Mario Kart Live: Home Circuit: AR-Rennspiel für Nintendo Switch ausprobiert!
Special
Nach Nintendo-Konsolen, Arcade-Automaten und Mobilgeräten erobert Mario Kart nun auch die Wohnzimmer und Büros: Mario Kart Live: Home Circuit verbindet Funracer-Gameplay mit Kartfahren und Augmented Reality. Der Preis dafür ist ordentlich - aber lohnt sich die Anschaffung?
Nintendo ist doch immer für eine Überraschung gut, oder? Sei es das wohl bekannteste Mobile Game aller Zeiten, Pokémon Go, die kreativen Bastelsets rund um Nintendo Labo, die Etablierung von Touchscreens (Nintendo DS) und Bewegungssteuerung (Wii) am Massenmarkt, brillenlose dreidimensionale Darstellung (3DS) auf einem Handheld oder ... eines der vielen anderen Beispiele, deren ausnahmslose Auflistung an dieser Stelle wohl jeglichen Rahmen sprengen würde.
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Mit Mario Kart Live: Home Circuit beweist das japanische Unternehmen erneut seinen Hang zu ungewöhnlichen Spielkonzepten. Denn dabei handelt es sich um nichts anderes als eine wilde Kombination aus dem vermutlich beliebtesten Funracer der Welt, ferngesteuerten Mini-Karts und erweiterter Realität. Das hat es so noch nicht gegeben! Doch nur, weil das Konzept in der Theorie spannend klingt, muss es das in der Realität noch lange nicht sein. Glücklicherweise hatten wir die Gelegenheit, Mario Kart Live dem ausführlichen Test zu unterziehen und damit Stärken und Schwächen des AR-Mario-Kart kennenzulernen.
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Was ist in der Box?
Zunächst einmal zu den Grundlagen. Bei Mario Kart Live: Home Circuit (jetzt kaufen 169,99 € ) handelt es sich um derzeit zwei verschiedene Varianten eines ferngesteuerten Karts mit weiterem Zubehör im Karton. Aktuell ist das Fahrzeug als Mario- und Luigi-Modell erhältlich, weitere Varianten sind bei Erfolg des Spiels denkbar. Die preisliche Hürde ist ziemlich hoch, bei den meisten Händlern werden zwischen 100 und 130 Euro fällig; bei vereinzelter Knappheit teils gar noch mehr. Im Karton befinden sich neben dem Kart ein USB-C-Kabel zum Aufladen, allerdings ohne Netzteil, vier faltbare Tore aus Pappe, zwei Richtungsweiser (ebenfalls aus Karton) sowie eine kurze Anleitung. Die zum Spielen benötigte Software für die Switch liegt nicht bei und muss kostenlos aus dem eShop heruntergeladen werden. Etwas schade, haben wir doch eine Cartridge erwartet wie bei Nintendo Labo. Für die meisten Spieler ist das sicher nicht allzu schlimm, Sammlern allerdings könnte das Weglassen einer physischen Version sauer aufstoßen.
Herzstück: Das Kart
Das Herzstück von Mario Kart Live: Home Circuit ist freilich das Kart. Der Unterschied zwischen der Mario- und Luigi-Variante ist rein optischer Natur, technisch sind beide Versionen identisch. Unter einer kleinen schiebbaren Klappe an der Seite befindet sich ein USB-C-Anschluss zum Laden. Eine vollständige Ladung benötigt rund dreieinhalb Stunden, dafür bekommt ihr eine Laufzeit von rund 90 bis 120 Minuten, je nachdem, wie schnell ihr fahrt. Wenn ihr das Set kauft, könnt ihr sofort loslegen, der Akku ist zwar nicht komplett voll, aber bereits ganz ordentlich geladen. Ebenfalls am Kart befindet sich ein kleiner Zündknopf, wie er im Spiel genannt wird, der dem Einschalten sowie Synchronisieren mit eurer Switch-Konsole dient. Kart und Switch verbinden sich per Wifi-Direct ohne Umwege miteinander.
Nicht zu übersehen ist außerdem die Kamera, die sich direkt über dem Kopf von Mario beziehungsweise Luigi befindet. Die fängt das Geschehen vor euch live ein, überträgt es an die Switch und erweitert das Bild um rein digitale Elemente wie Gegner, Hindernisse und Items. Die Reifen des Karts sind aus Gummi und lassen sich zwecks Reinigung leicht abnehmen. Beim Steuern bewegen sich die vorderen Räder, die hinteren sind starr. Das Fahrzeug ist relativ kompakt und kleiner als es in Videos wirkt, dafür aber auch erstaunlich wendig. Steuern könnt ihr das Kart mit Joy-Cons oder Pro Controller, das Spiel selbst betrachtet ihr wahlweise direkt auf der Switch im Handheld- oder Tisch-Modus, der TV-Modus wird ebenfalls unterstützt.
Quelle: PC Games
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Simple Einrichtung
Um das Kart in Betrieb zu nehmen, ladet ihr euch zunächst die Software aus dem eShop herunter, synchronisiert Fahrzeug und Konsole miteinander, knipst ein flottes Bild für eure sogenannte Rennlizenz und bekommt eingangs kurz die Grundlagen erklärt. All das dauert nur wenige Minuten und dann könnt ihr direkt losfahren. Wollt ihr richtige Rennen mit Gegnern, Items und Co. absolvieren, müsst ihr noch die vier Tore aus Pappe aufstellen. Dazu müsst ihr sie nur auffalten, was schnell und einfach funktioniert und so im Raum platzieren, dass die Kamera des Karts die Aufschrift beim Anfahren jeweils gut erkennen kann.
Platziert ihr beispielsweise direkt vor einem Tor eine enge Kurve, dann "sieht" die Kamera das Tor nicht vollumfänglich und das Spiel schreibt euch beim Überfahren von Tor 1 keine Runde gut; darauf ist bei der Aufstellung also unbedingt zu achten. Die Richtungsweiser sind optional, sehen aber in der AR-Variante eures Rennens auf dem Bildschirm hübsch aus. Um nun Rennen zu fahren, fahrt ihr die gewünschte Piste einmal langsam ab, wobei ihr alle vier Tore durchqueren müsst. Damit legt ihr eure individuelle Strecke fest. Und dann kann es auch schon losgehen!
1, 2, 3 und go!
Bei Mario Kart Live: Home Circuit stehen euch verschiedene Modi und Spielmöglichkeiten zur Auswahl. Im Singleplayer könnt ihr beispielsweise einen Grand Prix absolvieren. Mehrere davon stehen zur Auswahl, jeder besteht aus drei Rennen über jeweils fünf Runden - das ist also etwas anders als bei Mario Kart 8 (Deluxe). Die Strecke bleibt dabei immer genau die gleiche, die ihr zu Beginn selbst durch Abfahren festgelegt hat. Der Unterschied liegt dann in den AR-Spielelementen, die ihr auf dem Bildschirm zusätzlich zum Kamerabild zu sehen bekommt. Das sind unterschiedliche Untergründe, Hindernisse, Items, Gegner und Besonderheiten der Strecken. Erstaunlicherweise kommt dabei im Endeffekt ein sehr typisches Mario-Kart-Erlebnis heraus und auch die Steuerung fühlt sich ganz typisch nach dem Funracer an.
Es wird allerdings bisweilen chaotisch auf der halb-virtuellen, halb-realen Strecke, vor allem im Multiplayer. Bis zu vier Spieler können gleichzeitig mit ihren Karts antreten, ergänzt um CPU-Widersacher in Form der Koopalinge. Hierbei hatten wir selbst beim Spielen mit enormen Rucklern und Aussetzern beim Kamerabild zu kämpfen, mehrfach brach die Verbindung sogar komplett ab und wir wurden aus bereits begonnenen Mehrspielerpartien geworfen. Erst nach mehrmaligem Versuchen konnten wir zu zweit auch nur einen einzigen Grand Prix absolvieren. Das Multiplayer-Erlebnis war damit insgesamt leider enttäuschend. Wenn es denn funktioniert, dann allerdings bereitete uns Mario Kart Live großen Spaß. Die Betonung liegt dabei auf "wenn".
Verbindung not available
Generell ist die zuweilen extrem schlechte Verbindung zwischen Kart und Switch das größte Problem bei Home Circuit. Nintendo gibt selbst nur eine Reichweite von wenigen Metern ohne Hindernisse an und diese Angabe stimmt tatsächlich. Sind auch nur dünne Gegenstände wie ein Regal teils im Weg, wird die Reichweite weiter reduziert. Was sich zunächst in schlechtem und ruckelndem Kamerabild zeigt, führt dann relativ schnell zum kompletten Stillstand des Fahrzeugs, wenn die Verbindung einfach komplett abbricht. Das passierte uns selbst völlig ohne Hindernisse schon bei wenigen Metern Abstand zum Kart.
Quelle: PC Games
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Beim Spielen in einer (kleinen!) Wohnung war die Verbindung sogar noch schwieriger möglich als in einem Büro, Mario Kart Live beinahe unspielbar. Am Ende brachen wir den heimischen Spielversuch sogar komplett ab, zu frustrierend das Erlebnis. Und das ist insbesondere deswegen furchtbar schade, weil das Rumfahren mit dem Kart mit Live-Kamerabild auf Switch oder TV eigentlich riesigen Spaß macht. Probleme hatten wir auch beim Kamerabild, wenn die Beleuchtung nicht optimal war. Grundsätzlich ist das übertragene Bild aber okay, wenn die Bedingungen optimal sind.
Grand Prix und mehr
Immerhin aber bietet das Spiel viele unterschiedliche Möglichkeiten. Neben dem Grand Prix können wir uns auch beim Zeitfahren versuchen, den Spiegelmodus meistern oder einfach frei umherfahren uns beispielsweise die Katze aufscheuchen oder die Kolleginnen und Kollegen im Büro, ähm, "überraschen". Der Akku spielt lange mit, das ist ein klarer Pluspunkt. Beim Grand Prix schalten wir verschiedene Karts, Hupen und Outfits frei, die wir beliebig miteinander kombinieren dürfen. Das ändert freilich nichts am Äußeren des physischen Karts, sehr wohl aber bei der AR-Variante auf dem Bildschirm.
Quelle: Nintendo
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Je nachdem, welche Geschwindigkeitsklasse wir auswählen, ist das Fahrzeug tatsächlich schneller oder langsamer unterwegs. 50ccm, 100ccm, 150ccm sowie 200ccm stehen zur Auswahl, wobei die höheren Klassen erst freigeschaltet werden müssen. Auch die aus Mario Kart 8 Deluxe bekannte Schlau-Steuerung ist verfügbar, die das Kart davon abhält, den virtuellen Streckenverlauf zu verlassen. Das funktioniert erstaunlich gut, konnten wir das Fahrzeug auf diese Art doch problemlos über die komplette Strecke fahren lassen, indem wir einfach nur Gas gaben und überhaupt nicht mehr selbst steuerten. Beeindruckend!
Bitte nacharbeiten!
Selten haben wir ein Nintendo-Produkt gesehen, bei dem Freude und Frust so nahe beieinanderlagen und sich ständig abwechselten, wie bei Mario Kart Live: Home Circuit. Wenn die Bedingungen optimal sind und entsprechend alles wie gewünscht funktioniert, bereitet das AR-Erlebnis riesigen Spaß und weiß zu beeindrucken. Die Hürden dafür sind allerdings sehr hoch und so haben wir ständig mit schlechtem Kamerabild, Verbindungsabbrüchen und einer extrem kleinen Reichweite zu kämpfen, was teils bis zur völligen Frustration führt.
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Die Idee von Home Circuit ist dennoch faszinierend und so hoffen wir für die nächste Generation auf erhebliche Verbesserungen bei der Verbindung und Reichweite. Davon abgesehen macht Nintendo nämlich bereits jetzt sehr vieles richtig und hat ein spannendes neues Konzept auf dem Markt.
