30 Jahre PC Games: Eine Reise durch die Heftgeschichte - Teil 2

Special Felix Schütz
30 Jahre PC Games: Eine Reise durch die Heftgeschichte - Teil 2
Quelle: PC Games

Drei Jahrzehnte, 362 Hefte, Dutzende Autoren, Hunderte Kollegen, unzählige Spiele - das ist die bewegte Geschichte der PC Games. Wir laden euch ein auf einen Trip in die Vergangenheit, von unseren Anfängen bis in die Gegenwart: Im zweiten Teil unserer großen Rückblick-Serie begleiteten wir die PC Games auf ihrem Weg zum meistverkaufen PC-Spielemagazin Europas, erleben eine Kehrtwende und führen bizarre Tagebücher und Kolumnen ein.

Willkommen im zweiten Teil unseres großen Heftrückblicks! Mittlerweile sind wir im Jahr 1998 angelangt. Hardware-Tests sind nun besonders gefragt, man übersteht kaum ein Jahr, ohne eine Komponente nachzurüsten. Spiele verschlingen problemlos Hunderte Megabyte auf der Festplatte, 19"-Monitore kommen auf den Tisch. Wer einen neuen Joystick sucht, greift zum Force Feedback Pro aus Microsofts Sidewinder-Serie, der dank Vibrationsmotor ein realistisches Spielgefühl vermitteln soll. PC Games startet in dieses vollgepackte Jahr mit noch mehr Tipps und Tricks, der Heftumfang wächst dank massenhaft Anzeigen auf schwindelerregende 338 Seiten. Einige davon sind wieder mal Peter Molyneux gewidmet, der seit Dungeon Keeper zu einer Art Stammgast im Heft geworden ist. Nun stellt er seinen neuesten Streich vor, der schon bald einen regelrechten Hype lostreten soll: Black & White. Der berühmte britische Game Designer Steve Jackson, der ebenfalls Teil des Entwicklerteams ist, wird danach eine eigene Heftrubrik erhalten. In seinem Tagebuch berichtet er über insgesamt 41 (!) Ausgaben hinweg von den Entwicklungsarbeiten und Neuerungen aus Black & White. Ein Wahnsinn, den damals noch niemand kommen sah.
Artikel verpasst? Hier findet ihr die anderen Teile unserer Reihe:
Erster Teil: 1992 bis 1997
Dritter Teil: 2004 bis 2008
Vierter Teil: 2009 bis heute

Trotz beeindruckender 3D-Grafiken erleben wir aber auch einen starken Gegenentwurf: Wir testen 2D-Meisterwerke wie Fallout und Anno 1602, dazu landen Jagged Alliance 2 und Age of Empires 2 im Vorschauteil. Alles Titel, die seitdem Kultstatus genießen. Denn damals wie heute gilt: Für gute 2D-Spiele ist auf dem PC immer ein Plätzchen frei.
Steve Jackson's bizarres Tagebuch blieb uns über 40 Hefte erhalten. In dieser berüchtigten Story schildert Steve, wie ihm seine Kollegen einen fiesen Streich spielten. (Zum Vergrößeren anklicken) Quelle: PC Games Steve Jackson's bizarres Tagebuch blieb uns über 40 Hefte erhalten. In dieser berüchtigten Story schildert Steve, wie ihm seine Kollegen einen fiesen Streich spielten. (Zum Vergrößeren anklicken)

Kurvenreich ins neue Zeitalter

In der 06/98 wird das Testcenter im Heft massiv aufgewertet, unter anderem gibt es hier schon eine frühe Form der Motivationskurve, die im Test zu Starcraft zum Einsatz kommt. Die Kurve ist anschaulich, auch die Wertung geht in Ordnung - und doch bleibt das Gefühl, dass wir das Spiel etwas zu stiefmütterlich behandeln: "Ein handwerklich solides, hochqualitatives Spiel, leider ohne technologische und spielerische Impulse.", so lautet das Fazit. Die Redaktion zeigt sich vor allem von der veralteten 2D-Technik und der geringen Auflösung enttäuscht. So kann man sich irren!

Das neue Testcenter wird kurz darauf auch mit Pro- und Contra-Punkten bestückt. Die sind von nun an Standard in jedem Test und selbst heute noch Pflicht! Ebenfalls neu ist der Test-Bereich "Installiert und läuft", in dem anschauliche Tabellen zeigen, wie gut ein Spiel auf bestimmter Hardware läuft. Screenshots erstrecken sich nun öfter mal über eine halbe Seite, schließlich soll man auch was von der teuren Edelgrafik erkennen. Auch im wachsenden Hardware-Teil dreht sich alles um Grafikleistung, darunter die Riva TNT von Nvidia, die laut unserem Hardware-Redakteur Thilo Bayer besonders großes Potenzial zeigt. Er sollte Recht behalten: Die Riva TNT und sein Nachfolger, die TNT 2, legten den Grundstein für den Siegeszug der heutigen Geforce-Grafikarten.
Schon im Test zu Starcraft (06/08) kommt eine Motivationskurve zum Einsatz.  Quelle: PC Games Schon im Test zu Starcraft (06/08) kommt eine Motivationskurve zum Einsatz. 

Auf amerikanischem Boden

Mit der Ausgabe 05/98 zieht es den Stanglnator über den großen Teich, um dort ein neues US-Büro der PC Games zu leiten. Davon verspricht man sich eine bessere Zusammenarbeit mit den amerikanischen Studios vor Ort, außerdem ist Florian dadurch ruck-zuck zur E3 gedüst. Dort haut ihn die Präsentation von Black & White (von dem es nichts Spielbares zu sehen gab) völlig aus den Socken: "Black & White dürfte eine Revolution in der Spielebranche werden. Peter Molyneux ist schließlich dank seiner Vergangenheit über den Vorwurf erhaben, den Mund zu voll zu nehmen." Ein schönes Zitat, das aus heutiger Sicht... nicht ganz so gut gealtert ist.

Am 30. November 1998 geht Computec, der Verlag hinter der PC Games, an die Börse. Man will frisches Kapital in die Firma spülen und so den Erfolgskurs konsequent fortsetzen. In der Redaktion gibt's ebenfalls größere Änderungen. So wechselt Oliver Menne in den Vorstand der Firma, sein Stellvertreter Tom Borovskis rückt auf seinen Posten nach und wird künftig von Petra unterstützt. Florian Weidhase kümmert sich derweil um noch mehr Tipps & Tricks im Heft. Im August 1998 wird die Redaktion dann um weitere Neuzugänge ergänzt: Mit Peter Kusenberg und Andreas Sauerland wächst das Kernteam auf sieben Köpfe an. Das Magazin bekommt außerdem neue Rubriken wie "Hausbesuche" verpasst, die verstärkt die kreativen Köpfe der Branche vorstellen will.

Kane geht immer

Command & Conquer: Tiberian Sun (damals noch fälschlicherweise als C&C3 bezeichnet) wird ein Dauerbrenner auf dem Cover. Quelle: PC Games Command & Conquer: Tiberian Sun (damals noch fälschlicherweise als C&C3 bezeichnet) wird ein Dauerbrenner auf dem Cover. Mit der Konkurrenz kann die PC Games zu dieser Zeit problemlos mithalten, auch dank einer verschwenderischen Ausstattung: Neben dem daumendicken Heft bekommt man für 10 Mark oft noch eine Vollversion auf CD sowie Extras wie Lara-Croft-Poster, Tastaturschablonen oder aufwendige Sonderbeilagen. Auch die vielen exklusiven Titelstorys führen zu satten Verkäufen. Klarer Favorit der Leser: Das extrem gefragte Command & Conquer: Tiberian Sun, das es zwischen 1998 und 1999 gleich fünf Mal auf den Umschlag schafft. Mindestens ebenso gefragt: Diablo 2, das uns Bill Roper bei einem Besuch persönlich vorführt. Für das Action-RPG verspricht Blizzard aufwändige Online-Features, die schwer im Kommen sind. Spiele wie Starcraft hatten mit dem Battle.net schon gezeigt, dass sich das Zeitalter von Netzwerkspielen und LAN-Partys dem Ende zuneigt. Dank schnellerer ISDN-Verbindungen und Flatrate-Tarifen finden immer mehr Haushalte ihren Weg ins Internet.

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