Explodierende Strompreise und Inflation: Aufs Zocken verzichten fürs Gemeinwohl?

Special Johannes Gehrling
Explodierende Strompreise und Inflation: Aufs Zocken verzichten fürs Gemeinwohl?
Quelle: Bundesnetzagentur

Sollten Gamer in Zeiten explodierender Strompreise und knapper werdender Ressourcen fürs Gemeinwohl lieber aufs Zocken verzichten? Ein Kommentar.

Die Preise explodieren. Nicht nur für Wohnungen und Häuser, mittlerweile eigentlich für alles. Schuld daran sind in letzter Zeit massiv gestiegene Energiepreise. Denn Energie, also Strom, Benzin und Co., werden für die Produktion nahezu aller Produkte benötigt, sind in quasi allen wirtschaftlichen Bereichen unverzichtbar. Das führt mittlerweile sogar so weit, dass zuletzt erst Sony den Preis für die Playstation 5 tatsächlich erhöhte - eigentlich kennt man von Konsolen nur das genaue Gegenteil. Berechtigterweise kann man in diesem Kontext die Frage stellen: Sollten Gamer nicht besser aufs Zocken verzichten - für das Gemeinwohl?

Zocken ist ein stromhungriges Hobby

Immerhin ist Gaming ein deutlich Ressourcen-hungrigeres Hobby als andere. Für Brettspiele braucht man keinen Strom, auch Tischtennis spielt sich ganz wunderbar analog, also ohne den Einsatz von Energie-Ressourcen, die aktuell knapper sind denn je. Nur, um ein paar Beispiele zu nennen. Zum Zocken braucht es allerdings dringend Strom, und der wird zwar zunehmend regenerativ gewonnen, ein großer Teil stammt aber immer noch aus Kohle und teils Gas, was nicht nur die Klimakrise weiter befeuert, sondern im Fall von Letzterem sogar eigentlich für wichtigere Dinge benötigt wird.

Wie wärs mit echtem Fußball statt FIFA zocken?

Die Diskussion um explodierende Gaspreis hat ja jeder mitbekommen und auch den Live-Füllstand der deutschen Gasspeicher kennen dieses Jahr vermutlich zum ersten Mal überhaupt die allermeisten Leute. Ist es da nicht fast schon egoistisch, mitunter bis zu hunderte Kilowattstunden jährlich dafür aufzuwenden, zum Beispiel virtuelle Fußbälle in FIFA zu kicken - wenn das doch ganz ohne Stromverbrauch, dafür mit viel sinnvollerem Kalorienverbrauch, auch draußen in der echten Welt möglich ist?

Viel Stromverbrauch durch viele Millionen Gamer

Diese Frage muss grundsätzlich jeder für sich selbst beantworten. Immerhin gibt es auch viele andere Hobbys und Aktivitäten, die mit einem teils hohen und unnötigen Energie- und Stromverbrauch verbunden sind. Man denke nur an die oft hitzige Diskussion um die zunehmend populären SUVs oder selbst bei Hitze und drastischer Trockenheit immer noch reichlich bewässerte Golfplätze. Wenn man sich aber die aktuellen Zahlen des deutschen Branchenverbands der Spieleindustrie anschaut, ist die Zahl der Gamerinnen und Gamer im Land allerdings mittlerweile gigantisch - so viele Golfspieler hat Deutschland sicherlich nicht.

Lieber Nintendo Switch statt Gaming-PC?

Letztlich ist es ja auch eine ganz individuelle Kostenfrage. Wer nur mit der Nintendo Switch zockt, verbraucht natürlich nur einen Bruchteil des Stroms von einem Zocker mit fettem Gaming-PC und RTX 3090. Playstation 5 und Xbox Series X liegen irgendwo dazwischen, benötigen aber zwingend auch noch Strom für einen Fernseher und vielleicht auch noch eine Soundbar. Wer wirklich sparsam zocken will, kann die Switch einfach im Handheld nutzen und kommt dann selbst bei zwei Stunden Zocken pro Tag und den gestiegenen Strompreisen fürs ganze Jahr nur auf wenige Euro Gesamtkosten. Der PC-Gamer schafft es da im Extremfall durchaus auf ein paar hundert Euro.


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Sollten Gamer jetzt verzichten?

Also was nun tun, weniger zocken, gar nicht mehr spielen, für das Allgemeinwohl im Land? Wahrscheinlich wäre der Beitrag im Vergleich zu anderen Bereichen gering, wo deutlich mehr Einsparpotenzial besteht. Außerdem kann so ein Gaming-PC auch erstaunlich gut die Wohnung beheizen, was im Sommer oft zu Frust führt, in diesem Winter mit Horror-Gaspreisen aber ein echter Vorteil ist. In diesem Sinne: Im Zweifelsfall lieber frierend zocken als gar kein Spaß.

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