25 Jahre Perfect Dark - So schuf Rare den wohl besten Ego-Shooter für das Nintendo 64

Special Sönke Siemens Benedikt Plass-Fleßenkämper Sascha Lohmüller
Perfect Dark
Quelle: The Initiative/Crystal Dynamics/Microsoft

Am 30. Juni 2025 feiert Perfect Dark in Europa seinen 25. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich und lassen die bewegte Entstehungsgeschichte des N64-Ausnahme-Shooters noch einmal Revue passieren.

Innovative Mehrspieler-Features

Auch beim Splitscreen-Mehrspieler-Modus für bis zu vier Teilnehmer wollen die Briten neue Maßstäbe setzen. So werden auch hier zahlreiche neue Ideen umgesetzt, die es in GoldenEye 007 zuvor nicht gab. Besonders stolz ist Rare damals auf die Integration sogenannter Simulants, sprich KI-gesteuerter Bots, gegen die man antreten kann, wenn keine menschlichen Spieler verfügbar sind. Doch damit nicht genug: Die Spieler können die Verhaltensweisen der Simulants sogar auf vielfältige Weise konfigurieren. Wenn man einem Bot beispielsweise das Attribut "VengeSim" zuweist, versucht er sich in erster Linie an denjenigen zu rächen, die ihn eliminiert haben. "PreySim" hingegen versuchen, ständig auszuweichen und wegzulaufen, während "JudgeSim" immer den besten Spieler attackieren - um nur einige der insgesamt elf Simulants-Typen zu nennen. Im Mehrspieler-Modus stehen zudem gleich fünf verschiedene Schwierigkeitsgrade zur Verfügung. Diese reichen von "MeatSim" (die Simulants sind Kanonenfutter) bis hin zu "PerfectSim", bei dem die KI besonders tödlich agiert.

Screenshot von Perfect Dark Quelle: Moby Games Ein weiteres Novum ist der Counter-Operative-Modus. Inspiriert vom Kultfilm Matrix (1999) kann darin ein weiterer Spieler in die Rolle eines Widersachers schlüpfen und Joanna Dark bei der Bewältigung der Kampagne immer wieder dazwischenfunken. Die Idee wird auch Jahre später immer wieder aufgegriffen, zuletzt unter anderem in Titeln wie Deathloop (2021). Den klassischen Koop-Modus behält Rare zudem bei, was unterm Strich zu einem famosen Paket für Multiplayer-Fans führt.

Wertungsüberflieger

Ursprünglich soll Perfect Dark im Herbst 1999 erscheinen. Die korrekte Implementierung des Counter-Operative-Modus veranschlagt jedoch mehr Zeit als geplant, sodass das Spiel in Nordamerika letztendlich erst am 22. Mai 2000 für das N64 auf den Markt kommt. Wenn man die ersten Pressewertungen als Gradmesser nimmt, hat sich das Warten allerdings mehr als gelohnt. GameSpot und IGN - zwei der damals größten US-Gaming-Webseiten - vergeben nahezu perfekte Wertungen, nämlich 9.9 und 9.8.

Doch auch viele Tester anderer Magazine sind begeistert, sodass sich die weltweite Metacritic-Wertung (basierend auf knapp 30 Reviews) am Ende bei beeindruckenden 97 von 100 Punkten einpendelt. Insbesondere gelobt werden die packende Kampagne, die für N64-Verhältnisse beeindruckende technische Präsentation, der exzellente Soundtrack, die abwechslungsreich gestalteten Missionen inklusive variierender Einsatzziele je nach Schwierigkeitsgrad sowie der mit Features und Spielvarianten vollgepackte Mehrspieler-Modus.

Perfect Dark Quelle: Rare / Microsoft  Die Verkaufszahlen von GoldenEye kann Perfect Dark allerdings nicht knacken. Während Rares Bond-Spiel mehr als acht Millionen Mal über die Ladentische ging, sind es bei Perfect Dark am Ende zwischen zweieinhalb und drei Millionen - je nachdem, welche Quelle man konsultiert. Die Gründe für das schlechtere Abschneiden? Die einen nennen die fehlende Bond-Lizenz und das für das volle Spielerlebnis zwingend vorausgesetzte Expansion Pak, die anderen sehen vor allem die weniger aggressive Vermarktung und das im Vergleich zu GoldenEye 007 anspruchsvollere Gameplay als Störfaktoren. Nicht zu vergessen ist auch das späte Erscheinen am Ende des Lebenszyklus des Nintendo 64. Viele Gamer warten bereits auf Nintendos nächste Konsole beziehungsweise die für Ende Oktober 2000 geplante PlayStation 2, während sich andere bereits mit dem am 9. September 1999 veröffentlichten Dreamcast beschäftigten, das deutlich bessere Technik bietet.

Die Marke lebt weiter - bis 2025

Rückblickend sind die Verkaufszahlen trotzdem gut genug, um an der Marke festzuhalten. Neben einer Umsetzung für den Game Boy Color, die Ende August 2000 erscheint, tüftelt Rare eine Zeit lang intern an Velvet Dark, das aber nie wirklich Fahrt aufnimmt. Nach dem Aufkauf von Rare im Jahr 2002 erhält die Marke mit dem Prequel Perfect Dark Zero, das 2005 als Starttitel für die Xbox 360 auf den Markt kommt, neuen Rückenwind. Das Spiel macht durchaus Laune, sieht gut aus und bietet einen spaßigen Mehrspieler-Modus, kann in puncto Story, Gameplay, KI und Leveldesign aber nicht ganz mit Perfect Dark mithalten.

Perfect Dark Quelle: Rare / Microsoft  Dennoch plant Rare einen Nachfolger, der sogar in zwei Teile aufgeteilt ist. Der erste Teil soll Perfect Dark Core heißen und unter anderem mit noch mehr Gadgets, Parkour- und Kletterabschnitten sowie einem fernsteuerbaren Mech als Sidekick punkten. Teil zwei läuft unter dem Arbeitstitel "Perfect Dark Vengeance" und soll vor allem die wendungsreiche Handlung zu Ende erzählen. Beide Spiele schaffen es jedoch nie über die Konzeptphase hinaus. Der bislang letzte und einzige veröffentlichte Ableger der Reihe ist somit das gelungene Xbox-Live-Arcade-Remaster von 2010, das später auch in die grandiose Spielesammlung Rare Replay integriert wird.

Die Marke Perfect Dark ist damit aber noch längst nicht begraben. Im Gegenteil: Das Microsoft-Studio The Initiative arbeitet knapp sieben Jahre lang mit Crystal Dynamics an einem vielversprechenden Reboot und nutzt dafür die Unreal Engine 5. Joanna Dark, die jetzt für dataDyne arbeitet, soll als Heldin zurückkehren und in einem futuristischen Kairo-Setting den Machenschaften der zwielichtigen Mega-Firma Core Mantis auf den Grund gehen. Zumindest ist das der Plan bis zum 02. Juli dieses Jahres, also zwei Tage nach dem Geburtstag des ersten Teils. Denn dann machte leider die von einigen bereits befürchtete Hiobsbotschaft tatsächlich die Runde: Microsoft hat an jenem Tag das Studio The Initiative geschlossen und das neue Perfect Dark restlos eingestampft. Somit bleiben uns erst einmal also nur Erinnerungen an einen grandiosen Shooter.

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