Die Kunst des Ekelns - Diese Spiele sind anziehend und abstoßend zugleich - mit Video

Special Antonia Dreßler Maria Beyer-Fistrich
Die Kunst des Ekelns - Diese Spiele sind anziehend und abstoßend zugleich - mit Video
Quelle: Ebb Software

Sich so richtig zu ekeln, ist keine schöne Sache. Übelkeit, Schwindel, das Rümpfen der Nase und verkrampfte Körperteile sind nur einige der Symptome, wenn wir starken Widerwillen verspüren. Warum wir uns manchmal trotzdem ekeln wollen und was das mit uns macht, erklären wir euch in unserem Special und stellen euch einige der "ekelhaftesten" Spiele vor. Mit Video!

Spinnen, Maden, Exkremente - alles Dinge, vor denen wir uns in der Regel sehr ekeln. Tatsächlich hängt diese Abwehrreaktion aber nicht nur mit anderen Gefühlen wie Angst oder Freude zusammen, sondern fasziniert auch sehr viele Menschen. Eine ganz eigenwillige Wirkung haben abstoßende Bilder auf Liebhaber von Gore- und Slasher-Filmen. Gerne ziehen sich diese Gruppen entgleisende Gewalt, abartige Verstümmelungen und schlimmeres rein. Der Reiz dieser Genres ist die körperliche Reaktion auf das Gezeigte. Wie bei Horror, Comedy oder Tragödien reagiert der Körper eigenständig auf das erlebte und wir sind nur Beifahrer, während sich unsere Brust zusammenschnürt und wir unwillkürlich die Nase rümpfen.

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Ekel als Emotionsverstärker

Dass sich nicht alle Menschen vor den gleichen Dingen ekeln, liegt daran, dass Ekel keine angeborene Eigenschaft ist. Zwar verziehen Neugeborene das Gesicht, wenn sie bittere oder saure Sachen probieren, das braune Zeug in der Hose ist deshalb aber noch lange nicht abstoßend. Ekel ist Alleine das Thema eines totgeborenen Babys ist schon ein Tabubruch, aber mit der expliziten Darstellung eines Albtraum-Fötus überrascht uns The Witcher 3 dann doch. Quelle: PC Games Alleine das Thema eines totgeborenen Babys ist schon ein Tabubruch, aber mit der expliziten Darstellung eines Albtraum-Fötus überrascht uns The Witcher 3 dann doch. stattdessen anerzogen und je sozialisierter eine Gesellschaft, desto mehr Ekelreize existieren. Das Schlachten eines Tieres oder das Leeren eines Nachttopfs sind erst widerlich, seitdem die Stadtbevölkerung dies nicht mehr nötig hat: Erst das Tabu etabliert eine körperliche Abwehrreaktion.

Und wo ein Tabu existiert, gibt es auch immer einen Spieleentwickler, der es brechen will. There's Poop In My Soup und Genital Jousting sind dabei nur die offensichtlichsten Vertreter dieser Strömung. So richtig eklig wird es aber meistens erst in Horrorspielen und genrenahen Titeln. In The Witcher 3 haben wir angesichts der Muhmen und halbverrottenden Leichen zum Beispiel gedacht, es wird schon nicht schlimmer - bis wir uns mit einem Botchling auseinandersetzen mussten.

Eine verwaiste Frühgeburt und ungewollte Schwangerschaft sind für CD Project wohl nicht genug gebrochene Tabus, stattdessen präsentiert man uns eine blutsaugende, halbverweste rote Masse. Der Schockmoment wirkt und es fällt uns zunächst schwer, mit der Kreatur mitzufühlen. Doch gerade die körperliche Aversion gegenüber dem Frühchen lässt das Geschehen umso tragischer erscheinen, wenn der blutige Baron das Kind schließlich anerkennt.

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Moralische Bedenken

Als Geralt erwischt uns der eklige Moment recht kalt, immerhin wirken die Welt und die vielen Menschen darin gar nicht so düster und abschreckend, wie in anderen Spielen, die eine richtige Erwartungshaltung aufbauen. Das recht harmlose Bioshock etabliert zum Beispiel früh das Gedankenspiel, was passierte, wenn ein Schönheitschirurg sich zum nächsten Picasso ausruft. Der Kunstkenner sollte an dieser Stelle zusammenzucken und tatsächlich ähneln die Resultate nicht wirklich unseren gängigen Schönheitsidealen. Auch eine Schönheitsoperation kann unter den Tabubruch fallen. Die Frage, was Schönheit ist und die grauenvollen Konsequenzen daraus dürfen wir in Bioshock näher betrachten. Quelle: PC Games Auch eine Schönheitsoperation kann unter den Tabubruch fallen. Die Frage, was Schönheit ist und die grauenvollen Konsequenzen daraus dürfen wir in Bioshock näher betrachten.

Untermalt wird die Szenerie mit einer Audiospur zur genannten OP - Wahnsinn, Ekel, Kunst und Schönheit bringt 2K Games hier in perfekte Harmonie und würzt das Ganze mit einer Prise Gänsehaut. Dass die operierten Frauen starken Widerwillen in uns auslösen, ist unbestreitbar. Und die entstellten Gesichter sind Beispiele für moralischen Ekel. Wir reagieren nicht auf unsere Sinnesreize, sondern dem Widerspruch zu unseren Vorstellungen von "richtigem" Handeln.

Natürlich kann jedes Souls-like mit einzelnen ekligen Monstern aufwarten und lacht über das bisschen Blut, Schweiß und Tränen anderer Titel. Doch während die Bosse in Dark Souls vor allem "badass" und einschüchternd sind, achten wir in Bloodborne penibel darauf, uns nicht zu viele Details der Albtraum-Kreaturen einzuprägen. Hitzige Debatten darüber, welcher Boss für größeren Schrecken sorgt, sind noch lange nicht beigelegt: Obwohl der halbverweste Mutantenkadaver von Ludwig sehr verstörend ist, schafft die Spinne Rom es als deformierte Tarantel jedem Arachnophoben das Blut in den Adern gefrieren zu lassen.

Apropos Horrorspinnen

In The Evil Within erleben wir nicht nur einige gehörige Jumpscares, sondern zucken auch regelmäßig zusammen angesichts der expliziten Darstellungen von Gedärmen, Körperflüssigkeiten und mutiertem Gewebe. Zum Ekelfaktor Spinne, Eiter und Kettensäge gesellt sich Psychoterror und der Schreckmoment einer fraulichen Arachnengestalt, die sich aus einer Blutpfütze erhebt. Laura mag eine schöne Frau gewesen sein, bevor sie im Alleine die Idee eines untoten Stativs, dass aus mehreren Menschen zusammengesetzt ist, widert uns an. Die umgesetzte Version herumstolzieren zu sehen, macht es leider nicht besser. Quelle: PC Games Alleine die Idee eines untoten Stativs, dass aus mehreren Menschen zusammengesetzt ist, widert uns an. Die umgesetzte Version herumstolzieren zu sehen, macht es leider nicht besser. Spiel ihr Wiedererwachen als sechsarmige Kreatur erlebt. Nun sind ihre verbrannte Haut und ihre überlangen Fingernägel ein deutliches Signal an uns: Eklig - nicht anfassen. Dabei ist Laura nicht einmal das deformierteste und abartigste Wesen in der Spiele-Reihe, denn in The Evil Within 2 darf Obscura ihr Debut feiern. Die lebendige Kamera besteht aus drei zusammengenähten Beinen und unzählbar vielen Metallstäben.

Die Ballerinaschühchen und der grausame Geist dieses Konstrukts sind Symbol für die toten Frauen, aus denen Obscura entstand und ihrer Perversion.Obwohl wir auch moralischen Widerwillen empfinden, rufen die Spinnenbewegungen ganz eigene Abwehrreaktionen hervor. Denn Ekel entwickelt sich oft durch Assoziationen - Apfelsaft aus Urinprobegläschen und Schokopudding in Kotform würde niemand freiwillig konsumieren. Und etwas, das wie eine Spinne krabbelt, hat im Zweifelsfall acht Augen und einen großen Kiefer. Laura? Nein, Danke.

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