Über den Wolken

Special

Bedeutet OnLive das Ende des klassischen Gamings? Den Tod der Konsolen? Bietet die digitale Distribution mehr Vorteile oder mehr Verzicht?

Über den Wolken …

Special: Die Online-Revolution - Ist bald das Ende der Spiele-Disc gekommen? Quelle: Gaikai Auf den ersten Blick wirkt OnLive gar nicht so revolutionär, denn es gibt ja bereits seit längerer Zeit erfolgreiche Spieleflatrates und Games-on-Demand-Dienste – Metaboli, Steam und Gamesload beispielsweise. Auf dem Xbox Live Marketplace, im Wii Shop Channel und im PlaySta­tion Store lassen sich ebenfalls Spiele downloaden, auch wenn es sich bei diesen Titeln vor allem um Arcade-Games, ältere Spiele und Casual Games für zwischendurch handelt. Doch OnLive ist nicht einfach nur eine weitere Plattform zur digitalen Distribution.

Wir erinnern uns an die berühmtesten Zeilen des Liedermachers Reinhard Mey: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“ Das bringt den Ansatz von OnLive auf den Punkt: Die Spiele befinden sich nämlich nicht auf dem eigenen PC des Spielers, sondern in den metaphorischen Wolken, die IT-Fachleute als Cloud Computing bezeichnen – also auf den Hochleistungs­servern von OnLive. Dort wird die Prozessorleistung fressende Hauptarbeit der 3D-Berechnungen und die Datenkompression ausgeführt und an den Spieler gesendet. Die grenzenlose Spielfreiheit, die dadurch entsteht, betrifft vor allem die Hardware des Zockers: OnLive erlaubt – so zumindest das Versprechen des Unternehmens – State-of-the-Art-Titel selbst mit schlecht ausgestatteten Standard-PCs ruckelfrei zu spielen. Ganz einfach, indem OnLive dem lokalen Rechner per Streaming über ein Browser-Plugin den Großteil der Arbeit abnimmt. Ein reizvoller Gedanke für alle, die es leid sind, dass ihr brandneuer Rechner schon wenige Monate nach dem Kauf nicht mehr die minimalen Systemvoraussetzungen eines grafisch aufwendigen Spiels erfüllt.

Auch endlos erscheinende Ladezeiten, das Runterladen von Spiele-Patches und Fairplay missachtende Cheater könnten dank OnLive der Vergangenheit angehören. Ganz zu schweigen von Festplatten, die innerhalb kürzester Zeit mit Spieledateien vollgestopft sind. Wer noch an das Gute im Menschen glaubt, darf außerdem hoffen, dass die geringeren Vertriebskosten sich positiv auf den Verkaufspreis ausüben. Warum manche befürchten, OnLive könnte zum Konsolensterben führen, liegt daran, dass die Firma zusätzlich zum Browser-Plugin für PCs auch eine eigene Mikrokonsole mitsamt Controller als Adapter für TV-Geräte bieten will.

  1. Seite 1 Einleitung
  2. Seite 2 Über den Wolken
  3. Seite 3 Zeitgleich im Handel
  4. Seite 4 Kreative Freiheit
  5. Seite 5 Nichts in der Hand?
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