großen Marke unter Zeitdruck noch hochwertige Spiele entwickeln können? Auch die neuen Pokémon selbst werden zunehmend unkreativer. Mittlerweile gibt es Schlüssel, Müllsäcke und andere Kuriositäten, die mit Augen versehen und als Taschenmonster deklariert wurden.

Es ist ein Haufen Müll mit Augen, der als Pokémon bezeichnet wird. Und nein, das meinen wir nicht sarkastisch. Es gibt tatsächlich Monster in den Spielen, die auf kuriosen Gegenständen wie Müllsäcken basieren. Quelle: PC Games Es ist ein Haufen Müll mit Augen, der als Pokémon bezeichnet wird. Und nein, das meinen wir nicht sarkastisch. Es gibt tatsächlich Monster in den Spielen, die auf kuriosen Gegenständen wie Müllsäcken basieren. Das ist in einzelnen Fällen schon mal ziemlich witzig und kein Design-Verbrechen, aber bei mittlerweile über 1000 verschiedenen Pokémon sind die Möglichkeiten, genau wie bei den Gimmicks, einfach irgendwann ausgeschöpft.

Damit möchten wir nicht ausdrücken, dass Game Freak lieblos mit ihrer Marke umgeht. Wie einzigartig und stimmig die Monster und Features sein können, haben wir in der Vergangenheit oft genug gesehen. Wir vermuten vielmehr, dass dem Studio mittlerweile nicht mehr ausreichend Zeit und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um diesen Standard aufrechtzuerhalten.

Die Terakristallisierung aus der neunten Generation sieht zwar während der Verwandlung schick aus, kann spielerisch allerdings nicht mit den Gimmicks der vorherigen Spiele mithalten. Vielleicht ist neu doch nicht immer besser. Quelle: PC Games Die Terakristallisierung aus der neunten Generation sieht zwar während der Verwandlung schick aus, kann spielerisch allerdings nicht mit den Gimmicks der vorherigen Spiele mithalten. Vielleicht ist neu doch nicht immer besser. Möglicherweise ist das auch ein Grund dafür, dass sich Game Freak mit ihrem neuen Spiel Beast of Reincarnation mal einem ganz neuen Franchise widmet. Bisher war das Studio außerhalb von Pokémon nur für winzige und unbekannte Projekte verantwortlich, doch das könnte sich mit dem geplanten Action-RPG ändern.

Vielleicht möchte sich die Firma nach knapp 30 Jahren einfach mal mit etwas Anderem beschäftigen, vielleicht ist es auch ein Versuch, sich abseits von Nintendos Flaggschiffreihe ein weiteres Standbein aufzubauen. Wir sind gespannt, aber warten erst einmal geduldig ab, was uns bei dem neuen Spiel genau erwartet. Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, was Pokémon für die Zukunft von Palworld lernen kann und warum die Hoffnung für die Reihe weiterhin nicht verloren ist.

  1. Seite 1 Die Anfänge & der Wechsel zu 3D
  2. Seite 2 Keine faire Chance für Game Freak
  3. Seite 3 Neue Konkurrenz & ein potenzieller Wegweiser
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