Die Kunst des Ekelns - Training für die Nackenhaare - Seite 2

Special Antonia Dreßler Maria Beyer-Fistrich
Die Kunst des Ekelns - Training für die Nackenhaare - Seite 2
Quelle: Ebb Software

Sich so richtig zu ekeln, ist keine schöne Sache. Übelkeit, Schwindel, das Rümpfen der Nase und verkrampfte Körperteile sind nur einige der Symptome, wenn wir starken Widerwillen verspüren. Warum wir uns manchmal trotzdem ekeln wollen und was das mit uns macht, erklären wir euch in unserem Special und stellen euch einige der "ekelhaftesten" Spiele vor. Mit Video!

Ekel und Sex

Besonders übel sind Bilder, die wir mit Verletzungen und Krankheiten unseres eigenen Körpers verbinden. Während Outlast in dieser Disziplin königlich stark vorlegt und wir anschauen müssen, wie Richard Trager uns ein paar Finger abschneidet, küren wir Dante's Inferno im Bereich Verstümmelung zum alleinigen Ekel-Sieger. Nicht nur sehen wir Dante im Intro dabei zu, wie er sich ein Kreuz in die nackte Brust näht, sondern kämpfen später gegen die Personifizierung aller Geschlechtskrankheiten. Im zweiten Kreis der Hölle regiert Kleopatra als Königin der Lust - so ansehnlich, wie sie zu Lebzeiten war, ist sie es jetzt leider nicht mehr, stattdessen hat sie Ausschlag im Gesicht und verfärbte Fingernägel. Wollust und Ekel passen nicht nur überhaupt nicht zusammen, sondern unterdrücken sich jeweils gegenseitig.

Wo man sexuelle Lust verspürt, unterdrückt man Gedanken über unangenehme Körperflüssigkeiten, und in Dante's Inferno kommt im Umkehrschluss kein Wunsch nach einer Nacht mit Kleo auf. Das Konzept Ekel und Horror mit Erotik zu verbinden, wurde dennoch schon einige Male erprobt. Cassus Vicus aus Clive Barker’s Jericho hängt nicht etwa unfreiwillig an der Decke. Der BDSM-Bezug soll dadurch ins Abartige gelenkt werden, dass er fett ist. Auch neuere Titel schaffen selten eine weniger plumpe Metapher. Quelle: PC Games Cassus Vicus aus Clive Barker’s Jericho hängt nicht etwa unfreiwillig an der Decke. Der BDSM-Bezug soll dadurch ins Abartige gelenkt werden, dass er fett ist. Auch neuere Titel schaffen selten eine weniger plumpe Metapher. Titel wie Lust for Darkness oder Agony werben mit einer Mischung aus pulsierendem Gewebe, verstörenden Sexfantasien und erotischen Frauenbildern. Leider fehlt es diesen Spielen fast immer an Innovation: Wo echter Ekel und sexuelle Reize verschmelzen könnten, bleibt beides auf der Strecke. Die eigentlich abstoßende Umgebung tritt aufgrund ihrer Redundanz in den Hintergrund und Brüste als einziges Sexsymbol geben einfach zu wenig her. Nach dem Vorbild von Cassus Vicus aus Clive Barker's Jericho entstehen die immer gleichen "Erwachsenen-Horror-Spiele", die schon längst nicht mehr schockieren. Die Story bleibt dabei stets auf der Strecke, sexistische Klischees geben sich die Klinke in die Hand und Furcht empfindet man nur angesichts ödem Gameplays.

Ekel um des Ekels willen

Der siebte Teil der Resident-Evil-Reihe schreckt vor nichts zurück, wenn es um Ekel geht. Insekten, Tentakel, Gedärme und Schleim sind nur eine kleine Auswahl, die uns in Biohazard erwarten. Wer schon jemals in den Körper einer kopflosen Leiche greifen wollte und sich gefragt hat, wie Berge von verdorbenen Essen aussehen, der fühlt sich in diesem Spiel pudelwohl. Mit einem harten Magen darf man sich zusätzlich ins Schlafzimmer-DLC wagen: Eingesperrt in einem kleinen Raum habt ihr die simple Aufgabe zu fliehen. Marguerite wird dabei immer überprüfen, dass ihr im Zimmer nichts verändert habt und füttert euch nebenbei mit dem Ekelhaftesten, was die Horrorküche zu bieten hat. Der Horror für Trypophobiker und alle Menschen, die Brustwarzen haben … Diese Szene ist mit das Ekelerregendste, was die Spielwelt so zu bieten hat. Quelle: PC Games Der Horror für Trypophobiker und alle Menschen, die Brustwarzen haben … Diese Szene ist mit das Ekelerregendste, was die Spielwelt so zu bieten hat.

Capcom traut sich mit diesem Titel, Ekel so drastisch darzustellen, dass er auch abseits vom Horrorsetting funktionieren würde. Bis wir technologisch irgendwann so weit sind, dass wir beim zocken bestimmte Gerüche in der Nase haben, ist die Aversion gegen ekelhafte Dinge in Spielen zumeist nur ein Abklatsch gegenüber echten Erfahrungen. Wir denken aber, dass wir dankend auf eine gesteigerte Immersion verzichten, wenn wir dafür niemals an einem verwesenden Leichnam schnuppern müssen.

Die hohe Kunst des Ekelns schreibt sich zuletzt Scorn auf die Fahne: Seit acht Jahren in der Entwicklung soll der Debüttitel von Ebb Software ein Fest des Sich-Schüttelns werden. Missgestaltete Kreaturen, die dynamisch auf den Spieler reagieren, jagen uns durch Komplexe aus organischen Gebilden. Knochige Strukturen, die mit dünner Haut überzogen scheinen; arterienartige Wurzeln, die sich über Boden und Wände ziehen; gepaart mit termitenartigen Krabblern präsentieren die Welt als kranken Organismus, der uns abstoßen will. Etliche Schläuche und Mechaniken erinnern uns hingegen an eine beklemmende Alien-Dystopie und grausame Experimente. Dass wir Türen und Wände bedienen, indem wir unsere Arme in pulsierende Geflechte stecken und sogar unsere Waffe ein Eigenleben hat, steigert unsere Faszination für das Abartige fast ins Grenzenlose.

Natürlich lässt sich die Liste von ekelhaften Begegnungen in Spielen beliebig ausweiten und vor allem im Horrorgenre werden wir nicht müde, immer neue Beispiele auszugraben. Das ist gar nicht so verwunderlich, schließlich zielen viele Gruselspiele auf bestimmte Phobien ab, die zwar primär mit Angst zusammenhängen, aber auch Ekel triggern können. Dass so ziemlich jedes Horrorspiel wenigstens ein paar Zombies integriert und warum dieser Monster-Typ so gut funktioniert, hat man in Studien ebenfalls herausgefunden: Wer sich ekelt, hat stärkere Gedanken an den Tod und an sein eigenes Ableben. Zombies erfüllen somit eine Doppelfunktion und schüren Angst vor sich selbst - der ideale Mob-Gegner!

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
  1. Seite 1 Die Kunst des Ekelns - Training für die Nackenhaare - Seite 1
  2. Seite 2 Die Kunst des Ekelns - Training für die Nackenhaare - Seite 2
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk