Starcraft Remastered: Lieblose Neuauflage oder geniales HD-Comeback? Blizzards Strategieklassiker zurück im Test
Test
Blizzard legt sein Kult-RTS neu auf - mit gestochen scharfer HD-Grafik und modernem Battle.net-Support. Doch genügt das, um heute nochmal bei den Spielern zu punkten? Warum Starcraft Remastered seine Fans begeistert und dabei Neulinge abschreckt, das klärt unser Test inklusive Grafikvergleich.
Quelle: PC Games
Schönere Optik, unangetastetes Gameplay: Die Neuauflage richtet sich in erster Linie an Starcraft-Puristen.
Einfach schönere Grafik drüber und fertig - so oder zumindest so ähnlich haben sich viele Fans eine Neuauflage von Starcraft gewünscht. Ihr wichtigstes Gebot: Bloß nichts am Gameplay verändern! Das ist vielen Spielern nämlich auch heute - nach fast 19 Jahren - immer noch heilig. Blizzard geht bei seiner Neuauflage darum kein Risiko ein und liefert einen Remaster, der abgesehen von der Grafik so gut wie gar nix ändert. Ideal für langjährige Fans, eSport-Profis und Hotkey-Akrobaten, die keine Änderungen brauchen und wollen! Also alles richtig gemacht? In einer Kolumne zu Starcraft Remastered gingen wir der Frage bereits nach. Die Antworten gibt's nun im Test zu Starcraft Remastered.
Auf dieser Seite
- 1 Starcraft Remastered im Test: 4K-Pracht statt Pixelmatsch
- 2 Starcraft Remastered im Test: Neue Sprachausgabe
- 3 Starcraft Remastered im Test: Streitpunkt Interface - verschenktes Potenzial?
- 4 Starcraft Remastered im Test: Multiplayer - die wichtigsten Neuerungen
- 5 Starcraft Remastered im Test: Wertung und Fazit
Starcraft Remastered im Test: 4K-Pracht statt Pixelmatsch
Alle 2D-Grafiken wurden sorgfältig neu gepixelt und erstrahlen in detaillierter 4K-Auflösung. Wieviel schöner die neue Optik ausfällt, wird deutlich, wenn man die F5-Taste drückt - dann blendet Starcraft sanft in den Originalzustand über und präsentiert seine veraltete Grafik in 640x480 Bildpunkten. Eine neue Zoom-Funktion lässt uns Einheiten, Gebäude und Landschaftsdetails außerdem aus nächster Nähe betrachten. Weiter rauszoomen als üblich darf man zwar nicht, doch immerhin unterstützt Starcraft Remastered nun auch Breitbildformate, wodurch man deutlich mehr vom Kartenausschnitt sieht als im 4:3-Original. Saubere Arbeit, Blizzard!
Wie hübsch die neuen 2D-Grafiken aussehen, könnt ihr euch in folgendem Video selbst anschauen:
Quelle: PC Games
In der Kampagne sorgen neue Artworks für zusätzliche Atmosphäre.
Auch die animierten Einheitenportraits wurden durch neue Renderings ersetzt, die stilistisch besser zum Nachfolger Starcraft 2 (hier geht's zum Test) passen. Vor allem bei Raynor und Kerrigan gut zu erkennen! Davon profitieren auch die Missionsbriefings, die ansonsten jedoch exakt so ablaufen wie im Urspiel. Zumindest wurden aber die Text-Beschreibungen, die zwischen manchen Missionen die Handlung vorantreiben, mithilfe von neuen Artworks aufgepeppt. Und auch die Wasserdarstellung wurde kräftig aufgemöbelt, das Pixelnass schwappt nun deutlich hübscher und realistischer umehr. Enttäuschend dagegen: Bis auf neue Wendeanimationen für Einheiten, die auch bei genauerem Hinsehen kaum auffallen, wirken sämtliche Bewegungen so steif wie im Originalspiel, das wir erst kürzlich in einem Replay-Video zu Starcraft rausgekramt haben.
Stattdessen bietet Starcraft Remastered nun neue Echtzeitbeleuchtung, die mindestens 2,2 GB VRAM verlangt und Gebäude und Einheiten etwas plastischer wirken lässt - doch im Eifer des Gefechts spielt der Effekt kaum eine Rolle, uns fiel er noch am ehesten bei den Geschossen der Protoss-Dragoner auf. Auch der Kriecherschleim der Zerg ist immer noch statisch, dabei hätte sich doch gerade der lila Glibber wunderbar für neue Animationen angeboten.
Starcraft Remastered im Test: Neue Sprachausgabe
Quelle: PC Games
Die Sprachausgabe wurde neu aufgenommen. Wer mag, kann aber auch die alten Sprecher auswählen.
Die hoffnungslos veralteten Zwischensequenzen wurden zwar leider nicht durch moderne Videos ersetzt, aber zumindest soweit hochgerechnet und geschärft, dass sie nicht mehr ganz so matschig wirken wie im Original. Dafür fehlt die deutsche Sprachausgabe in den Videos, neben den englischen Stimmen gibt's hier nur übersetzte Untertitel.
Diese Entscheidung erscheint umso merkwürdiger, weil die gesamte Sprachausgabe in der Remaster-Version ohnehin komplett durch neue Aufnahmen ersetzt wurde. Die neuen Stimmen orientieren sich näher an Starcraft 2, was durchaus Sinn ergibt - immerhin will Blizzard seine Spiele möglichst wie aus einem Guß wirken lassen. Zur Qualität der Sprachausgabe gibt es allerdings unterschiedliche Meinungen, in vielen Foren wie hier im Battle.net stoßen die neuen Sprecher auf Kritik. Dabei sind die meisten der neuen deutschen Aufnahmen durchaus gelungen und völlig ausreichend. Bei einigen Figuren - etwa Zeratul - geht allerdings etwas Atmosphäre des Originals flöten. Darum ist es umso besser, dass man die Wahl hat: Wer sich mit den neuen Stimmen nicht anfreunden mag, darf auf Wunsch einfach auf die originale Sprachausgabe zurückwechseln.
Starcraft Remastered im Test: Streitpunkt Interface - verschenktes Potenzial?
Grafik und Sound mag Blizzard aufgemöbelt haben, doch am Gameplay hat sich rein gar nix getan. Großartig für glühende Fans des Originals, denn sie bekommen exakt das gleiche Spielgefühl! Alle anderen jedoch, die für den Preis von 15 Euro zumindest eine dezent verbesserte Steuerung erwartet haben, gucken in die Röhre. Ein simples Beispiel: Wer mit dem Mauszeiger über Einheiten und Gebäude fährt, erhält keine Informationen zu Lebenspunkten oder Energievorrat - jedes Objekt muss einzeln angeklickt werden. Wer hätte hier nicht eine Verbesserung begrüßt?
Quelle: PC Games
Starcraft Remastered liefert neue 4K-Optik und moderne Battle.net-Features, ändert aber nichts am Gameplay.
Andere Punkte sind zweifellos kontroverser, weil sich Änderungen hier stärker auf das Gameplay ausgewirkt hätten. Beispielsweise dass man keine Sammelpunkte auf Kristalle oder Gasminen legen darf. Oder dass Kontrollgruppen maximal nur 12 Einheiten oder ein Gebäude umfassen. Und einen Button für unbeschäftigte Arbeiter sucht man ebenso vergebens wie eine Schnellauswahl für Helden. Manche mögen das alles als authentisch loben, doch besonders für Neulinge, die Starcraft zum ersten Mal erleben, ist das Interface schlicht unzeitgemäß. Immerhin gibt's nun wieder die Möglichkeit, die meisten Hotkeys den eigenen Wünschen anzupassen. Schade allerdings, dass man nicht auch die Tasten für die Kamerasteuerung umbelegen darf, so wie etwa in Heroes of the Storm.
Starcraft Remastered ist nicht einfach nur nahe am Original. Es ist das Original, nur mit schärferer Optik. Dass komplexe Mechaniken wie etwa die bizarre Wegfindung der Einheiten unverändert bleiben, liegt auf der Hand - es gehört in Starcraft schlichtweg dazu, dass sich Einheiten auch mal an Rampen verheddern und sich an keinerlei Gruppenformation halten. Kein Starcraft ohne stepptanzende Dragoner! Hier nachzubessern würde bedeuten, tief in das Spielgefühl einzugreifen. Und wer sich beim Basisbau aus Versehen ein SCV einmauert, ist eben selbst Schuld - denn auch solche sperrigen Aspekte zeichnen das Original aus, wie schon unser alter PC-Games-Test zu Starcraft gezeigt hat.
Kolumne: Macht Blizzard mit dem Remaster alles richtig? Peter findet: ja!
Starcraft Remastered im Test: Multiplayer - die wichtigsten Neuerungen
Am perfekt ausbalancierten, micro-intensiven Mehrspieler-Gameplay von Broodwar, das auch heute noch als Inbegriff des eSport gilt, hat sich im Remaster nichts verändert. Die Einstiegshürde ist darum verdammt hoch: Neulinge müssen sich darauf einstellen, von Experten mit zwei Dekaden Erfahrung nach Strich und Faden plattgemacht zu werden. Ein neuer Bereich für Anfänger, die etwa das einsteigerfreundlichere Starcraft 2 gewohnt sind, wäre darum wünschenswert!
Dafür gibt's nun mehr Komfort rund um den Multiplayer: Mit der Neuauflage erhält Starcraft seinen überfälligen Einzug in Blizzards Battle.net-Launcher (der neuerdings wieder umbenannt wurde). Das bringt praktische Verbesserungen wie Freundeslisten und Cloud-Speicherstände für den Singleplayer. Exklusiv in der Remastered-Version gibt es außerdem Bestenlisten und Spielerzuweisung, allerdings ist die Neuauflage trotzdem mit dem Originalspiel kompatibel. Das gilt auch für den LAN-Modus, der im Remaster erhalten bleibt. Hinzu kommen Details wie Spielerprofile und verbesserte Chat-Funktionen.
Im Test zeigten sich aber noch einige Fehler, so wurden etwa Profile nicht immer korrekt angezeigt und ein Klick auf die Rangliste führte noch ins Leere. Reibungslos verlief der Launch also nicht, die Entwickler werden noch ein wenig nachpatchen müssen. Da Blizzard in seiner langen Firmengeschichte aber für vorbildliche Produktpflege bekannt ist, dürfte Starcraft Remastered schon in Kürze rund laufen.
Quelle: PC Games
Die Explosionseffekte wurden aufgehübscht, spielerisch bleibt aber alles beim Alten.
Starcraft Remastered ist seit dem 14. August 2017 für PC und Mac erhältlich. Zum Spielen wird ein kostenloser Battle.net-Account benötigt. Mittlerweile sind die originalen Ausgaben von Starcraft und Starcraft: Broodwar kostenlos erhältlich.
Lesetipp: Kommen Neuauflagen von Diablo 2 und Warcraft 3? In unserem Special stellen wir mögliche Remaster von Blizzard-Klassikern vor.
Metacritic bewertet das Spiel mit 85%.
