Warum macht uns Angst so viel Spaß, wieso sind Resident Evil, Dead Space oder Silent Hill so beliebt? Cynamite zieht aus, um das Fürchten zu lernen - willkommen bei unserem großen Grusel-Special!
Samstag Abend, kurz vor Mitternacht. Martin und seine Kumpels zocken God of War 3. Gerade als Martin eine Schar von Dämonen mit seinen Klingen niedermähen will, ertönt ein markerschütterndes Poltern. Es dauert eine Weile, bis er begreift: Das seltsame Geräusch gehört nicht zum Spiel. Das kommt von unten. Hier im Haus. Obwohl sein Herz bis zum Hals schlägt, entschließt Martin sich, im Treppenhaus nach dem Rechten zu schauen. Das Poltern kommt näher, mit jedem Schritt, den er Richtung Erdgeschoss macht. Dann bemerkt er, dass die Geräuschquelle ein auf der Treppe liegender MP3-Player ist. Als Martin seine Freunde von oben schallend lachen hört, wird ihm klar, dass sie ihm einen Streich gespielt haben. Es dauert eine Weile, bis Martin mitlachen kann …
Den Nervenkitzel, sich in die virtuelle Hölle von God of War 3 zu begeben, hat Martin freiwillig gesucht. Den Gang ins plötzlich bedrohlich wirkende Treppenhaus dagegen hätte er sich lieber gespart. Die "Angstlust" pendelt zwischen zwei gegensätzlichen Polen: Reiz der Gefahr und Sorge um unser Wohlergehen. Nur wenn der Thrill größer ist als die Bedenken, macht uns die Furcht – so paradox es klingt – Spaß.
Dies belegt Professor Borwin Bandelow, Gründer der Gesellschaft für Angstforschung, am Beispiel einer Achterbahnfahrt: "Unser primitives Angstgefühl schreit: ‚Oh je, ich klatsche gleich gegen die Wand!' Unsere rationale Gegenstimme aber sagt: ‚Keine Panik, die Anlage ist TÜV-geprüft.' Am Schluss folgt die Belohnung: das gute Gefühl, eine gefährliche Situation unbeschadet gemeistert zu haben."
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