Palworld klaut bei Pokémon: Ist das Inspiration oder schon Diebstahl?
Kolumne
Ein kleines japanisches Studio kündigte 2021 sein zweites Early-Access-Spiel an. So weit, so unspektakulär, doch ab dem 19. Januar 2024 brach Palworld einen Rekord nach dem anderen! Doch der Erfolg hat eine Schattenseite ...
Sägen wir jedes MMORPG im Fantasy-Stil ab, weil die ja im Grunde alle gleich sind? Meckern wir, weil jeder Online-First-Person-Shooter gefühlt gleich ist? Ja, das tun wir! Aber das tun wir eben, weil Innovationen fehlen, nicht, weil sich die Spiele per se ähneln. Mit XDefiant bringt Ubisoft 2024 einen Shooter raus, der de facto eine Kopie von Call of Duty ist. Warum werden die Stimmen hier nicht lauter?
Ganz einfach: XDefiant gibt den Spielern genau das, was sie sich wünschen, von Call of Duty aber nicht bekommen. 2023 gab es einige Anspielmöglichkeiten und das Spiel konnte überzeugen, weil es jene Elemente übernimmt, die Call of Duty vor über zehn Jahren spätestens mit der Black-Ops-Subserie ins Rampenlicht rückte.
Weiteres Beispiel: UFL. Das ist kein "FIFA-Abklatsch", nur weil es ein Fußballspiel ist. Zwar ist die Fußball-Simulation bisher nicht erschienen, aber auch scheint sind die Motivation der Macher ähnlich: Man möchte Fußball-Fans das geben, was in EA Sports FC fehlt oder auch stört. Der Fußball soll im Vordergrund stehen und Ingame-Käufe soll es gar nicht geben.
Und dann gibt's natürlich noch die schier unzähligen Survival-Games, die sich alle sehr ähnlich anfühlen, seien es Rust, The Forest oder von mir aus auch DayZ, womit die Vorliebe fürs Genre zumindest bei mir anfing.
Das einzige Spiel, das da mal so richtig heraussticht, ist Scum. Ein Spiel, das unfassbar viele Freiheiten bietet und den Überlebenskampf noch härter macht als vergleichbare Abenteuer. Pinkeln als Spielelement - Hideo Kojima gefällt das!
Quelle: Pocket Pair
Ihr merkt schon, worauf ich hinaus möchte: Kleine Weiterentwicklungen sind manchmal besser als völlige Neuschaffungen. Das belebt auch das Geschäft bis zu einem gewissen Punkt.
Ich tue mich ohnehin schwer damit, mich ständig in völlig neue Spielsysteme hineinzufuchsen und hangle mich lieber an Altbekanntem entlang, besonders dann, wenn ich ein Spiel, Genre oder Element sowieso schon mag und entsprechende Erwartungen mit mir bringe.
Aber klar, Pocket Pair hat diese Art der Spielgestaltung mit Palworld schon auf die Spitze getrieben und geht dabei ganz schön frech vor. Für das Spiel schnappte man sich zahlreiche Stücke aus anderen Spielen, die bei den Fans beliebt sind und fügte sie neu zusammen.
Geht das zu weit? Nun, Pokémon-Spieler haben sich ja schon immer ein hübsches Open-World-Game gewünscht, in dem man frei entscheiden kann, welches Tierchen man wie fängt und deutlich mehr Freiheiten hat als in den "normalen" Spielen der Reihe. Fragen wie "kann man mit den Bällen eigentlich auch Menschen fangen?" oder "was, wenn ich auf die Viecher eindresche?", werden im Spiel geklärt.
Dazu kommt eine Optik, die an die aktuellen Zelda -Spiele erinnert. Breath of the Wild sorgte ohnehin für einen neuen Geist in der Gestaltung von Open-World-Adventures. Für viele Switch-Spieler hat sich der erste Besuch im Switch-Hyrule eingeprägt und gute Gefühle hinterlassen.
Palworlds Survival-Aspekte sind rudimentär und nicht überfordernd. Spieler müssen lediglich auf die Hunger- und Lebensleiste und die aktuelle Temperatur achten. Auch die Pals selbst haben nur gelegentlich Hunger oder fühlen sich gestresst. Das macht das Spektakel einsteigerfreundlich für Neulinge.
Ohne Ziel zum Ziel
Und obwohl es - noch -kein echtes Ziel gibt, fehlt es nicht an Motivation, weiterzuspielen. Wurde einmal eine eigene Basis errichtet, gilt es, diese bis zum 50. Level immer weiter zu optimieren: Aus Holz wird Stein, aus Steinwerkzeug wird Eisenwerkzeug.
Es gibt kein besseres Gefühl, als seine Prozesse zu automatisieren, sodass man sich gleichzeitig völlig anderen Aufgaben widmen kann und der Laden einfach läuft!
Features, die in uns gute Gefühle wecken oder gar Glücksgefühle auslösen - das ist es, was Palworld auszeichnet. Heruntergebrochen auf seine Teilelemente ist das Spiel eigentlich nur Durchschnitt. Aber die Summe der einzelnen Teile macht's, und die bietet: Freude am Spielen und Entdecken, ohne sich irgendwelchen Herausforderungen stellen zu müssen.
Alles nur geklaut?
Nur hat das spaßige Abenteuer auch einen faden Beigeschmack. Inspiration und Weiterentwicklung bestehender Ideen sind wie erörtert vollkommen ok. Kritisch wird es, wenn man sich fremder Ideen bedient und sie gnadenlos kopiert. All die ulkigen Vergleiche à la "Pokémon mit Waffen" sorgten dafür, dass sich Spieler in Scharen auf das Spiel stürzten. Mit der großen Begeisterung ging aber auch die große Kontroverse daher.
