30 Jahre PC Games: Die größten Kontroversen der Gaming-Geschichte

Special Andreas Altenheimer Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
30 Jahre PC Games: Die größten Kontroversen der Gaming-Geschichte
Quelle: PC Games

Anlässlich des 30. Jubiläums von PC Games beleuchten wir in diesem Special einige der prägendsten Kontroversen und Skandale der Spielegeschichte.

Schon gewusst? Nicht nur die PC Games feiert einen runden Geburtstag, sondern auch Videospielekonsolen an sich! Jedenfalls erschien vor 50 Jahren mit der Magnavox Odyssey das erste Gerät, mit dem man in seinen heimischen vier Wänden elektronische Spiele zocken konnte. Ein halbes Jahrhundert ist ein langer Zeitraum - und seither hat sich einiges getan. Vieles davon war gut, manches schlecht, und dazwischen haben sich einige handfeste Skandale und Kontroversen geschmuggelt, die wir im Folgenden erörtern.

Der große Absturz

Was war die erste Kontroverse, oder genauer gesagt der erste große Skandal der Videospielgeschichte? Wir könnten reißerische Schlagzeilen zitieren, laut denen ein paar Jugendliche wegen des Spielens des Arcade-Automaten Berzerk (1980) gestorben seien. Allerdings blieb es bei solch traurigen Randnotizen, die allenfalls als Spukgeschichten weitergetragen wurden. Nein, der erste richtig große Skandal hat ein regelrechtes Erdbeben in der Industrie verursacht und ihren Fortbestand entscheidend verändert. Er hat vor allem gezeigt, dass kein Hersteller unfehlbar und unantastbar ist. Und er hat dafür gesorgt, dass im Anschluss die Japaner über fast zwei Jahrzehnte lang die Entwickler-Oberhand erhielten. All das war nämlich die Konsequenz des Videogame-Crashs von 1983.

Das Debakel nahm bereits ein Jahr zuvor seinen Lauf, als Konsolenhersteller Atari einen Rechtsstreit verlor und Spieleentwickler Activision auf eigene Faust Module für das VCS 2600 produzieren durfte. Aufgrund des Urteils witterten natürlich auch andere Unternehmen ihre Chance, in das lukrative Geschäfte einzusteigen. Dies resultierte in einer Flut an neuen Spielen, die nicht alle von gleicher Qualität waren und somit für ein schlechteres Image der Konsole sorgten.

Gleichzeitig schwächelte Atari selbst und produzierte im Schnelldurchgang eine technisch mäßige VCS-2600-Adaption des Arcade-Klassikers Pac-Man. Trotzdem mauserte sie sich mit über acht Millionen verkauften Einheiten zum erfolgreichsten Spiel der Konsole - und genau das sollte dem Branchenriesen im Nachhinein zum Verhängnis werden.
Hätte sich Atari damals mehr Mühe bei der VCS-2600-Version von Pac Man gegeben, dann wäre der große Videogame-Crash vielleicht niemals oder zumindest nicht in dieser Größenordnung passiert. Quelle: Atari / Medienagentur plassma Hätte sich Atari damals mehr Mühe bei der VCS-2600-Version von Pac Man gegeben, dann wäre der große Videogame-Crash vielleicht niemals oder zumindest nicht in dieser Größenordnung passiert. Die Chefetage konzentrierte sich von nun an nicht mehr auf Qualität, sondern lieber auf große, lukrative Namen. Man besorgte sich im selben Jahr die Lizenz zu Steven Spielbergs Kinohit E.T. und legte hierfür Gerüchten zufolge über 20 Millionen US-Dollar auf den Tisch. Designer Howard Scott Warshaw, der dank des Baller-Hits Yar's Revenge (1981) zu den damaligen Star-Entwicklern zählte, wurde mit der Umsetzung beauftragt und bekam dafür nur einen Monat Zeit. Das Resultat: Ein konfus wirkendes Action-Adventure, das gleichermaßen unter einem undurchschaubaren Spielkonzept und langweiligem Leveldesign litt.

Atari war sich trotz der miesen Qualität sicher, einen Verkaufsschlager in der Hand zu halten und produzierte satte fünf Millionen Module. Was so oder so notwendig war, denn der Hersteller hätte mindestens 80 Prozent davon verkaufen müssen, um allein die horrend hohen Lizenzkosten wieder reinzuholen.

Jeder kann sich denken, dass dieser Schuss nach hinten losging: E.T. verkaufte sich ordentlich, aber nicht derart sensationell wie erhofft. Knapp die Hälfte aller Module sollte nie über die Ladentheke gehen, weshalb Atari einen ganzen Haufen Exemplare in einer Deponie nahe Alamogordo, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat New Mexico, vergraben ließ. Diese Geschichte galt lange Zeit als ein Mythos, bis sie 2014 nach einer mehrmonatigen Ausgrabung vor Ort bestätigt wurde.

1984 kollabierte der Markt in den USA, und das Vertrauen in Atari war verbraucht. Auch war die VCS-Konsole inzwischen sechs Jahre alt, während Heimcomputer wie der Commodore 64 (ab 1982) aufgrund ihrer Vielseitigkeit lukrativer erschienen. Und erst 1985 feierten Videospiele in den USA mit dem Nintendo Entertainment System eine Renaissance, wovon eben die Japaner massiv profitierten.

Gewalt ist keine Lösung

Wir springen direkt weiter zum nächsten Skandal, bei dem einige Stammleser sicherlich seufzen werden: Es geht um "Killerspiele". Dabei fing die folgende Debatte schon an, bevor die Bezeichnung überhaupt "erfunden" wurde.
Night Trap wurde 1994 Opfer einer politisch motivierten Hetzkampagne. Dabei waren die Vorwürfe, man müsse in dem Spiel wehrlose Mädchen in Fallen locken, völlig an den Haaren herbeigezogen. Quelle: Digital Pictures / Moby Games Night Trap wurde 1994 Opfer einer politisch motivierten Hetzkampagne. Dabei waren die Vorwürfe, man müsse in dem Spiel wehrlose Mädchen in Fallen locken, völlig an den Haaren herbeigezogen. Deutschland war schon immer ein Vorreiter, wenn es um die Frage ging: Sind Videospiele schädlich für Kinder? Bereits 1984 meldete sich erstmals die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (kurz BPjS) zu Wort und setzte das Shoot 'em Up River Raid, das Rennspiel Speed Racer sowie das 3D-Vektorspiel Battlezone auf den Index. Die Urteilsbegründungen lesen sich aus heutiger Sicht wahrlich abenteuerlich und sind gespickt mit Phrasen wie "Das Videospiel River Raid ist sozialethisch desorientierend (...)".

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