MontanaBlack, Trymacs, Gnu und Co.: Streamer sind Vorbilder - ob sie wollen oder nicht
Kolumne
Große Streamer wie MontanaBlack, Trymacs, Gnu, OrangeMorange und Co. sind Vorbilder für Millionen, vor allem Jugendliche - ob sie wollen oder nicht. Ein Kommentar.
Ein Vorbild ist eine Person (oder Sache), die als richtungsweisendes Beispiel angesehen wird - so oder so ähnlich lautet die Definition. Und damit verbunden die ewig währende Frage: Wer ist eigentlich ein Vorbild - und kann man sich diese Rolle aussuchen? Auch Streamer setzen sich immer wieder, gewollt oder teils auch gezwungenermaßen, mit dieser Frage auseinander. Oft streiten die reichweitenstarken Stars der Neuzeit ab, Vorbilder zu sein. Sie sind es aber trotzdem, denn mit Berühmtheit und Erfolg gehen auch immer Verpflichtungen einher, egal, ob man das will oder nicht.
Ist MontanaBlack ein (gutes) Vorbild?
Ist MontanaBlack ein Vorbild? Natürlich ist er das, egal, wie oft er auch betont, keines sein zu wollen. Der 34-jährige Streamer erreicht ein Millionenpublikum und hat auch viele jugendliche Zuschauerinnen und Zuschauer, teils sogar Kinder. Als erwachsener Mann, noch dazu berühmt und erfolgreich, wird Marcel Eris alias MontanaBlack ganz automatisch zum Vorbild. Die Rolle sucht man sich in diesem Fall nicht aus, sie ist untrennbar mit dem Leben als erfolgreiche Person in der Öffentlichkeit verbunden.
Ein Vorbild zu sein, sucht man sich nicht aus
Wenn sich "Monte" im Twitch-Livestream sexistisch äußert, beeinflusst er damit junge Menschen - als schlechtes Vorbild. Wenn er, wie zuletzt am vergangenen Freitag, vor der Kamera von seiner vegan-vegetarischen Ernährung erzählt, wird der damit automatisch zu einem positiven Vorbild.
Die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer lernen, dass man auch dann noch "cool" ist, wenn man sich Gedanken über ethische und Umwelt-Fragen macht und sein eigenes Handeln reflektiert - also genau wie ihr Idol (und Vorbild) "Monte".
Schlechtes Vorbild: Casino-Streamer
Ein besonders kritisches und daher zurecht viel diskutiertes Negativbeispiel sind Glücksspiel-Streams. Letzte Woche verkündete Twitch endlich das Verbot von illegalen Casino-Streams auf der Plattform, der Aufschrei war groß. MontanaBlack nahm die Neuigkeit positiv auf, obwohl er früher selbst solche Streams zeigte.
Allerdings ist das über drei Jahre her und heutzutage distanziert er sich davon. Kilian Heinrich alias Tanzverbot geriet gar in Feierlaune, während sich die Freude bei Casino-Streamern wie Scurrow und OrangeMorange in Grenzen hielt, gelinde gesagt.
Wer ist jetzt hier ein Vorbild? Grundsätzlich alle Genannten, da alle ein riesiges Publikum mit ihren Streams erreichen. Die Casino-Streamer fallen dabei sicherlich in die negative Kategorie, verleiten sich doch junge Menschen zum Glücksspiel, das schnell mit Sucht und schlimmstenfalls sogar zerstörten Existenzen enden kann.
Packs in FIFA Ultimate Team sind Glücksspiel
Und dann wären da noch Streamer, die zwar klassische Videospiele zeigen, die allerdings eindeutige Glücksspiel-Elemente enthalten. Die Packs in FIFA Ultimate Team zum Beispiel, die nichts als Glücksspiel sind und beispielsweise von Maximilian Stemmler alias Trymacs zwar einerseits völlig zurecht immer wieder stark kritisiert werden.
Andererseits präsentiert er die Glücksspiel-Mechanik in FIFA-Streams dann aber trotzdem einem riesigen und zum großen Teil jungen Publikum, das dadurch automatisch an solche verwerflichen Mechaniken in Videospielen herangeführt und sogar dafür empfänglich gemacht wird.
Sind Streamer gute oder schlechte Vorbilder?
Sind Streamer jetzt also gute oder schlechte Vorbilder? Nun, wenig überraschend beides, und nicht selten sogar verkörpern einzelne Personen gleich beide Seiten. Ein durchweg positives Beispiel wäre aktuell wohl Jasmin Sibel alias Gnu, die ihre durchs Gaming aufgebaute Reichweite mittlerweile auch für gesellschaftskritische Themen nutzt. Ob gute oder schlechte Vorbilder, eins ist gewiss: Streamer sind Vorbilder - ob sie wollen oder nicht.
