Gunpei Yokoi: Der Mann, der den Game Boy erfand und Nintendo zum Durchbruch verhalf
Special
Kaum jemand hat Nintendo und die Gaming-Branche so geprägt wie Gunpei Yokoi. Wir blicken zurück auf das viel zu kurze Leben einer Legende.
Sein Debüt feiert das Game & Watch dann am 28. April 1980 mit Ball - in den USA besser bekannt als Toss Up. In diesem Geschicklichkeitsspiel samt Highscore-Zähler und zwei Spielmodi dreht sich alles darum, mit einem Männchen Bälle in der Luft zu jonglieren.
Aus heutiger Sicht ist das Gameplay fast schon zu simpel. Damals jedoch trifft Ball einen Nerv und verkauft sich blendend, genauer gesagt knapp 250.000 Mal. Rechnet man sämtliche Varianten der ersten Game-&-Watch-Spiele zusammen, kommt Nintendo allein in den ersten zwölf Monaten nach Verkaufsstart auf 14 Millionen abgesetzte Einheiten.
Es folgen zahlreiche weitere Game-&-Watch-Spiele mit vielen verschiedenen Verbesserungen. So spendiert Yokoi dem ab dem 19. Juni 1981 erhältlichen Parachute beispielsweise einen Bildschirm im Widescreen-Format, während das am 28. Mai 1982 veröffentlichte Oil Panic mit zwei Bildschirmen und voller Zusammenklappbarkeit für Aufsehen sorgt.
Quelle: masatsu auf Wikipedia, CC BY-SA 2.0 DEED
Game & Watch: Ball
Ein Prinzip, das sich Generationen später auch beim Nintendo DS sowie dem Nintendo 3DS wiederfindet. Nicht zu vergessen der Nintendo Game Boy Advance SP, wobei dieser lediglich über einen Bildschirm verfügt.
1983 sind die Game-&-Watch-Geräte bereits Bestseller, ebenso wie Nintendos Arcade-Hit Donkey Kong. Um den Automaten auch in tragbarer, zusammenklappbarer Game-&-Watch-Form anzubieten, hat Yokoi einen weiteren genialen Einfall: Er tauscht den aus dem Gerät ragenden Joystick gegen ein flaches, aber trotzdem präzises Vier-Wege-Steuerkreuz, damals besser bekannt als Directional Pad.
Quelle: Rogerdahl auf Wikipedia, CC BY-SA 3.0
Game & Watch: Donkey Kong
Weltweit bekannt wird das D-Pad allerdings erst durch eine weiterentwickelte, im Gamepad der Famicom/NES-Spielkonsole verbauten Variante. Nintendo selbst lässt sich Yokois NES-D-Pad schon damals patentieren und kassiert 2006 - 23 Jahre später - in den USA sogar einen "Technology and Engineering Emmy Award" dafür.
Zurecht, denn bis heute stellt Yokois Erfindung ein Steuerungselement dar, das in vielen modernen Controllern - oft auch außerhalb der Spielebranche - nicht mehr wegzudenken ist. Spannende Retro-Randnotiz: Um Rechtsstreitigkeiten mit Nintendo zu vermeiden, setzen viele Hardware-Hersteller bis zum Auslaufen des Patents im Jahr 2005 auf leicht angepasste D-Pad-Varianten, etwa mit einem Vier-Wege-Kreuz, das sich in einem Kreis befindet wie beispielsweise beim Controller S der ersten Xbox.
Dass der Modulschacht des NES Cartridges auf Knopfdruck auswirft, haben wir übrigens ebenfalls Yokoi zu verdanken. Er ist damals der Ansicht, dass ein solches Detail speziell Kindern viel Freude bereiten würde - womit er im Nachhinein auch recht behält.
Doch zurück zu den Game-&-Watch-Geräten: Als Ganzes betrachtet, verkaufen sich diese - verteilt auf knapp 60 verschiedene Editionen - letztendlich 43,3 Millionen Mal. Allein acht Millionen Einheiten entfallen dabei auf die Donkey-Kong-Umsetzung. Bei Letzterer agiert Yokoi erstmals als Produzent, lernt dabei den überaus talentierten Shigeru Miyamoto kennen und nimmt ihn wie eine Art Mentor unter seine Fittiche.
Die beiden kommen gut miteinander aus und stellen in den Folgejahren noch viele andere Hits auf die Beine: 1982 zum Beispiel Donkey Kong Jr. ,1983 den Plattformer Mario Bros. (dessen Multiplayer-Fokus wir Yokoi verdanken) und das nicht minder unterhaltsame Donkey Kong 3.
Das Jahr 1984 wiederum steht für Yokoi ganz im Zeichen des von ihm entwickelten Zappers. Gemeint ist eine von einem Revolver inspirierte Lichtpistole, mit der man in kompatiblen Spielen wie Wild Gunman, Duck Hunt und Hogan's Alley auf Wild-West-Ganoven oder Enten ballert.
Quelle: Evan Amos auf Wikipedia, gemeinfrei
NES Zapper
Weitere von Yokoi produzierte Klassiker dieser Ära sind die Arcade-Automaten Vs. Ballon Fight und Vs. Wrecking Crew, die beide kurze Zeit später ohne den "Vs"-Zusatz im Namen für das Famicom umgesetzt werden.
R.O.B. macht das NES populär
Weitere Lorbeeren verdient sich Yokoi mit dem Design des Robotic Operation Buddy, kurz R.O.B. Der batteriebetriebene Spielzeugroboter erinnert ein bisschen an R2-D2 aus Star Wars, kann mit Sensoren in seinen Augen optische Signale von CRT-Bildschirmen empfangen und auf diese Weise gesteuert werden.
Obwohl mit viel Tamtam vermarktet, erscheinen für R.O.B. letztendlich nur zwei Spiele: In Gyromite müsst ihr Professor Hector helfen, explodierendes Dynamit zu entschärfen, während sich in Stack-up alles darum dreht, farbige Scheiben in vorgegebener Abfolge zu stapeln.
Quelle: Evan Amos auf Wikipedia, CC BY-SA 3.0
R.O.B.
Das Bizarre: Obwohl die genannten Titel nur eine recht eingeschränkte Spieltiefe bieten, ist R.O.B. selbst so charmant designt, dass er das öffentliche Interesse am NES massiv steigert. Hinzu kommt, dass Nintendo jedem NES Deluxe Set, bestehend aus Konsole, zwei Gamepads, Zapper Gun und zwei Spielen, auch einen R.O.B. beilegt.
Dies wiederum hat zur Folge, dass Spielzeugläden - die nach dem Video Game Crash von 1983 eigentlich nichts mit Games zu tun haben wollen - trotzdem das NES Deluxe Set anbieten und so Nintendos Marktpräsenz massiv steigern. Lohn der Mühe: Über eine Million verkaufte NES-Geräte allein im ersten Jahr.
