Die größten Kontroversen der Gaming-Geschichte - Seite 2
Special
Anlässlich des 30. Jubiläums von PC Games beleuchten wir in diesem Special einige der prägendsten Kontroversen und Skandale der Spielegeschichte.
Im Grunde könnte man bereits die Arbeitspraxis der BPjS als kontrovers bezeichnen, weil sie nur auf Antrag tätig werden durfte und offenkundig Raubkopien wie "1942 Trainer" von Doctor Bit prüfte. Interessanterweise existierten auch unter den damaligen Spielekritikern ernsthafte Zweifel, ob gewaltverherrlichende Games überhaupt "Spaß" machen dürften. So bewertete die Happy Computer die Schneider-CPC-Version des Rambo-inspirierten Actionhits Ikari Warriors (1986) mit ordentlichen 82 Prozent, wobei Redakteur Gregor Neumann in seinem Meinungskasten seinen Unmut über die Kriegsdarstellung kundgab. Dabei schrieb er unter anderem den harschen Satz: "Ich weiß nicht, was sich die Programmierer dabei denken (oder ob sie beim Entwickeln eines solchen Spiels überhaupt mal denken), aber ich halte Ikari Warriors für schlichtweg geschmacklos."
Auf jeden Fall war es normal, dass "kontroverse" Spiele von allen Ecken befeuert wurden. Allerdings waren solche Meinungen nie von Dauer und die Toleranzgrenze wurde spätestens dann verschoben, sobald ein vormals verpöntes Genre sprunghaft an Beliebtheit gewann.
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Die hiesige Berichterstattung über blutige Action-Titel schlug jedenfalls einen komplett anderen Tonfall an, als mit Doom (1993) der Ego-Shooter-Boom hereinbrach. Plötzlich war es "cool" anstatt "moralisch fragwürdig", wenn irgendwelche Pixel-Männchen in einer Blutlache zerplatzten.
Quelle: id Software / Medienagentur plassma
Vor Doom waren übertrieben blutige Spiele in Deutschland eher verpönt. Doch dank seiner herausragenden spielerischen Qualitäten sorgte der Ego-Shooter für ein Umdenken.
Kurioserweise startete zum gleichen Zeitpunkt in den USA eine Debatte über gewaltverherrlichende Spiele, nachdem plötzlich die Senatoren Joe Lieberman und Herb Kohl Videospiele als eine Gefahr für die Jugend betrachteten. Ausgerechnet im "Land of the Free" wurde ein politisches Schauspiel betrieben, bei dem das Beat 'em Up Mortal Kombat (1992) sowie das FMV-Adventure Night Trap (1992) als Sündenbock herhalten mussten.
Während Midways Prügelspiel-Klassiker aufgrund seiner brutalen Fatalities ins Visier geriet, offenbarte die Diskussion rund um Night Trap die volle Ignoranz der Politiker. Laut ihnen würde das Spiel dazu animieren, Teenagerinnen Gewalt anzutun. Dabei war das glatte Gegenteil der Fall - der Spieler musste die Mädchen vor vampirähnlichen Kreaturen beschützen. Die Diskussion führte jedenfalls zur Gründung des Entertainment Software Rating Boards (kurz ESRB), die seit 1994 Altersfreigaben für den amerikanischen Videospielmarkt vornimmt.
Quelle: Valve / Medienagentur plassma
Unter Generalverdacht: Der Taktik-Shooter Counter-Strike geriet 2002 nach dem Amoklauf von Erfurt ins Kreuzfeuer der Kritik, obwohl der Täter das Spiel so gut wie gar nicht gespielt hatte.
Richtig schwierig wurde das Thema "Gewalt in Videospielen" erstmals 1999, als zwei Jugendliche den Amoklauf an der Columbine High School durchführten und zwölf Mitschüler, einen Lehrer sowie sich selbst töteten. Wie gewohnt weigerten sich insbesondere rechtskonservative Amerikaner, die laxen Waffengesetze des Landes zu überdenken. Stattdessen schob man den schwarzen Peter Filmen wie Natural Born Killers (1994) und eben den digitalen Spielen zu.
Drei Jahre später wurde Deutschland mit einem ähnlich tragischen Vorfall konfrontiert: Bei einem Amoklauf in Erfurt kamen zwei Schüler und 14 Erwachsene (die meisten davon Lehrer) ums Leben, bevor sich der 19-jährige Täter selbst richtete. Die wahren Motive konnten nie zweifelsfrei geklärt werden.
Doch alle, die den Fall zur damaligen Zeit verfolgt haben, wissen ganz genau, welcher Sündenbock durch die Presse getrieben wurde: Computer- und Videospiele.
So verfasste beispielsweise "Die Zeit" sieben Tage nach dem Amoklauf ein mehrseitiges Essay über den Ablauf der Tat und schrieb mittendrin den folgenden Satz: "Wie in dem brutalen Computerspiel Counter-Strike war der Killer im Gutenberg-Gymnasium darauf aus, seine Opfer aufzuspüren und gezielt niederzustrecken." Dumm nur, dass der Täter das Spiel nachweislich kaum bis gar nicht gespielt hatte!
Schnell machte die Bezeichnung "Killerspiele" die Runde, die sich bis heute in unsere Köpfe eingebrannt hat. Einige Monate lang sah alles danach aus, dass "wir" Spieler aufgrund eines vom Leben frustrierten Einzeltäters für immer stigmatisiert sein könnten.
Doch zu aller Überraschung reagierte die damalige rot-grüne Regierung mit einschneidenden und richtig sinnvollen Gesetzesänderungen: Man taufte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften um in Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (kurz BPjM) und machte die vormals freiwilligen USK-Alterskennzeichnungen gesetzlich bindend.
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