Palworld: Wo hört Inspiration auf und wo fängt Diebstahl an?
Kolumne
Ein kleines japanisches Studio kündigte 2021 sein zweites Early-Access-Spiel an. So weit, so unspektakulär, doch ab dem 19. Januar 2024 brach Palworld einen Rekord nach dem anderen! Doch der Erfolg hat eine Schattenseite ...
Viele der namensgebenden Pals sehen wie Nachbildungen bestehender Pokémon aus, lediglich die Farben und kleine Details wurden abgeändert. Natürlich ist es schwierig, bei mittlerweile über 1000 Pokémon Wesen zu schaffen, die nicht an irgendeines der existierenden Monster erinnern, aber die Ähnlichkeiten sind zu eindeutig. Zumal es im Spiel einen sogenannten Paldex gibt, der die 111 Pals auflistet - noch klarer hätte man die Parallelen nicht aufzeigen können.
Darunter finden sich Pals wie Univolt, das dem Pokémon Zebstrika sehr ähnlich sieht, oder Anubis, das einer ägyptischen Version von Lucario gleicht. Richtig schwierig wird es bei Tierchen wie Lamball, das eigentlich einfach nur ein Schaf ist, durch die Gestaltung aber doch wieder extrem an Wooloo erinnert. Hat Pokémon einen Anspruch auf Einzigartigkeit bei Schafsmonstern, oder ergibt sich die Ähnlichkeit da automatisch? Schwierig.
Seit Release steht also der Vorwurf im Raum, dass 3D-Modelle aus Pokémon-Spielen kopiert und bearbeitet wurden. Der Pocket-Pair-CEO weist natürlich jegliche Plagiatsvorwürfe zurück und spricht von Verleumdung gegenüber den Künstlern und dass diese - natürlich völlig inakzeptablen - Todesdrohungen ausgesetzt seien. Zudem erklärt er, dass die Entwicklung von mehreren Personen überwacht worden sei und dadurch Plagiate ausgeschlossen seien.
Die Antwort der Pokémon Company
Auch das allseits beliebte Thema KI kam in dem Zusammenhang auf. In der Vergangenheit zeigte sich der CEO begeistert von künstlicher Intelligenz und der Möglichkeit, Spieleentwicklung dank ihres Einsatzes einfacher zu gestalten. Das Spiel AI: Art Imposter, ebenfalls von Pocket Pair entwickelt, wirkt da natürlich, als würde das Team absichtlich Öl ins Feuer gießen.
Auf Reddit und Twitter kursieren Gerüchte, dass man Pokémon-Modelle genommen und die durch eine KI gejagt habe. Doch für diese Anschuldigungen gibt es keine handfesten Beweise. Und auch wenn KI zum Einsatz gekommen sein sollte, heißt das nicht, dass sie unbedingt für die Gestaltung der Monster genutzt wurde. Im Coding kann KI eine große Hilfe sein, ohne dass der kreative Prozess dadurch beeinflusst würde
Und wie geht's nun weiter? Die Pokémon Company hat sich das Spektakel nach dem Palworld-Launch einige Zeit angeschaut und dann in einem Statement erklärt, dass man die Lage untersuchen und gegebenenfalls "geeignete Maßnahmen" ergreifen würde, also überlegt, auf Unterlassung und Schadenersatz zu klagen.
Klar, die Pokémon Company muss und sollte ihre IP schützen und entsprechend prüfen, ob Palworld zu weit gegangen ist. Ich denke aber, dass sich das Team von Pocket Pair vorab genug Gedanken gemacht hat, um sich abzusichern und auch die sehr späte Reaktion der Pokémon Company ist ein Zeichen dafür. Warum sonst nicht einschreiten, während die Entwicklung im Gange ist, sondern ernst, wenn das Ding schon erschienen ist?
Am Ende ist es doch so: wäre Palworld gefloppt, hätte sich niemand für die Ähnlichkeiten zu anderen Spielen interessiert. Da es jedoch so gut ankommt, sorgt es natürlich für Diskussionsstoff. Für mich ist es aber nur eine Weiterentwicklung verschiedener Ideen in einer erfrischenden Kombination. Natürlich schauen Entwickler auch mal nach links und rechts und checken die Konkurrenz.
Fighting Games und Rennspiele entwickeln sich so seit Jahren weiter. Oceanhorn ähnelt stark der Zelda-Reihe, Shovel Knight hat das 2D-Plattformer-Genre nicht neu erfunden, und wenn wir schon die ganze Zeit bei Pokémon waren, soll Yokai-Watch nicht unerwähnt bleiben. Die Entwickler nahmen sich etwas, was schon existiert, woran Spieler Freude haben, und machten ihr eigenes Ding daraus. Und das nenne ich Inspiration, nicht Diebstahl.
Quelle: 4netplayers.com
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