Karmesin & Purpur sind eine Enttäuschung, aber ich liebe Pokémon trotzdem!

Kolumne Annika Menzel
Karmesin & Purpur sind eine Enttäuschung, aber ich liebe Pokémon trotzdem!
Quelle: Nintendo, Fotomontage: PC Games

Karmesin & Purpur auf Nintendo Switch sind zwar eine Zumutung für die Fans, trotzdem liebt unsere Autorin die Pokémon-Reihe. Warum, erklärt sie hier.

Die sechste Generation ist meine Liebste. Nicht nur, weil sie mich zurück zum Franchise brachte und daran erinnerte, wie sehr ich diese Reihe liebe, sondern auch wegen ihrer Qualität. Die Charaktere, die Pokémon und die Grafik insgesamt waren frischer Wind für meine eingestaubte Fan-Liebe.

In alter Tradition entschied ich mich für den Feuerstarter und ging mit Fynx auf ein Abenteuer durch die Kalos-Region. Die Freundesgruppe, die es zusätzlich zum klassischen Rivalen gab, war so angenehm albern, dass ich den anderen Kids gerne in jeder größeren Stadt aufs Neue begegnete.

Der weibliche Charakter aus Pokémon X und Y reitet auf einem Chevrumm Quelle: Nintendo Pokémon X & Y Die überraschend ernste Geschichte rundete das Gesamtpaket ab und sorgte dafür, dass ich das Spiel mit den Jahren noch mehrere Male durchspielte. Durch Game Freaks Angewohnheit, nur einen Speicherstand zu erlauben, musste ich meinen Fortschritt allerdings jedes Mal zurücksetzen. Ich hoffe, meinem Fennexis von damals geht es gut.

Die Zeit und Game Freak sind gnadenlos

Dieser Erfahrung verdankt es die Pokémon Company, dass ich mir die folgenden Generationen immer direkt zum Release holte. Bei Mond hatte ich allerdings einen Denkfehler, über den ich heute nur lachen kann: Ich fand nicht nur Lunala interessanter als Solgaleo, sondern war auch begeistert von den verschobenen Tageszeiten.

Da ich zu der Zeit aber wegen der Uni fast ausschließlich abends zum Spielen kam, verpasste ich die dunklen Ingame-Tage und stattdessen war die Spielwelt strahlend hell. Na ja, der Wille zählt. Bereut habe ich die Entscheidung trotzdem nicht, auch wenn mir die Editionen tendenziell zu bunt waren.

Genauso wohlwollend blicke ich auf Schwert und Schild zurück. Kurz vor dem Release flog ich spontan mit meinen beiden besten Freunden nach London, um das Pop-Up-Pokémon-Center dort zu besuchen. Wir standen über fünf Stunden in der Schlange, um etwa fünf Minuten durch den Laden zu stöbern. An diesen unsinnigen, aber wunderbaren Ausflug erinnert mich mein Memmeon, das seitdem in meinem Bücherregal wohnt.

Zurück in der Heimat trafen wir uns fast jeden Abend, um gemeinsam Pokémon zu spielen. Nicht zwangsläufig in Raids, obwohl das natürlich auch vorkam. Vielmehr saßen wir nebeneinander auf der Couch, jeder in seiner eigenen Version von Galar unterwegs, und redeten über unsere Teams, den Pokédex und den unfassbar guten Soundtrack von den Arenaleitern.

Der weibliche Charakter aus Pokémon Schwert und Schild begegnet einer anderen Trainerin Quelle: Nintendo Pokémon Schwert & Schild Mit dem Remake von Diamant und Perl wurde ich wegen des Stils persönlich nie warm. Auch Pokémon Legenden: Arceus erschien zu einer Zeit, in der ich bereits übersättigt von offenen Spielwelten war und es deshalb schnell zur Seite legte. Das könnte aber auch daran liegen, dass kurz darauf Horizon Forbidden West und Elden Ring erschienen, für die ich meine gesamten Open-World-Ressourcen brauchte.

Entsprechend groß war die Vorfreude auf die neue Generation, bis es tatsächlich Szenen aus dem Spiel zu sehen gab. Ich will an dieser Stelle nicht auf Karmesin und Purpur herumhacken, denn mit den Defiziten der aktuellen Pokémon-Generation für die Nintendo Switch habe ich mich in anderen Artikeln schon auseinandergesetzt.

In Vorbereitung auf den zweiten DLC, den ich mir für die Arbeit anschauen werde, habe ich Purpur auf meiner privaten Switch jetzt noch einmal durchgespielt. Und ich bleibe bei meinem Urteil: Das grundlegende Spiel ist Pokémon-typisch unterhaltsam. Ich hoffe sehr, dass wir mit der nächsten Generation wieder eine bessere Qualität geboten bekommen.

In 20 Jahren Pokémon-Reise von Kanto nach Paldea

Der lieblose Zustand der neunten Pokémon-Generation verpasste meiner Zuneigung für die Reihe einen ordentlichen Dämpfer. In dem Jahr, das zwischen der Veröffentlichung und diesem Artikel lag, überlegte ich mehrfach, dem Franchise den Rücken zu kehren - zumindest, was die Spiele angeht.

Denn die Sammelkarten habe ich überraschend liebgewonnen, besonders seit dem Drachenwandel-Set. Schließlich sind Evoli und die ganzen Entwicklungen meine Lieblings-Pokémon. Das ist zwar nicht besonders individuell, aber was soll ich machen. Wo die Liebe eben hinfällt!

Der weibliche Charakter aus Pokémon Strahlender Diamant und Leuchtende Perle läuft über den Strand Quelle: Nintendo Pokémon Strahlender Diamant & Leuchtende Perle Wie schon bei Schwert und Schild war daran maßgeblich ein sozialer Faktor beteiligt. Es gab viele Freitagnachmittage, an denen mein bester Freund - gleichzeitig damaliger Mitbewohner - und ich uns in der Stadt was zu essen holten und Pokémon-Karten kauften. Kaum waren wir zu Hause und die Sandwiches verputzt, öffneten wir zusammen die Booster.

Im Vergleich zu richtigen Sammlern ist meine Schatzkammer klein, sie füllt inzwischen aber immerhin mehrere Trainerboxen. Die hübschen und seltenen Karten haben natürlich einen Platz im Ordner bekommen, der - wie sollte es anders sein - von den Evolitionen verziert wird.

Auf meinem Schreibtisch im Büro steht eine kleine Figur mit Felori, Krokel und Kwaks, die mich gemeinsam mit einer kleinen Glückskatze von meiner Praktikanten-Kollegin Maren anlächeln. Die abendlichen Chips esse ich aus einer Schüssel mit Pokéball-Motiv und in meiner Lederjacke mit grünen und lila Farbklecksen sehe ich aus, als wäre ich eine Gift-Arenaleiterin.

Pokémon ist meine Vergangenheit, meine Gegenwart und ... ach, lassen wir das. Aber die Reihe begleitet mich seit so vielen Jahren, dass sogar Ash Ketchum mittlerweile offiziell zum Champ geworden ist. Meine Route dorthin ist sicher noch lange nicht vorbei und ich möchte die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Spiele wieder so gut werden wie früher. Für das Mädchen, das nach Kyogre gesucht, mit Glurak gekuschelt und in der N-ZONE geblättert hat.

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