Redakteur Michi verrät euch in der aktuellen Folge der PCG Garage die Besonderheiten von Langstreckenrennen wie den 24 Stunden von Le Mans im Sim-Racing.
Kontinuität ist der richtige Weg
Wie im echten Leben muss ich während Langstreckenrennen zwar auch schnell sein, doch Ausdauer und mentale Stärke zahlen sich genauso aus. Es braucht einen Mix aus etlichen Punkten, um am Ende als Erster über die Ziellinie zu fahren beziehungsweise überhaupt anzukommen.
Selbst Max Verstappen passt seinen Fahrstil an, wenn er bei den 24-Stunden-Rennen vom Nürburgring oder den Events der NLS an den Start geht. Ich kann den Wettbewerb in der ersten Runde nicht gewinnen, aber sehr wohl verlieren.
In Rennsimulationen gibt es wie in der Realität keine zweite Chance. Wenn ich mein Auto nach mehreren Stunden Konzentration und hartem Kampf in die Leitplanke feuere, dann bin ich ausgeschieden. Mir steht keine Rückspulfunktion zur Verfügung, es ist aus und vorbei.
In diesem Artikel
Mich kann im Sim-Racing mittlerweile die harte Welt des Motorsports einholen und ich finde das dennoch super. Vor allem bei richtigen 24-Stunden-Rennen trete ich nämlich auch noch im Team an. Die mentale Belastung, für das Ausscheiden der kompletten Mannschaft verantwortlich zu sein, darf ich dabei nie vergessen. Der Druck ist gewaltig.
Der Community-Gedanke
Trotzdem gehört für mich das Team-Fahren eindeutig zu den positiven Aspekten. Ich kann mich mit Freunden verabreden und gemeinsam eine schöne Zeit verbringen. Einer fährt, der Rest wartet auf den Einsatz und plaudert währenddessen im Voicechat.
Bei Langstreckenrennen wechseln sich schließlich mehrere Fahrer zwischendurch immer wieder ab. Alle übernehmen bestimmte Stints. Während ein Kollege eventuell seine Stärken in der Nacht hat, übernimmt ein anderer die hektische Startphase.
Quelle: PC Games
In der Startphase geht es ziemlich eng zu. Bei Ausdauer-Events dürfen Fahrer aber nicht vergessen, dass das Rennen in der ersten Kurve lediglich verloren werden kann.
Man legt sich vorab eine Strategie zurecht und plant bei besonderen Vorkommnissen gemeinsam um. In Sprintrennen zählt bei Boxenstopps jede Sekunde, in Endurance-Wettbewerben bleibt da aufgrund einer Mindeststanddauer mehr Zeit für Fahrerwechsel und Setup-Anpassungen.
Außerdem kann ich meinen Teamkollegen wie in der Realität Tipps auf den Weg geben. Wo gibt es feuchte Stellen auf der Strecke? Wann beginnen die Reifen nachzulassen? Wie verhält sich das Auto vollgetankt? Das sind wichtige Fragen, die ich nach meinem Stint weiß und meine Mitfahrer nicht.
Im Nachgang lassen sich zusätzlich noch bestimmte Situation besprechen. Man kann gemeinsam fachsimpeln, lachen und Ratschläge geben. Der Team-Gedanke ist bei langen Rennen immens wichtig und sorgt auch im Sim-Racing für tolle Momente.
Quelle: PC Games
Während Boxenstopps werden in Endurance-Rennen nicht nur Reifen gewechselt und nachgetankt, sondern auch die Fahrer ausgetauscht.
Festival-Atmosphäre
Die kommen auch nicht von ungefähr, denn 24-Stunden-Rennen ähneln Musikfestivals. Fans feiern die Fahrer und sich selbst abseits der Strecke, grillen, trinken und haben mit ihren Freunden eine gute Zeit. Wer schon einmal virtuell bei Nacht über die Nürburgring-Nordschleife geheizt ist, der weiß, dass man selbst in Simulationen wie Automobilista 2 und Assetto Corsa EVO diese Stimmung erlebt.
Ich höre Musik, entdecke Feuerwerk, mir strahlen Lichter entgegen und überall stehen Menschen und Camper. Die Atmosphäre bei solchen Veranstaltungen ist einzigartig und mit kurzen Rennen nicht zu vergleichen.
Außerdem gehört Regen zu jedem guten Festival dazu. Ich glaube, ich war noch nie auf so einem Event, ohne einen Tag schlechtes Wetter erlebt zu haben. Niederschlag zählt auch auf der Strecke zu den besonderen Herausforderungen, die ich meistern muss.
Quelle: PC Games
Eine rutschige Fahrbahn sorgt schnell für Unfälle. Neben Multiclassing und Nachtfahrten zählen Wetterwechsel zu den größten Herausforderungen in mehrstündigen Wettbewerben.
In sechs Stunden kann ein Schauer schließlich eher zuschlagen als bei einem einstündigen Event. Langstreckenrennen finden zudem meistens auf langen Kursen statt. Die Nordschleife führt mit ihrer Gesamtlänge von über 25 Kilometern pro Runde das Ranking an, doch auch Le Mans (13,6 Kilometer) und Spa (7 Kilometer) zählen zu den längeren Rennstrecken.
Vor allem Spa und der Nürburgring befinden sich außerdem in Regionen, in denen ein Wetterwechsel innerhalb weniger Minuten stattfinden kann. Manche Streckenabschnitte können feucht oder sogar komplett nass sein, während es ein paar Kilometer weiter trocken bleibt. Die Anpassung an diese Bedingungen und die richtige Reifenwahl zu treffen, entscheidet bei wechselhaftem Wetter über Sieg und Niederlage. Denn ein Crash ist gerade bei solchen Verhältnissen schnell passiert.
