Nintendos Spielspaßgarantie: Wie die Mario-Schöpfer seit Jahrzehnten für Begeisterung sorgen

Special Viktor Eippert
Nintendos Spielspaßgarantie: Wie die Mario-Schöpfer seit Jahrzehnten für Begeisterung sorgen
Quelle: Nintendo

Jahrzehntelang ist Nintendo nun schon für farbenfrohe, einsteigerfreundliche, charmante, heitere und vor allem einfach richtig spaßige Spiele bekannt. Doch wie gelingt es den Schöpfern von Mario, Link, Pikachu und Co. ein ums andere Mal, derart zuverlässig Spiele mit einer Spaßgarantie zu entwickeln? Wir gehen der Sache auf den Grund!

Seit Nintendos Einstieg in die Videospielindustrie in den 80igern hat das japanische Unternehmen mit seinen Konsolen und Handheldgeräten vom Megaflop (Virtual Boy) bis zum Kassenschlager (Wii und Nintendo DS) bereits alles mitgemacht. Doch egal wie oft die Konsolenachterbahn rauf und runter fuhr, in all der Zeit hatte Big N einen unschlagbaren Trumpf im Ärmel: richtig starke, eigens entwickelte Spiele.


Bis auf ein paar schwarze Schafe wie Wii Music, Animal Crossing: Amiibo Festival oder Metroid Prime: Federation Force entstehen bei Nintendos internen Entwicklungsabteilungen (und zu großen Teilen auch bei den zahlreichen engen externen Partnern wie Intelligent Systems oder Game Freak) seit etwa 35 Jahren durchgehend qualitativ hochwertige Spiele, die nicht nur zuverlässig wenige Bugs aufweisen, sondern auch quasi immer mit einer Spielspaßgarantie glänzen. Ganz davon zu schweigen, dass Nintendo alle paar Jahre einen Meilenstein raushaut, der entweder ein ganzes Genre prägt (Super Mario Bros., Metroid, Super Mario Kart) oder neue Maßstäbe setzt (Mario 64, The Legend of Zelda: Breath of the Wild). Auf die Frage, was Nintendos Spiele denn auszeichne, antworten Fans gerne mal mit "Nintendo-Magie".

Wirklich schlechte Spiele wie Animal Crossing: Amiibo Festival leistet sich Nintendos interne Entwicklungsabteilung sehr selten. Quelle: Nintendo Wirklich schlechte Spiele wie Animal Crossing: Amiibo Festival leistet sich Nintendos interne Entwicklungsabteilung sehr selten. Für viele beschreibt dieser Begriff das gewisse Extra, das vielen von Nintendos Spielehits innewohnt. Es ist die Nintendo-­Magie, die beim Spielen eines Mario-Hüpfers ein Lächeln auf das Gesicht des Spielers zaubert oder die beim Erkunden der meisterlich erstellten und detailverliebten Spielewelten in Nintendo-Abenteuern wie Zelda: Breath of the Wild immer wieder für kindliches Staunen sorgt, egal wie alt man ist. Doch wie gelingt es Nintendo, diese hohe Qualität nach so vielen Jahren konsequent aufrechtzuerhalten? Oder anders gefragt: was steckt hinter dieser Nintendo-­Magie?

Spielmechanik über alles

Im Zentrum von Nintendos Designphilosophie steht eine klare und simple Mission, die der ehemalige Nintendo-Präsident Satoru Iwata in seiner Eröffnungsrede auf der Game Developers Conference 2006 folgendermaßen beschrieb: "Unser Ziel ist es, sie [die Spieler] zu überraschen. Unsere Belohnung besteht darin, sie davon zu überzeugen, dass Spiele vor allem eines sein sollten: ein Spaß. Ein Spaß für jedermann." Während viele große Publisher und Entwickler bei ihren wichtigsten Spielen auf bombastische Grafik und cineastische Story-Erlebnisse setzen, spielen diese Aspekte für Nintendo bestenfalls eine Nebenrolle. Egal ob bei Mario Kart, Zelda, Animal Crossing, Super Smash Bros. oder Pokémon - an erster Stelle steht immer der Spielspaß für möglichst viele Spieler verschiedenen Alters und mit unterschiedlichen Fähigkeitsgraden. Und das merkt man Nintendos Titeln auch an.

Bei Nintendo kommt spaßiges Gameplay immer zuerst. Entsprechend wurde bei der Entwicklung von Splatoon etwa die Tintenmechanik mit rudimentären Blöcken ausprobiert, noch bevor ein Gedanke an Setting oder Grafik aufgewendet wurde. Quelle: Nintendo Bei Nintendo kommt spaßiges Gameplay immer zuerst. Entsprechend wurde bei der Entwicklung von Splatoon etwa die Tintenmechanik mit rudimentären Blöcken ausprobiert, noch bevor ein Gedanke an Setting oder Grafik aufgewendet wurde. Um sicherzustellen, dass der Spaß beim Spielen stimmt, konzentrieren sich die Entwickler bei Nintendo zu Beginn eines Projekts stets darauf, eine Kernspielmechanik zu entwickeln, die Freude bereitet und leicht erfasst werden kann. Erst wenn dieser Spielspaßkern gewährleistet ist, machen sich die Nintendo-Mitarbeiter Gedanken um die weiteren Aspekte wie ein passendes Setting, Charaktere oder eine Handlung. Ein gutes Beispiel dafür ist Nintendos jüngste Erfolgsreihe Splatoon, die trotz ihrer Entstehung während der Wii-U-Ära sehr schnell an Beliebtheit gewonnen hat und deren zwei Ableger laut Nintendo bereits über 13 Millionen Mal weltweit verkauft wurden. Die Splatoon-Spiele bieten ein sehr ungewöhnliches Setting, einen coolen Grafikstil, tolle Musik und mit den Inklingen einzigartige, einprägsame Charaktere, die mit ihrem Auftritt in Super Smash Bros. Ultimate im Dezember einen erneuten Popularitätsschub erhalten haben. Doch all diese markanten Merkmale von Splatoon fanden erst später in der Entwicklung ihren Weg in den Farbshooter.

Angefangen hat alles mit einem Prototyp, in dem ein weißer und ein schwarzer Block als Spielcharaktere weiße und schwarze Farbe in einem Level verschossen und sich in der jeweils eigenen Farbe verstecken konnten. Somit stand die wichtigste Spielmechanik Splatoons, die innovative Tintenmechanik, von Anfang an im Zentrum der Entwicklung. Und diese Herangehensweise hat sich gelohnt, denn selbst nach Hunderten von Mehrspieler-Partien in den Splatoon-Spielen verliert diese clevere Spielmechanik nicht ihren Reiz.

Spiele für jeden

Nicht weniger wichtig als der Spielspaß ist der andere Aspekt aus Iwatas Aussage: Ein Spaß für jedermann, sprich eine hohe Zugänglichkeit. Deswegen sind Nintendo-Spiele grundsätzlich so gemacht, dass man die Grundzüge in wenigen Minuten erfasst hat und sie mit wenigen Tasten umsetzen kann. Und wenn es doch mal komplexere Spielsysteme gibt, wird man beim Spielen ganz automatisch durch das Leveldesign stückweise an neue Aspekte herangeführt. Bereits der erste Level von Super Mario Odyssey bringt dem Spieler zum Beispiel die beiden wichtigsten Mechaniken bei: Dass man mit der Spielwelt in erster Linie durch das Werfen von Marios Mütze Cappy interagiert und dass man Gegner dank Cappy in Besitz nehmen kann, um so einzigartige Aktionen auszuführen. Das Level ist so designt, dass man es gar nicht abschließen kann, bevor man diese zwei Mechaniken verinnerlicht. Ferner bieten viele von Nintendos Games die Möglichkeit, gemeinsam an einer Konsole oder per Wi-Fi im lokalen Netzwerk miteinander zu spielen. Entsprechend wichtig ist es, dass neue Spieler problemlos ohne große Erklärungen einsteigen können. Nintendos Spiele sind so gemacht, dass man ihre Grundzüge schnell erlent – so auch im ersten Level von Super Mario Odyssey. Quelle: Nintendo Nintendos Spiele sind so gemacht, dass man ihre Grundzüge schnell erlent – so auch im ersten Level von Super Mario Odyssey.

Abseits der ausgetrampelten Pfade

Die Fokussierung auf spaßige Spielmechanik und hohe Zugänglichkeit sind aber nur zwei von vielen Aspekten, die Nintendo-Spiele auszeichnen und die Big N von anderen Spielemachern unterscheiden. Nintendo geht so viele Dinge anders an, dass man den Japanern sogar oft vorwirft, in einer eigenen Blase zu leben. So läuft Nintendo beispielsweise extrem selten den Trends der Spielebranche hinterher und innoviert stattdessen lieber auf eigene Faust. Während das Gros der Industrie mit DLCs, Mobile Gaming, Lootboxen, Mikro­transaktionen oder Spielen mit Service-Modell immer neue Wege sucht, um die Einnahmen zu vervielfachen, sah sich Nintendo diese Entwicklungen stets von der Seitenlinie aus an und konzentrierte sich auf die Frage, wie diese Aspekte überhaupt zu ihrem Spielspaß-Konzept passen. Selbstverständlich muss auch Nintendo Gewinne einstreichen, um Investoren zufriedenzustellen und die eigenen Mitarbeiter zu bezahlen. Doch suchen die Macher der Switch dafür oftmals andere, kreative Wege wie Amiibo-Figuren oder Nintendo Labo, das selbstgebasteltes Papp-Spielzeug mit simplen Videospielen kombiniert. Projekte wie dieses unterstreichen Nintendos ungewöhnliche Herangehensweise.

Nintendofizierung

Die Mario-Macher haben bereits viele etablierte Genres und Spielkonzepte durch „Nintendofizierung“ umgekrempelt. Quelle: Nintendo Die Mario-Macher haben bereits viele etablierte Genres und Spielkonzepte durch „Nintendofizierung“ umgekrempelt. Ebenfalls ein Markenzeichen ist die "Nintendofizierung", bei der sich die Entwickler etablierte Spielkonzepte oder Genres vornehmen und ihnen einen Nintendo-typischen Twist verpassen, um so frische Spielerlebnisse in bekannten Bereichen zu bieten. Mit Super Mario Kart machte Nintendo Anfang der 90-iger Fun-Racer populär, mit Super Smash Bros. legte man Prügelspiele neu aus, die Mario Party-Spiele sorgen seit über 20 Jahren für spaßige Minispiele, die Pikmin-Reihe bietet eine ungewöhnliche Variation der Echtzeitstrategie, die Pokémon-Titel verschaffen mit der Monstersammelei Rollenspielen eine weitere Dimension und die zuvor erwähnten Splatoon-Spiele verleihen Mehrspieler-Shootern eine frische Perspektive. Dem japanischen Traditionsunternehmen gelingen auf diese Weise immer wieder Überraschungshits, aus denen oftmals dauerhaft fortlaufende Spielereihen entstehen, deren Beliebtheit und Erfolg über Jahrzehnte hinweg Bestand haben

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