Gunpei Yokoi: Der Mann, der den Game Boy erfand und Nintendo zum Durchbruch verhalf
Special
Kaum jemand hat Nintendo und die Gaming-Branche so geprägt wie Gunpei Yokoi. Wir blicken zurück auf das viel zu kurze Leben einer Legende.
Yokoi produziert in den Folgejahren noch viele weitere NES-Hits. Zu den bekanntesten zählt sicher das erste, zusammen mit Intelligent Systems entwickelte Metroid (1986). Das auf dem Planeten Zebes angesiedelte Abenteuer rund um die abgebrühte Heldin Samus Aran kassiert eine Topwertung nach der anderen und etabliert wichtige Grundprinzipien des populären Metroidvania-Subgenres.
Eindruck hinterlässt darüber hinaus das am 19. Dezember 1986 zunächst in Japan und dann im Frühjahr 1987 in Europa und Nordamerika veröffentlichte Kid Icarus. Zwar bemängeln viele Kritiker den hohen Schwierigkeitsgrad und Schwächen in der Grafik, dank vielschichtigem Gameplay und starker Musik sichert sich Protagonist Pits erstes Abenteuer über die Jahre trotzdem einen Platz im Herzen von 1,76 Millionen Plattform-Fans.
Der Game Boy: Yokois geniales Taschenspiel-Gerät
Seinen bis dato größten Erfolg landet Yokoi allerdings erst 1989 mit dem Game Boy. Ursprünglich von Yokoi als fortgeschrittene Game-&-Watch-Hardware geplant, entwickelt sich das Gerät auf Drängen seines Kollegen Satoru Okada mehr und mehr in Richtung eines tragbaren NES mit austauschbaren Modulen und Graustufen-Dot-Matrix-Display.
Quelle: Evan Amos auf Wikipedia, gemeinfrei
Game Boy
Dass kein Farbbildschirm zum Einsatz kommt und sich der Screen in einigen Situationen nicht ideal ablesen lässt, sorgt firmenintern gleichwohl für viele Diskussionen. Nicht zuletzt, weil Atari mit dem Lynx bereits an einem Handheld mit Farbdisplay arbeitet.
Doch Yokoi, damals Leiter der Abteilung Nintendo Research & Development 1, lässt sich nicht von seinem Kurs abbringen. Er beharrt auf dem kostengünstigen Graustufen-Display ohne Hintergrundbeleuchtung und dass anstelle eines Akkus lediglich vier preiswerte AA-Batterien zum Einsatz kommen. Zum Vergleich: Der Lynx brauchte sechs AA-Zellen.
Ebenfalls heiß diskutiert und dann auch implementiert wird ein Link-Kabel-Anschluss, um Multiplayer-Gaming zu ermöglichen. Kombiniert mit einer nochmals angepassten Variante des bereits erwähnten D-Pads, einer Sharp SM83 CPU mit 4 MHz, 8 Kilobyte RAM und 8 Kilobyte Videospeicher entsteht so ein überaus vielseitig einsetzbares Handheld, das zum Start am 21. April 1989 für 12.500 Yen zunächst in Japan und dann am 31. Juli 1989 in den USA respektive am 28. September 1990 in Europa in die Läden stürmt und Geschichte schreibt.
In Zahlen ausgedrückt gehen allein in Japan in nur zwei Wochen über 300.000 Game Boys über die Ladentische. In den USA sind es allein an Tag Eins über 40.000 Einheiten. Alle Hardware-Edition mit einbezogenen, verkauft sich der Game Boy unterm Strich am Ende knapp 118,69 Millionen Mal.
Wichtigster Verkaufsmotor in der Anfangsphase sind zwei hinlänglich bekannte Klassiker: erstens das bis heute faszinierende Puzzlespiel Tetris, das Nintendo im Westen (nicht jedoch in Japan) kostenlos jedem Game Boy beilegt. Aber auch das federführend von Satoru Okada und Gunpei Yokoi entwickelte Jump & Run Super Mario Land kurbelt die Taschenspieler-Absätze maßgeblich an und verkauft sich während des Lebenszyklus des Handhelds mehr als 18 Millionen Mal.
Quelle: Moby Games
Super Mario Land
Dass Mario hier gerade einmal zwölf Pixel hoch ist und Kenner es in weniger als einer Stunde durchspielen können, stört in Anbetracht der hohen Abwechslung im Leveldesign (Shooter-Level inklusive), der famosen Pixeloptik, der nahezu perfekten Steuerung und dem ohrwurmigen Soundtrack kaum jemanden.
Zwischen Anfang und Mitte der 90er konzentriert sich Yokoi in puncto Software dann mit vollem Elan auf seine Produzentenrolle bei vielen weiteren Nintendo-Spielen.
Sei es nun Solar Striker (1990), Dr. Mario (1990), Metroid 2: Return of Samus (1991), Super Mario Land 2: 6 Golden Coins (1992) oder Wario Land: Super Mario Land 3 für den Game Boy, Fire Emblem: Shadow Dragon and the Blade of Light (1990) fürs NES oder Fire Emblem: Mystery of the Emblem (1994) für das Super Nintendo - all diese Titel haben wir auch heute noch in sehr guter Erinnerung und bescheren "Big N" damals sprudelnde Umsätze.
Quelle: Moby Games
Fire Emblem: Mystery of the Emblem
Virtual Boy: Yokois missglücktes VR-Projekt
Doch auch Hardware-seitig ist Yokoi weiterhin nicht untätig und treibt ab etwa 1991 ein Projekt namens VR32 voran. Zentrales Alleinstellungsmerkmal der nächsten Nintendo Spielkonsole ist ein stereoskopischer Bildschirm mit Headtracking-Funktionalität, den die Japaner bei einem US-Start-up namens Reflection Technology lizenzieren. Yokoi ist hingerissen von der Display-Technik und konzipiert mit seiner R&D1-Abteilung im Laufe der nächsten vier Jahren den sogenannten Virtual Boy.
Das 32-Bit-Gerät wird von einer NEC V810 CPU mit 20 MHz angetrieben, soll beim Spielen für einen 3D-Tiefeneffekt sorgen und ist anfangs als Head-Mounted-Display geplant, ähnlich wie man es von heutigen VR-Brillen kennt. Da das Headtracking jedoch nicht zufriedenstellend funktioniert und in Vorabtests für Augenprobleme und Unwohlsein sorgt, streicht Nintendo das Feature und spendiert dem Virtual Boy stattdessen zwei Tisch-Stehfüße.
