HD-2D - Square-Enix' Modernisierung des 16-Bit-Gefühls

Special Benjamin Kegel Sascha Lohmüller
HD-2D - Square-Enix' Modernisierung des 16-Bit-Gefühls
Quelle: Square Enix

Mit dem ersten Octopath Traveler etablierte Square Enix den mittlerweile patentierten HD-2D-Stil - wir blicken auf die Technik und die bisherigen Spiele.

Auf die Idee, dass ein Adventure überhaupt eine grafische Komponente gebrauchen kann, musste man also überhaupt erst mal kommen - schließlich funktioniert es bis zu diesem Zeitpunkt ja auch blendend ohne. Zwei der wichtigsten Meilensteine dieser Erkenntnis waren 1980 das Horrorabenteuer Mystery House mit seinen sehr simplen digitalisierten Zeichnungen und 1982 dann The Hobbit, das sogar mit mehreren Farben auftrumpfen konnte! Als dann eine knappe Dekade später auf unseren ersten Spielkonsolen Speicherplatz war für viele Illustrationen, kam das auf, was wir heute alsmoderne 2D-Grafik kennen.

Nicht jeder Sprite ist ein Softdrink

2D-Grafiken werden dadurch definiert, dass sie auf flachen Zeichnungen basieren. Nun kann ein Computer aber nichts mit einem Bleistift anfangen, er benötigt anderen Input - deswegen werden digitale Grafiken Bit für Bit aufgebaut. Diese einzelnen Bits kennen wir unter einem anderen Namen: Pixel. Mehrere Pixel künstlerisch wertvoll aneinandergelegt ergeben eine passive Hintergrundgrafik oder ein aktives Grafikelement, genannt: Sprite. Das sind unsere Helden, Monster, Endgegner, Gegenstände.

Alle passiven und aktiven Elemente zusammen ergeben dann insgesamt die Spielgrafik. Das NES zum Beispiel hat eine Auflösung von 256x240 Pixeln. Es können also auf einem NES-Spielbildschirm bis zu 61.440 Pixel dargestellt werden. Und obwohl er der Superstar seines Spiels ist, gibt sich Mario mit 208 Pixeln zufrieden. Vor einem verköstigten Superpilz versteht sich. Ihr wisst ja: Gönnt sich ein Klempner einen Pilz, wächst der gute Mann.

Octopath Traveler 2: Die Spielergruppe läuft über eine Eisenbahnbrücke. Quelle: Square Enix Sprites können meist modifiziert werden - gespiegelt, verzerrt, rotiert oder auch sich überlappend. Sie können aber niemals eine andere Perspektive zeigen als die, in der sie digital gezeichnet worden sind. Lauft ihr in Final Fantasy 6 an einem Haus vorbei, werdet ihr immer nur dessen Front sehen können, egal von welcher Seite ihr euch nähert.

Denn: Das Grafikelement ist flach, eben zweidimensional. Bei statischen Hintergründen ist das meist kein Problem. Die eigene Figur oder die von uns bekämpften Schurken müssen aber Charisma und Leben ausstrahlen, sonst finden wir sie als Spieler schnell langweilig.

Mit einem einzigen Sprite ist es daher in der Regel nicht getan. Bleiben wir doch mal bei Final Fantasy 6 und der Protagonistin Terra: Je nachdem, in welche Richtung sie sich bewegt, bekommt ihr eine andere Seite ihres Körpers zu sehen. Ihr Kopf kann sich bewegen. Wenn sie Magie einsetzt, hebt sie die Arme. Und wenn sie - Bahamut bewahre! - zu viel auf den Deckel bekommt, stürzt die gute Frau zu Boden.

Wenn jetzt aber die Darstellung eines Sprites nicht vom Spiel verändert werden kann, dann gibt es für die Präsentation all dieser Perspektiven und Bewegungen von Terra nur eine (simple) Lösung: Es existieren mehrere Terra-Sprites. Je nachdem, welche Handlung der Figur gerade dargestellt werden soll, bedient sich Final Fantasy 6 dann eines anderen dieser Sprites.

Alle Sprites meist eines Charakters nennt man Sprite Sheets. Frei übersetzt bedeutet das so viel wie: "Ein Blatt Papier, auf dem alle Pixelgrafiken einer Figur zu finden sind. Bitte, liebes Spiel, bediene dich ganz nach Bedarf."

Und das tut es dann auch, zum Beispiel in Octopath Traveler 2, wenn unsere 2D-Sprite-basierten Helden sich gerade in einem Zufallskampf gegen eine Gruppe von 2D-Sprite-basierten Monstern durchgesetzt haben und das Spiel nun alle Helden ihren Erfolg in der ruhmreichen Schlacht durch einen niedlichen kleinen Tanz feiern lässt.

Das tut es, indem es nacheinander in schneller Abfolge aus den Sprite-Sheets unserer Charaktere acht Sprites lädt - viermal deren Körperansicht von vorn, hinten, links und rechts, um eine schnelle Drehung zu simulieren, und dann noch vier Sprite-Teile, damit Partitio mit hochgestrecktem Daumen und zwinkerndem Grinsen uns den Fonz machen kann.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk