Gunpei Yokoi: Der Mann, der den Game Boy erfand und Nintendo zum Durchbruch verhalf
Special
Kaum jemand hat Nintendo und die Gaming-Branche so geprägt wie Gunpei Yokoi. Wir blicken zurück auf das viel zu kurze Leben einer Legende.
Gunpei Yokoi kommt am 10. September 1941 in Kyoto, der neuntgrößten Stadt Japans, zur Welt. Über die Kindheit und Jugend des Sohns eines Pharma-Firma-Direktors ist wenig bekannt, wohl aber über die Zeit danach.
Nach seinem Studium der Elektronikwissenschaften an der renommierten privaten Dōshisha-Universität in Kyoto nimmt ihn Nintendo bereits wenig später (1965) als Wartungsingenieur in einer Fabrik für Hanafuda-Spielkarten unter Vertrag. Diese sind seit 1889 ein Erfolgsprodukt des japanischen Unternehmens und maßgeblich für den Aufstieg von Nintendo verantwortlich.
Neben seiner Arbeit verbringt Yokoi viel Zeit damit, mal mehr oder weniger nützliche Dinge zu entwerfen. Zu seinen frühen Geistesblitzen zählt unter anderem ein mechanischer, beidhändig zu bedienender, nach dem Pantograf-Prinzip funktionierender Greifarm, der es Nutzern erlaubt, kleine Dinge zu packen und von einem Ort zu anderen zu bewegen.
Als Yokoi seine Konstruktion eines Tages mit in die Arbeit nimmt, um Feedback von Kollegen einzuholen und seine Pausen etwas angenehmer zu gestalten, läuft ihm plötzlich Nintendo-Chef Hiroshi Yamauchi über den Weg. Fasziniert von der simplen, aber genialen Idee, erhält Yokoi wenig später den Auftrag, ein daraus ein Spielzeug zu machen.
Heraus kommt die sogenannte Ultra Hand, die Nintendo für 600 Yen in einer durchaus attraktiven Verpackung mit dem Herstellernamen NG (Nintendo Game) auf den Markt bringt. Darauf zu sehen sind ein Junge und ein Mädchen, die ihrem Vater mit der Ultra Hand freudig die Geldbörse entwenden.
Spätere Verpackungsmotive zeigen weitere Anwendungszwecke, darunter das Greifen von Büchern aus einem viel zu hohen Wandregal. Um solche und andere Manöver zu üben, legt Nintendo dem ungewöhnlichen Spielzeug eine Anleitung sowie einen gelben, roten und blauen Plastikball samt Stehfuß bei.
Die Ultra Hand mag heute ziemlich sonderbar klingen, entpuppt sich in den 1960er-Jahren aber als Kassenschlager und beschert Nintendo über eine Million verkaufte Einheiten. Bizarre Randnotiz: Um an das Gadget zu erinnern, das dem Konzern in einer finanziell schwierigen Phase viel frisches Geld in die Kassen spülte, erschien am 9. November 2009 ein WiiWare-Spiel namens Grill-Off with Ultra Hand! - allerdings exklusiv für Club-Nintendo-Mitglieder, die dafür 80 Clubmünzen hinblättern mussten.
Die Spielzeug-Erfolgssträhne geht weiter
Durch die Sensation Ultra Hand steigt Yokois Ansehen im Unternehmen enorm und er wird noch im Jahr 1966 zum Leiter der Spielzeugabteilung von Nintendo ernannt. Hoch motiviert stürzt er sich sogleich auf den Entwurf weiterer Gadgets, allen voran die Ultra Machine. Dabei handelt es sich um eine einfache, aber effektive Plastik-Apparatur mit Elektromotor, die in der Lage ist, nacheinander ein Dutzend Baseball-Bälle im Spielzeugformat in den Raum zu schleudern.
Quelle: Vinelogde auf Wikipedia, CC BY-SA 3.0
Ultra Machine
Anflugwinkel und -geschwindigkeit lassen sich dabei variabel anpassen, wodurch die Maschine sowohl reguläre Bälle als auch "Curve Balls" verschießt. Dazu gesellt sich ein nahezu lebensgroßer, zusammensteckbarer Baseball-Schläger, mit dem Spieler die anfliegenden Bälle treffen müssen.
Bereits 1967 kommt die Ultra Maschine zum Preis von 1.480 Yen in den Handel (Ersatzbälle kosten 100 Yen) und mausert sich schnell zum nächsten Millionen-Seller für Nintendo.
Aber auch der im Jahr 1969 veröffentlichte, 1.800 Yen teure Love Tester (ein Gerät, das die Verliebtheit zweier Personen anzeigt) und das ab 1971 erhältliche Nintendo Automatic Ultra Scope für 2.980 Yen (ein Spielzeug-Periskop, mit dem Kinder höhergelegene Dinge aus der Nähe betrachten können) beweisen, dass Yokoi in der Lage ist, einen Hit nach dem anderen aus dem Hut zu zaubern.
Zu seinen Spielzeug-Krachern zählen außerdem das im selben Jahr erschienene Light Telephone für 9.800 Yen (ein Walkie-Talkie, das zur Datenübertragung anstelle von Radiowellen Lichtstrahlen verwendet) sowie der 1979 veröffentlichte Chiritorie, ein kultiger, rot-schwarzer Mini-Staubsauger mit Fernsteuerung für 5.800 Yen.
Game & Watch: Yokois frühe Handheld-Sensation
In den 1970er-Jahren erobern Arcade-Automaten und erste elektronische Spiele die amerikanische Unterhaltungsindustrie. Natürlich will auch Nintendo ein Stück vom Kuchen abhaben und bringt zu diesem Zweck die sogenannten "Game & Watch"-Handhelds auf den Markt, die Nutzer mit kleinen Geschicklichkeitstests herausfordern.
Ideengeber hierfür ist einmal mehr Gunpei Yokoi, dem das Konzept erstmals auf einer Zugfahrt im bekannten Schnellzug Shinkansen in den Sinn kommt, als er einen anderen Fahrgast in seiner Nähe beobachtet. Letzterer ist sichtlich gelangweilt und nutzt seinen Taschenrechner, um die Zeit totzuschlagen.
Yokoi entwirft daraufhin ein taschenrechnergroßes Gadget mit einem segmentierten Flüssigkristall-Display und mehreren Aktionstasten, das kompaktes Spielgerät und Uhr miteinander vereint.
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Er trägt die Idee an Yamauchi heran - und kurz darauf darf Yokoi seine Vision auch Vertretern von Sharp ausführlicher präsentieren, in der Hoffnung den damaligen Marktführer im Bereich digitaler Taschenrechner als Lieferanten für wichtige Bauteile (wie etwa einer 4-Bit-CPU) ins Boot zu holen. Mit Erfolg: Yokoi erhält grünes Licht, und schon bald beginnen die Entwicklungsarbeiten.
