Die größten Kontroversen der Gaming-Geschichte - Seite 3
Special
Anlässlich des 30. Jubiläums von PC Games beleuchten wir in diesem Special einige der prägendsten Kontroversen und Skandale der Spielegeschichte.
Seither darf man Spiele ab 16 oder ab 18 Jahren nur mit entsprechendem Altersnachweis erstehen. Dafür ist im Gegenzug eine nachträgliche Indizierung nicht mehr möglich, sobald der USK-Sticker auf der Packung klebt. Damit hatte die Willkür endlich ein Ende, wann und warum ein Spiel auf den Index landete. Und dies wiederum eliminierte eine weitere Praxis, die damals kontrovers diskutiert wurde: die der Selbstzensur.
Zensur mit gewissen Vorzügen
Viele von uns sind sich einig, dass eine Zensur jedweder Art von Haus aus problematisch ist. Doch gerade bei uns Deutschen kam das Thema stets zur Sprache, sobald ein neues Spiel mit expliziten Gewaltszenen vor der Tür stand. Sofort wurde spekuliert, ob es hierzulande überhaupt in einer ungeschnittenen Version erscheinen dürfe. Entsprechend waren sich die meisten Hersteller des Problems bewusst, dass Deutschland ein "besonderer" Markt sei, der einerseits viele potenzielle Kunden umfasste und andererseits aufgrund der drohenden Indizierungen mit Samthandschuhen angepackt werden musste. Deshalb agierten einige Entwickler bereits im Vorfeld und entschärften ihre Spiele in Alleinregie.
In diesem Artikel
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Eine der beliebtesten und strittigsten Methoden war das Ersetzen von menschlichen Figuren gegen Maschinen oder Androiden, wie beispielsweise in der Echtzeitstrategieserie Command & Conquer (ab 1995).
Konami ging sogar noch einen Schritt weiter, als die NES-Version ihres Run&Gun-Hits Contra (1988) in Europa erscheinen sollte: Der Entwickler ersetzte sämtliche muskelbepackten Soldaten durch Roboter und änderte den Titel in Probotector. Wohlgemerkt erschien diese Version auf dem ganzen Kontinent und nicht nur in Deutschland!
Quelle: Konami / Medienagentur plassma
Der metallische Look der Roboter in Super Probotector wirkt viel beeindruckender als die pixeligen Söldner von Contra 3, weshalb so mancher die „zensierte“ PAL-Version freiwillig vorzieht.
Nun kommt die eigentliche Kontroverse: Die Roboter sehen richtig gut aus ... und sind laut so manchem Spieler gar schicker als die menschlichen Soldaten! Insofern kann man sagen: Einerseits sollte so eine Zensur nicht nötig sein. Aber andererseits hat Konami wahrlich das Beste daraus gemacht und am Ende sogar eine grafisch stimmigere Version geschaffen.
Der pikanteste Kaffee der Spielegeschichte
Mindestens ein genauso heißes Eisen wie das Thema Gewalt ist der Sexismus in Videospielen, der leider viele Blüten trägt. Es beginnt bereits mit dem einseitigen Frauenbild, das immer noch von viel zu vielen Spielen vermittelt wird und demnach weibliche Charaktere mit Modellmaßen sowie hautenger Kleidung zur Normalität gehören sollten.
Quelle: Quantic Dream / Moby Games
Elliot Page übernahm die Hauptrolle in Beyond: Two Souls. Er erfuhr erst im Nachhinein, dass für eine Duschszene eine vollständig nackte Hauttextur über seinen Körper geklebt wurde. Leider wurde dies von Besitzern einer Debug-Konsole entdeckt, die entsprechende Videos ins Netz stellten.
Besonders traurig: Erscheint ein neues Spiel mit einer Protagonistin für den PC, dann dauert es nicht lange, bis im Internet ein Nackt-Patch kursiert. Der ersetzt die Kleidung durch eine blanke Hauttextur - mehr braucht man dazu nicht zu sagen. Meist werden diese "Nude Patches" nicht offiziell von den Spieleentwicklern geschrieben, sondern entstammen der Fantasie von Moddern. Allerdings gibt es auch Ausnahmen - und eine davon sorgte Mitte der 2000er-Jahre für einen Riesenskandal.
Wir reden natürlich von der Hot-Coffee-Mod in Grand Theft Auto: San Andreas (2004), die gut ein Jahr nach dem ursprünglichen Release der Playstation-2-Version entdeckt wurde.
Dabei handelte es sich um ein Minispiel, das Entwickler Rockstar Games bewusst programmiert und integriert hatte. Der pikante Inhalt: eine grafisch ausschweifende Sexszene mit dem Protagonisten und einer Frau, die ihn nach einem Date "zum Kaffeetrinken" einlädt.
Erneut war es die ESRB, die der Inklusion der Szene einen Riegel vorschob. Die Amerikaner pochten auf Kürzungsmaßnahmen und drohten ansonsten mit einem AO-Rating, das pures Gift für die Vermarktung des Spiels gewesen wäre. Zwar wäre selbst die höchste Altersfreigabe gesetzlich nicht bindend, jedoch sehen viele Händler davon ab, solch gebrandmarkten Spiele überhaupt in ihr Sortiment aufzunehmen.
Ergo zog Rockstar die Reißleine und wollte die Szene komplett entfernen, anstatt sie zu entschärfen. Allerdings gab es ein Problem: Aufgrund der Komplexität des Spiels konnte man den Code nicht einfach herausnehmen. Zudem stand der Release-Termin kurz bevor, weshalb man kurzerhand das Minispiel "sperrte". Sprich: Der Code blieb vollständig enthalten und wurde einfach für die Spieler unzugänglich gemacht.
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