Süßer Horror: Blick in die Trickkiste

Special Michael Eichhammer

Warum macht uns Angst so viel Spaß, wieso sind Resident Evil, Dead Space oder Silent Hill so beliebt? Cynamite zieht aus, um das Fürchten zu lernen - willkommen bei unserem großen Grusel-Special!

Blick in die Trickkiste

Matthias Pfetzing Quelle: (c) Matthias Pfetzing Matthias Pfetzing Der Medienwissenschaftler Matthias Pfetzing veranstaltet im Filmmuseum Düsseldorf Führungen zum Thema "Warum wir uns so gerne gruseln". Er verrät, wie Filme- und Spielemacher uns erschrecken: "Disharmonische Musik und tiefe Töne unterstreichen die bedrohliche Atmosphäre. Die Beleuchtung ist immer sehr dunkel, die Farbwahl trist und grau. Auch ungewöhnliche Kameraperspektiven unterstützen das Unheimliche. Außerdem spielen Horror-Filme und Grusel-Games mit dem Unerwarteten. So geht einmal die Tür auf, Gruselmusik ertönt und es passiert nichts. An anderer Stelle ahnt und hört man nichts Böses und genau dann kommt der Serienmörder."

Tierisches Vergnügen

Der Filmwissenschaftler Rolf Giesen, von Gruselfans mit dem Ehrentitel "Doktor Horror" versehen, erklärt, warum Tiermonster und Mischwesen aus Mensch und Tier im Gruselfilm so beliebt sind: "Die Menschen wollten schon seit Urzeiten immer so sein wie das stärkste Tier ihrer Region – wie ein Stier, Bär oder Wolf … Diese Sehnsucht spiegelt sich in Filmen." Jüngstes Beispiel: Wolfman, das Remake eines Horror-Klassikers."

Interview mit dem Angstforscher Prof. Dr. Pape

Wie entsteht Angst?
"Ein Teil unserer Ängstlichkeit ist angeboren, der andere Teil sind individuelle Erfahrungen. Wenn ich zum Beispiel als Kind von einem Hund gebissen wurde, werde ich mich später vor Hunden hüten – bis ich lerne: Nicht jeder Hund beißt. Bei Angststörungen aber passiert dieses Überschreiben der alten Information nicht. Betroffene können nicht differenzieren, ob eine Situation bedrohlich ist oder nicht."

Warum haben Menschen Angst?
"Sonst wären wir beide nicht mehr am Leben. Wir müssen lernen, was gefährlich ist – zum Beispiel ein Auto, das auf uns zufährt. Die Angst darf uns nur nicht beherrschen."

Interviews mit Horror-Fans:

Dirk, 26: "Bei Filmen fragt man sich: ‚Was passiert als Nächstes mit dem Schau-spieler?' Bei Spielen aber frage ich mich: ‚Was passiert als Nächstes mit mir?'"

Karsten, 36: "Die Faszination am Horror liegt darin, Urängste zu erleben. So übersteht man emotionale Extremsituationen, die im Alltag nicht mehr zu finden sind."

Virginia, 18: "Für mich sind diese Spiele eine gute Möglichkeit, Aggressionen abzubauen. Ich spiele auch alle möglichen anderen Spiele, doch bevorzugt Horrorspiele, weil sie spannender sind."

Larissa, 19: "Ich spiele die Games nur mit Freunden, weil ich sonst zu viel Angst habe. Wenn ich einen Horrorfilm doch mal alleine schaue, muss ich nebenbei tele-fonieren – und zwar den ganzen Film lang."

Adis, 20: "Bei Resident Evil 5 habe ich mich einmal so erschrocken, dass ich den Con­­­troller gegen den Fernseher geschmissen und die Konsole sofort ausgeschaltet habe, obwohl mich eigentlich sonst so schnell nichts schockt."

Gary, 31: "Als ich jünger war, wollten wir uns in der Clique mit solchen Filmen und Spielen gegenseitig beweisen, wie mutig wir sind. Mittlerweile weiß ich am Horror-Genre die Kreativität und Fantasie zu schätzen."

Wie ist eure Einstellung zu gruseligen Videospielen oder Filmen? Spielt ihr diese gerne - gerade wegen dem Angstkick? Oder ist das für euch viel zu aufregend? Wir sind gespannt auf eure Meinung!

  1. Seite 1 Süßer Horror: Einleitung
  2. Seite 2 Süßer Horror: Angst oder Angst-Simulation?
  3. Seite 3 Süßer Horror: Das Spiel ist in dir, nicht umgekehrt
  4. Seite 4 Süßer Horror: Todesangst statt »Game Over«
  5. Seite 5 Süßer Horror: Blick in die Trickkiste
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